BLUE BALLS: Dänin lädt mit feinem Pop zum Träumen ein

Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband.

Michael Graber
Drucken
Teilen
Die 33-jährige Agnes Obel bei ihrem Auftritt gestern im KKL. (Bild Corinne Glanzmann)

Die 33-jährige Agnes Obel bei ihrem Auftritt gestern im KKL. (Bild Corinne Glanzmann)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
40 Bilder
Stimmgewaltig: Paloma Faith am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Chloe Howl am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Alison Goldfrap und ihr Quintett gestern am Blue Balls im Konzertsaal des KKL: Die Engländerin begeisterte das Publikum mit ihrer prägnanten Stimme. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Jamie Woon am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Keystone)
Rita Ora bei ihrem Auftritt im KKL anlässlich des Blueballs. (Bild: Keystone)
Die Britin lässt sich von Fans feiern. (Bild: Keystone)
Die norwegische Popmusikerin und Songwriterin am 23. Juli im KKL. (Bild: Keystone)
Ihr Album «Weapon in Mind» schnellte 2013 auf Platz 1 der Charts. (Bild: Keystone)
Kulinarische Höhepunkte am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Farbenfrohes Blue Balls Festival 2014 vor dem KKL. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. (Bild: Keystone)
Kann und soll man einen Song wie «You're Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen? Doch als es soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. (Bild: Keystone)
Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sonnenuntergang auf der Terrasse unter dem KKL-Dach. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Panorama-Bild vom Luzerner Blue Balls (Bild: Leser Roman Beer)
Regnerisch, aber dennoch festliche Stimmung am Dienstag vor dem KKL. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Howlin Pelle Almqvist... (Bild: Keystone)
Sänger der schwedischen Rockband «The Hives», beim Auftritt am 21. Juli am Blueballs. (Bild: Keystone)
Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani. (Bild: Keystone)
Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum war die 42-Jährige in Schweden sehr erfolgreich, und tourte bald durch ganz Europa und Japan. Heute lebt sie eher zurückgezogen in Schweden. (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
John Smith zählt zu den aufregendsten Newcomern der neuen britischen Folkszene. (Bild: Keystone)
The Passenger im Luzerner KKL. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Fran Healy von Travis beim Konzert in Luzern. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Travis bezieht sich auf die Hauptperson des Films «Paris, Texas» von Wim Wenders. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Valerie June. (Bild: Keystone)
Nina Nesbitt ist das diesjährige Blue Balls Cover. (Bild: Keystone)
Die Karriere der 20-jährigen Schottin begann, als sie auf der Internet-Plattform Youtube ihre eigenen Lieder und Cover-Versionen hochlud. (Bild: Keystone)
Ed Sheeran. (Bild: Keystone)
Blue Balls ist die neue Festhütte von Luzern. Eine Dauerberieselung aus Musik, «Gschnorr» und guter Laune. Das kann einem schon mal übel zusetzen. Aber die Menschen scheinen es zu mögen (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tausende von ihnen sind Freitagnacht und auch Samstagnacht am See unterwegs oder stauen sich vor dem Hotel Schweizerhof in ungemütlicher Dichte. Alles ist mega, super und cool. Finsterlinge, die diesem Gute-Laune-Überschuss nicht trauen, bleiben besser zu Hause. Oder holen sich draussen beim Pavillon eine Protestbüchse Eichhof über die Gasse. Aber die ist ja unterdessen auch Heineken geworden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Gross und Klein am Blue Balls Festival. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Noch ist es ruhig und wenig Leute haben sich versammelt: Einen Abend vor dem Start des Blue Balls sind die Zelte und weitere Infrastruktur bereits aufgestellt. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)
Die Zelte sind bereit vor dem Start des Blue Balls. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ

Nein, eine heitere Sache war dieses Konzert nicht. Die Töne, die Agnes Obel anschlug, waren dunkler Natur, die Grundstimmung war düster, und das Ganze war eher leise als laut. Die Dänin war ein klassischer Kontrapunkt in all dem Festtrubel des Blue Balls.

Mit ihrem fein gesponnenen Pop schaffte sie es gestern im KKL spielend, die Leute zu begeistern. Zusammen mit ihren beiden Mitmusikerinnen – das Trio (Flügel, Cello, Geige) spielte zum ersten Mal live in dieser Besetzung – webte sie dichte Collagen aus Loops und live gespielten Tönen. Meistens starteten sie sehr zerbrechlich und steigerten sich dann in Lautstärke und Intensität. Die Lieder explodierten aber nie. Nur zweimal lotete Obel die Grenzen der Klangfähigkeit des Saals aus – es hätte durchaus noch das eine oder andere Mal mehr passieren dürfen.

Spass am Experiment

Musik muss ja aber auch nicht immer knallen, sie muss auch längst nicht immer unterhalten, sie kann eben wie auch bei Obel einfach zum Träumen und Abdriften einladen. Wer die Augen schloss, wähnte sich bald irgendwo in tiefer Abgeschiedenheit auf der Welt, einzig irgendeine laute Lüftung verhinderte das komplette Abtauchen in eine andere Welt.

Gesungen wurde auch. Oft zu dritt sogar, und Obel, obwohl am wuchtigen Flügel platziert, wirkte gar nicht wie eine Solokünstlerin, sondern als Teil einer Band, in der alle gleichberechtigt waren. Das machte Spass zum Zuschauen. Hier wurde mit viel Leidenschaft und mit hörbarer Freude am Experiment musiziert. Oftmals vielleicht etwas ernst und fast ein bisschen traurig.

Dabei konnte die 33-jährige Dänin zwischen den Songs durchaus witzig sein. Sie erzählte mehrfach von ihrem Vater, der selber sieben Jahre in der Schweiz gelebt hatte, und gratulierte allen Luzerner zu ihrer Stadt: «Ihr könnt euch sehr glücklich schätzen.»

Umgekehrt konnte sich Luzern auch glücklich schätzen, dass Obel im KKL auftrat. Der feine, fragile Pop gehört zum Spannendsten, was das Blue Balls heuer zu bieten hat.

Im Anzug gerockt

Blue Balls mg. Die Schweden von The Hives sind ein sicherer Wert für gute Konzerte. Mit ganz viel Einsatz und stilecht gekleidet in weissen Anzügen liefern sie eine rasante Rock-Show. Die Sparte ist heuer am Festival untervertreten, aber dieses Manko bliesen The Hives am spätem Montagabend locker weg.

Sänger Pelle Almqvist legte dabei geschätzte zehn Kilometer zurück, liess sich auch mal durch den Luzerner Saal tragen oder bat die Zuschauer sich hinzuknien. Bei soviel Spektakel gehen die Songs ein wenig unter, doch die alten Heuler wie «Main Offender» und «Die, All Right!» sind immer noch gut. Vor allem natürlich live, weil das rotzige Grundgefühl so richtig rüberkommt. Dem jungen Publikum, darunter Olympiasieger Iouri Podladtchikov, gefiels allemal. Schön, dass die Hives das Rock-Fähnchen im KKL hochhalten.