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BLASMUSIK: So treffen Sie den richtigen Ton

Ab Samstag wird Sempach für zwei Wochen zur Blasmusik-Hochburg. Wir zeigen Ihnen, was Sie wissen müssen, um mit den 5400 Musikanten Schritt zu halten.
Instrumente, die auch am Musikfest in Sempach gespielt werden: Tuba, Marimbafon, Piccolo und Posaune. (Bilder: Getty)

Instrumente, die auch am Musikfest in Sempach gespielt werden: Tuba, Marimbafon, Piccolo und Posaune. (Bilder: Getty)

Mit Pauken und Trompeten – eins, zwei, Marsch und Gleichschritt: Wer über Blasmusik spricht, hantiert oft mit Klischees. Doch in dieser Form von Musik steckt mehr. Blasinstrumente werden in allen erdenklichen Stilrichtungen eingesetzt – die Blasmusik ist weltweit verbreitet. Auch in unseren Gemeinden sind Blasorchester, Brassbands oder Bläserensembles nicht mehr wegzudenken. Sie tragen wesentlich zum kulturellen Leben bei.

57 000 Musikanten im Verband

Über 57 000 Musikanten zählt der Schweizer Blasmusikverband, mehr als 4600 kommen aus dem Kanton Luzern. Unser Kanton gilt aber nicht nur wegen seiner Sektionsgrösse als Blasmusik-Hochburg – der Luzerner Kantonal-Blasmusikverband ist der drittgrösste seiner Art in der Schweiz. Die Qualität der Vereine ist ebenso entscheidend, wie Erfolge verschiedenster Formationen im In- und Ausland zeigen. Jüngstes Beispiel: Die Brassband Bürgermusik Luzern erspielte sich am diesjährigen Europäischen Brass Band Wettbewerb den dritten Rang – im Vorjahr ging sie gar als Sieger hervor (wir berichteten).

Die nächsten zwei Wochenenden werden 5400 Musikanten, davon 1366 Jugendliche, die Stadt Sempach in eine Blasmusik-Festung verwandeln. Neben traditionellen Märschen an der Parademusik hören die erwarteten 25 000 Zuschauer moderne Unterhaltungsmusik und hochstehende Originalkompositionen von 44 Jugendformationen und 91 Musikvereinen.

Hinweis
Am Samstag findet ab 8.30 Uhr das Kantonal Jugendmusikfest statt. Am Sonntag startet das Kantonal Musikfest ab 8.30 Uhr. Alle Informationen und die Spielzeiten finden Sie unter: www.musikfestsempach.ch

Die Instrumente

Tuba - Sie gibt den Boden

Es ist das tiefste Blechblasinstrument. Die Tuba, wie wir sie heute kennen, wurde 1835 vom preussischen Militärsachverständigen Friedrich Wilhelm Wieprecht zusammen mit einem Berliner Instrumentenbauer entwickelt. Als Bassinstrument sorgt die Tuba für die tiefen Töne. Je nach Bauart und Stimmlage ist sie – würde man die einzelnen Röhren aneinanderlegen – bis zu 5,5 Meter lang. Rund 25 Liter Wasser passen in eine handelsübliche Tuba, die je nach Bauart meist zwischen 9000 und 14 000 Franken kostet.

Marimbafon - Teure Perkussion

Wie Tuben oder Posaunen gehören zur Blasmusik auch Perkussionsinstrumente dazu. Das Teuerste dieser Gattung, das dieses Wochenende in Sempach am Kantonal Jugendmusik- und Musikfest im Einsatz steht, ist ein Marimbafon. Es wiegt gegen 120 Kilogramm und kostet rund 20 000 Franken. Im Gegensatz zu einem Vibrafon mit Metallklangstäben hat die Marimba Holzklangstäbe. Das auf afrikanische Vorläufer zurückgehende Musikinstrument wurde in Guatemala entwickelt.

Posaune - Ganz ohne Ventile

Um 1450 wurde in Frankreich die Posaune entwickelt, wie wir sie in der heutigen Form kennen. Sie diente unter anderem den Turmwächtern als Warninstrument. Die Posaune setzt sich heute von anderen Blechblasinstrumenten – etwa der Trompete – vor allem durch ihren Zug ab. Dieser dient zur Erzeugung der Zwischentöne und übernimmt die gleiche Funktion wie die Ventile bei einer Trompete oder einer Tuba. Übrigens: Ventile wurden für Trompeten erst Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt.

Piccolo - So klein wie keines

Rund 32 Zentimeter misst das kleinste gängige Blasinstrument, das am Kantonal Musikfest in Sempach im Einsatz steht. Das Piccolo ist ein Holzblasinstrument und eine kleinere Bauform der Querflöte, welche in China bereits 900 Jahre vor Christus bekannt war. Eine frühe Form des Piccolos findet sich seit dem Mittelalter in der Militärmusik. Gemeinsam mit der kleinen Trommel machte sie den typischen Klang der Infanterie aus. In der Schweiz ist die Piccoloflöte heute vor allem durch die Basler Fasnacht bekannt.

So entsteht der richtige Ton

Der klassische Fehler eines Laien: Das Saxofon besteht aus Blech und ist darum ein Blechblasinstrument. Falsch. Es gehört zu den Holzblasinstrumenten, die nicht zwingend aus Holz gebaut sein müssen. Flöten wurden früher beispielsweise aus Knochen hergestellt. Als Holzblasinstrument werden, vereinfacht gesagt, jene Blasinstrumente bezeichnet, deren Ton mithilfe eines Luftblattes oder Rohrblattes erzeugt wird. Will heissen: Bei Holzblasinstrumenten entsteht der Ton entweder dadurch, dass sich die Luft an einer Kante bricht – wie bei der Flöte. Oder mittels eines Mundstückes von Rohrblättern in Schwingung versetzt wird – etwa bei der Klarinette oder dem Saxofon.

Lippen sind entscheidend

Blechbläser wiederum pressen ihren Mund an ein kesselförmiges Mundstück und bringen so die Lippen durch mehr oder weniger starkes Anspannen zum Schwingen. Dadurch entsteht eine Folge von Luftstössen, die ins Innere des röhrenförmigen Instruments geleitet werden. Schwingen die Lippen langsam, ist der Ton tief, schwingen die Lippen schnell, ist der Ton hoch. Mit dem gleichen Prinzip wird auch beim Alphorn ein Ton erzeugt.

Die ältesten Instrumente

Als das Grab des Pharaos Tutanchamun 1323 vor Christus in Ägypten entdeckt wurde, fand man Exemplare des ältesten heute noch erhaltenen Blechblasinstrumentes, des Schenebs. Diese trompetenartigen Instrumente sind rund 58 Zentimeter lang. Holzblasinstrumente wiederum zählen zu den ersten Musikinstrumenten überhaupt. Eines der ältesten bisher entdeckten Instrumente ist eine Flöte aus Schwanenknochen aus einer Höhle im heutigen Baden-Württemberg. Die Flöte wird auf ein Alter von mehr als 40 000 Jahren geschätzt.

Harmonie oder Brassband?

In Sempach werden dieses Wochenende am Kantonal Jugendmusik- und Musikfest verschiede Blasmusikformationen auftreten. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen zwei Besetzungstypen, die sich im Verlauf der Geschichte weltweit herausentwickelt haben.
Blasorchester: In dieser Besetzung spielen sowohl Holzbläser als auch Blechbläser. Meist sind zwischen 40 und 70 Musiker im Einsatz. Die Anzahl der Musiker variiert aber von Verein zu Verein. In Musikantenkreisen wird diese Besetzung häufig als Harmoniemusik bezeichnet. Eine ursprüngliche Harmoniemusik bestand früher in der Regel aber nur aus Oboen, Klarinetten, Fagotten sowie Hörnern. Solche Harmonie-Ensembles entstanden ungefähr um 1770.
Brassband: Bei dieser Besetzung sind neben Perkussionisten nur Blechblasinstrumente im Einsatz. Die Originalbesetzung einer Brassband besteht aus 28 Musikern. Diese Art von Blasmusik hat ihren Ursprung in den Kohlenbergwerksgebieten in Grossbritannien. Nach getaner Arbeit trafen sich die Arbeiter zur Zeit der frühen Industrialisierung um 1830 zum Musizieren. Damals ging man davon aus, dass diese Art von Musik die beruflich bedingten Lungenschäden vorbeugen kann. Dies, weil beim Spielen der Blechblasinstrumente die Atemorgane besonders beansprucht werden.

Starke Verbreitung ab 1950

Ab den 1950er-Jahren begann sich dieser Besetzungstyp allmählich in der Schweiz zu verbreiten, auch in Luzern. So sind von den 91 teilnehmenden Vereinen am Kantonal Musikfest 52 Brassband-Formationen und 39 Harmoniemusiken. Übrigens: In Brassbands gibt es keine Trompeten. Die Sopranstimmen werden von Cornets gespielt, die weicher und runder klingen.

Musikanten schnarchen weniger

Beinahe für alle Lebensbereiche werden Studien und Forschungen angestellt. So auch über Musikanten und Blasinstrumente. Hier eine Auswahl von Forschungsergebnissen:

Forscher fanden heraus, dass das Spielen eines Blasinstruments das Risiko einer Schlafapnoe verringert – also das kurze Aussetzen des Atmens während des Schlafes, das meist von lautem Schnarchen begleitet wird. Grund: Die Muskeln der oberen Atemwege sind bei Musikanten wesentlicher entspannter als bei Nichtmusikanten.

Mehrere Studien belegen, dass an Asthma erkrankte Kinder und Jugendliche ihre Lungen stärken, wenn sie über Jahre mehrmals wöchentlich ein Blasinstrument spielen. Die jungen Patienten erleiden wegen ihrer besser trainierten Atemmuskulatur weniger Atemnotanfälle als Kinder, die kein Blasinstrument spielen.

Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Blasmusiker häufiger unter einem erhöhten Augeninnendruck leiden. Grund: Beim Musizieren steigt der Luftdruck im Brustkorb an. In der Folge nimmt der Blutdruck in den Venen zu und verursacht in den Augen einen leichten Blutstau – was bei jahrelanger intensiver Belastung zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Übrigens: Das Spielen der Note B auf einer Tuba regt das Balzverhalten von Alligatoren an. 2007 hat ein Tubist zusammen mit einem Alligatorenexperten diesen bereits seit 70 Jahren vermuteten Umstand in einem Feldversuch geprüft. Nach stundenlangem Tubaspielen vor Alligatoren reagierten die Tiere ekstatisch auf den gespielten Ton B und balzten um die Wette.

Christian Hodel

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