BLASMUSIK: Dank ihnen sitzt die Uniform

2100 Musikanten nehmen am Wochenende am Musiktag teil. Damit die Uniformen passen, legt das Atelier Büttiker in Pfaffnau notfalls Nachtschichten ein.

Christian Hodel
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Im Atelier Büttiker in Pfaffnau werden Uniformen für Blasmusikvereine gefertigt. Im Bild: Inhaber Markus Büttiker mit Mitarbeiterin Arminda Pereira. (Bild Manuela Jans)

Im Atelier Büttiker in Pfaffnau werden Uniformen für Blasmusikvereine gefertigt. Im Bild: Inhaber Markus Büttiker mit Mitarbeiterin Arminda Pereira. (Bild Manuela Jans)

Bei Musikant Franz spannts. Seine Hose hängt nun neben einem Dutzend weiteren Uniformen an einem Kleiderständer in Pfaffnau. «Vor einem Musiktag herrscht bei uns Hochbetrieb», sagt Rita Büttiker (53), die zusammen mit ihrem Mann und 15 Mitarbeitern das Atelier Büttiker führt. Uniformen, Trachten und Zunftkleider werden hergestellt, geflickt, gereinigt oder abgeändert. Über 300 Musikvereine aus der ganzen Schweiz sind die Kunden. Und jetzt im Frühling, vor den kantonalen Musiktagen- und Festen, wollen die Musiker vor allem eins: rein passen in die Kleidung.

Kittel besteht aus 80 Einzelteilen

Bei der Uniform von Musikant Franz wird gerade der Hosenbund ausgeweitet. Am Tisch nebenan näht eine Schneiderin 80 einzelne Stoffteile zu einem Kittel zusammen. Gearbeitet wird im Eiltempo, seit zehn Wochen auch samstags. «Notfalls legen wir Nachtschichten ein», sagt die Atelierleiterin. Ab dem Sommer werde es dann wieder ruhiger. Dann stehen vor allem Neuuniformierungen an – das Kerngeschäft der Büttikers. Für bis zu 25 Vereine werden jährlich neue Einkleidungen angefertigt. Tausende von Kilometern legt Markus Büttiker (55) im Jahr zurück, um bei den Musikanten Mass zu nehmen. Zu Hause im Atelier, das er 1988 vom Vater übernahm, wird ein persönliches Schnittmuster erstellt – der Stoff von Hand zugeschnitten. 30 Stunden Arbeit sind nötig für eine Einkleidung mit Hose, Hut, Gilet und Kittel. Der Stoff für weitere gut zehn Uniformen wird in einer Halle gelagert. «Jeder Verein hat eine individuelle Uniform», sagt Rita Büttiker. Wolle das Korps etwa nach zehn Jahren zusätzliche Bekleidung bestellen, müsse exakt dasselbe Material verfügbar sein. Stoff im Wert von gut einer Million Franken wird im Lager gehortet.

Immer mehr kaufen Stangenware

Die Uniform sei «der Stolz eines jeden Vereins», sagt Markus Büttiker. «Es gibt Vereine, die sind mehr der KKL-Typ und wollen leichte, schwarze Anzüge anziehen. Andere wiederum möchten sich auf der Marschstrecke präsentieren und brauchen eine Uniform, die sich von der Masse abhebt.» Und welche sind die besseren Kunden? «Ich bin überzeugt, dass viele Blasmusikfans vor allem wegen der Marschmusik und den schönen Uniformen ein Fest besuchen gehen.» Es sei schade, wenn nur noch «Zivilisten in schwarzen Anzügen» herumlaufen würden. «Die Musikfeste sollten wieder farbenfroher werden.» Der Trend in den letzten Jahren gehe nämlich dahin, dass immer mehr Vereine standardisierte Anzüge aus leichtem Stoff tragen. So billig wie möglich, laute das Credo. Stangenware. Made in Taiwan.

Im Atelier Büttiker sind Anzüge ab 500 Franken erhältlich. Die eigenen Produkte hingegen seien massgeschneidert, so Büttiker. Produziert wird ausschliesslich in der Schweiz – was landesweit nur noch zwei weitere Uniformhersteller tun. «Das Geschäft hat sich gewandelt.» Einerseits spüre man den Preisdruck. «Andererseits ist es schwer, gutes Fachpersonal zu finden.» Kommt hinzu: Seit fünf Jahren gibt es laut Rita Büttiker in der Schweiz keinen Hersteller mehr, der den speziellen Wollstoff für die Uniformen liefert. «Seither müssen wir unseren Stoff aus der EU beziehen.» Gut 400 Gramm wiegt ein Laufmeter Uniformstoff. Deren vier braucht es für eine Einkleidung mit Hose, Krawatte, Gilet und Kittel. Zum Vergleich: Der Stoff eines herkömmlichen Anzugs wiegt 120 Gramm pro Laufmeter. Alte historische Uniformen seien gar über 600 Gramm schwer, so Rita Büttiker. Dafür sei der schwere Stoff strapazierfähiger – was oft auch nötig ist.

Mit Uniform in den See gesprungen

Rausgerissene Ärmel, Grasflecken am Hintern oder abgewetzte Knie: «Ich will gar nicht wissen, wie man dies fertig bringt», sagt Markus Büttiker. Er habe schon Uniformen in die Reinigung gekriegt, die noch feucht waren. Dies, weil die Sieger an einem Musikfest unisono in einen See gesprungen sind. «Bisher haben wir aber alle Uniformen retten können.» Rund 20 Jahre halte im Durchschnitt eine «qualitativ gute Uniform». Zwischen 1500 und 2500 Franken kostet eine traditionelle Einkleidung samt Stickereien, Hemden und Hut. Wer Sorge trage, könne diese aber auch nach 35 Jahren noch aus dem Schrank nehmen.

Aus dem Schrank genommen werden die Uniformen auch dieses Wochenende. Stolz werden die 2100 Musiker am kantonalen Musiktag durch Wauwil marschieren. Und auch Musikant Franz wird es dann wieder wohl sein – rund um den Hosenbund.

Wauwil lädt zum Blasmusikfest

Dieses Wochenende werden 2100 Musikanten aus 54 Formationen in Wauwil am kantonalen Musiktag zu Gast sein. Gespielt wird am Samstag ab 9.30 Uhr und am Sonntag ab 9 Uhr im Zentrum Linde. Um 21.50 Uhr tritt die Brassband Bürgermusik Luzern mit dem Selbstwahlstück auf, mit dem die Band als erste Schweizer Formation Anfang Mai den Europäischen Brass-Band-Wettbewerb gewann. Anders als bei den Konzertvorträgen werden die Bands bei der Parademusik rangiert.

Am Samstag, 31. Mai, findet der Parademusik-Wettbewerb von 14 Uhr bis 15.30 Uhr sowie zwischen 17 Uhr und 18.30 Uhr statt. Am Sonntag startet die Marschmusik um 14 Uhr und dauert bis 15.30 Uhr. Eine halbe Stunde vor Paradebeginn eröffnet das Majorettenkorps Wauwil jeweils den Wettbewerb. Erwartet werden am Wochenende rund 15 000 Besucher.

14 Beizli, Extrahalt am Bahnhof

14 Beizli, Bars und Festzelte stehen bereit – sowie ein Lokal, das 32 Stunden durchgehend geöffnet hat. Der Schnellzug von Basel nach Luzern legt in der Nacht auf Sonntag um 1.52 Uhr einen Extra-Stopp in Wauwil ein – damit die Besucher in Sursee oder Luzern die Nachtbusse in alle Richtungen erreichen.
Heute Mittwoch findet im grossen Festzelt ab 18.30 Uhr eine Countrynight samt Line-Dance-Fläche statt.

Hinweis
Der Eintritt zu den Konzertvorträgen kostet
pro Tag 10 Franken, zur Parademusik 5 Franken. Infos zu den Spielzeiten und zum Festgelände: www.musiktagwauwil2014.ch