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BLASMUSIK: Das Atelier-Sterben geht weiter

Im Juni schliesst das Blasinstrumentengeschäft Müller. Damit gibt es in der Stadt künftig nur noch einen grossen Player – doch auch er kämpft mit hohen Mieten.
Simon Bordier
Fritz Müller in seinem Blasinstrumenten-Atelier an der Obergrundstrasse 44 mit einer Bass-Tuba, die er gerade mit einem kleinen Hammer ausbeult. (Bild Dominik Wunderli)

Fritz Müller in seinem Blasinstrumenten-Atelier an der Obergrundstrasse 44 mit einer Bass-Tuba, die er gerade mit einem kleinen Hammer ausbeult. (Bild Dominik Wunderli)

Simon Bordier

Im Geschäft mit Blasinstrumenten bläst ein rauer Wind. Er ist auch in der Blasmusikhochburg Luzern zu spüren. Vor einem Jahr konnte man noch zwischen drei Ateliers wählen: der Filiale von Musik Hug am Kapellplatz, dem Geschäft F. Müller Blasinstrumente an der Obergrundstrasse und dem Geschäft Musikpunkt Lohri am Alpenquai. Dann wurde letzten Sommer die Musik-Hug-Filiale von der Luzerner Altstadt an die Stadtgrenze verlegt. Das Geschäft mit Blasinstrumenten spielt dort nur noch eine marginale Rolle. Und nun gibt per Ende Juni auch Fritz Müller (64) seinen Ein-Mann-Betrieb in Luzern auf.

Weniger Musikschüler

«Das Geschäft ist in den letzten Jahren schwieriger geworden», sagt Müller. Zum einen habe er den Rückgang von Klarinetten-, Trompeten- und anderen Musikschülern gespürt. Zum anderen sorge der Handel im Internet für ein raues Klima. «Ich habe eine eigene Internetseite, auf der man etwa Occasionsinstrumente bestellen kann», sagt er. Doch mit den grossen Internetplattformen könne er nicht Schritt halten. Zudem erschwere Billigware aus Asien das Geschäft. Wegen der schwierigen Lage habe er gar nicht erst nach einem Nachfolger Ausschau gehalten.

Fritz Müller hat seine Lehre als Reparateur bei Jürg Lohri, dem Gründer des heutigen Geschäfts Musikpunkt Lohri, abgeschlossen. 14 Jahre hat er dort gearbeitet, bevor er sich 1988 selbstständig machte. «Das Geschäft von Lohri ist im Verlauf der Jahre stark gewachsen», erklärt Müller. Dabei habe eine Spezialisierung der Mitarbeiter stattgefunden. «Doch ich habe gerade die Abwechslung meines Berufs geschätzt», sagt er. So sei bei einigen Instrumenten viel Feingefühl gefragt, während man beispielsweise beim Ausbeulen einer Tuba grob werden müsse. Im eigenen Betrieb habe er sein Wissen an drei Lehrlinge weitergeben können, so Müller.

Wenn man mit Fritz Müller redet, so glaubt man zuweilen, einer Art Arzt gegenüberzusitzen. Dazu meint er: «Tatsächlich ist mit vielen Kunden eine Vertrauensbeziehung entstanden. Schliesslich kannte ich die Sorgen und Nöte ihrer Instrumente – sobald etwas nicht funktionierte, kamen sie zu mir.» Ihn reue es, dass diese intime Atelierkultur verschwinde.

Liquidation steht bevor

Müller ist nicht nur Reparateur, sondern spielt selbst Trompete und Horn und singt in einem Chor. Als junger Mann habe er in zahlreichen Blasformationen mitgespielt. In den letzten Jahren habe er das Spiel allerdings vernachlässigt. Das werde sich mit der Pensionierung wohl wieder ändern. Vorerst gelte seine Konzentration der Liqui­dation seines Geschäfts: Ab sofort verkauft er Instrumente und Zubehör zu Sonderpreisen.

Auch Adrian Lohri, Geschäftsführer von Musikpunkt Lohri, konstatiert: «Das Geschäft mit Blasinstrumenten ist so umkämpft wie nie zuvor.» Von den insgesamt 30 Mitarbeitenden sind 21 in der Musikpunkt-Filiale in Luzern mit dem Verkauf und der Reparatur von Blas- und Schlaginstrumenten beschäftigt. «Mit unserem Spezialwissen richten wir uns an Kunden aus der ganzen Deutschschweiz», sagt Lohri. So könne man selbst im hart umkämpften Blasinstrumentensegment ein jährliches Wachstum «im einstelligen Prozent­bereich» verzeichnen.

Luzerner Marktführer im Internet

Immer wichtiger werde der Verkauf übers Internet, wo man überdurchschnittlich stark wachse, so Lohri. Die Internetseite der Musikpunkt AG sei im Blas- und Schlagzeugbereich schweizweit führend. Der Umzug von Musik Hug an den Stadtrand habe Auswirkungen auf das eigene Geschäft gehabt. Man habe nicht nur neue Kunden im Blasmusikbereich gewonnen, sondern verkaufe auch mehr Noten, Zubehör sowie neuerdings Mundharmonikas. Lohri rechne nach der Schliessung des Geschäfts von F. Müller mit einem ähnlichen Effekt.

Dabei mache sich die Zentrumslage seines Geschäfts bezahlt, erklärt Lohri: «Viele Kunden schauen bei uns vorbei, wenn sie ihre Stadteinkäufe erledigen.» Andererseits seien die Mieten hoch. Man habe schon mit dem Gedanken gespielt, von dem teuren Pflaster wegzuziehen. «Die Lagerräumlichkeiten haben wir aus Kostengründen in die Filiale Hochdorf verlegt», sagt er. Doch mittelfristig bleibe Musikpunkt Lohri in Luzern.

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