BLUE BALLS: Ein Mann, eine Gitarre, und das zweimal

Passenger zeigte gestern Abend im KKL, wie aus leisen Tönen grosse Kraft erwächst. Doch er war nicht der einzige Engländer, der Luzern begeistert hat.

Arno Renggli
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Passenger faszinierte gestern Abend nicht nur mit einer sehr speziellen, sondern auch einer vielseitigen Stimme. (Bild Roger Grütter)

Passenger faszinierte gestern Abend nicht nur mit einer sehr speziellen, sondern auch einer vielseitigen Stimme. (Bild Roger Grütter)

Vielen Leuten bei uns, die nicht so oft Popmusik hören, fiel Passenger alias Mike Rosenberg vielleicht erstmals in der «Wetten, dass ...?»-Sendung vom Juni 2013 auf (siehe Hinweis). Dort stand der kleine Mann in der riesigen Open-Air-Arena auf Mallorca, schrammelte auf der Gitarre, sang das einfache Lied «Let Her Go» mit dieser seltsamen Stimme, die klang, als wäre ein Kind vorzeitig in den Stimmbruch geraten. Ringsum herrschte totale Stille, es war pure Magie.

Zu dem Zeitpunkt allerdings befand sich der 30-Jährige, der davor viele Jahre als unbekannter Strassenmusiker umhergetingelt war, schon seit Wochen in unseren Charts ganz oben. Strassenmusiker im allerbesten Sinne ist er geblieben, auch gestern im KKL. Ein Mann und seine Gitarre, mehr war da nicht. Doch wie viel war gerade das!

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
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Stimmgewaltig: Paloma Faith am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Chloe Howl am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Alison Goldfrap und ihr Quintett gestern am Blue Balls im Konzertsaal des KKL: Die Engländerin begeisterte das Publikum mit ihrer prägnanten Stimme. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Jamie Woon am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Keystone)
Rita Ora bei ihrem Auftritt im KKL anlässlich des Blueballs. (Bild: Keystone)
Die Britin lässt sich von Fans feiern. (Bild: Keystone)
Die norwegische Popmusikerin und Songwriterin am 23. Juli im KKL. (Bild: Keystone)
Ihr Album «Weapon in Mind» schnellte 2013 auf Platz 1 der Charts. (Bild: Keystone)
Kulinarische Höhepunkte am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Farbenfrohes Blue Balls Festival 2014 vor dem KKL. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. (Bild: Keystone)
Kann und soll man einen Song wie «You're Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen? Doch als es soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. (Bild: Keystone)
Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sonnenuntergang auf der Terrasse unter dem KKL-Dach. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Panorama-Bild vom Luzerner Blue Balls (Bild: Leser Roman Beer)
Regnerisch, aber dennoch festliche Stimmung am Dienstag vor dem KKL. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Howlin Pelle Almqvist... (Bild: Keystone)
Sänger der schwedischen Rockband «The Hives», beim Auftritt am 21. Juli am Blueballs. (Bild: Keystone)
Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani. (Bild: Keystone)
Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum war die 42-Jährige in Schweden sehr erfolgreich, und tourte bald durch ganz Europa und Japan. Heute lebt sie eher zurückgezogen in Schweden. (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
John Smith zählt zu den aufregendsten Newcomern der neuen britischen Folkszene. (Bild: Keystone)
The Passenger im Luzerner KKL. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Fran Healy von Travis beim Konzert in Luzern. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Travis bezieht sich auf die Hauptperson des Films «Paris, Texas» von Wim Wenders. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Valerie June. (Bild: Keystone)
Nina Nesbitt ist das diesjährige Blue Balls Cover. (Bild: Keystone)
Die Karriere der 20-jährigen Schottin begann, als sie auf der Internet-Plattform Youtube ihre eigenen Lieder und Cover-Versionen hochlud. (Bild: Keystone)
Ed Sheeran. (Bild: Keystone)
Blue Balls ist die neue Festhütte von Luzern. Eine Dauerberieselung aus Musik, «Gschnorr» und guter Laune. Das kann einem schon mal übel zusetzen. Aber die Menschen scheinen es zu mögen (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tausende von ihnen sind Freitagnacht und auch Samstagnacht am See unterwegs oder stauen sich vor dem Hotel Schweizerhof in ungemütlicher Dichte. Alles ist mega, super und cool. Finsterlinge, die diesem Gute-Laune-Überschuss nicht trauen, bleiben besser zu Hause. Oder holen sich draussen beim Pavillon eine Protestbüchse Eichhof über die Gasse. Aber die ist ja unterdessen auch Heineken geworden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Gross und Klein am Blue Balls Festival. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Noch ist es ruhig und wenig Leute haben sich versammelt: Einen Abend vor dem Start des Blue Balls sind die Zelte und weitere Infrastruktur bereits aufgestellt. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)
Die Zelte sind bereit vor dem Start des Blue Balls. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ

Auch mal ohne Mikrofon

Und wer sich gefragt hatte, ob diese leise, fast fragil wirkende Stimme ein ganzes Konzert tragen könnte, merkte rasch: in jedem Moment. Denn Passenger konnte auch rau sein, konnte auch laut sein und füllte den ausverkauften Saal durchaus auch mal ohne Mikrofon. Typisches Beispiel war seine Adaption des Simon & Garfunkel-Hits «The Sound Of Silence», die in aller Stille begann und sich zur totalen Ekstase steigerte. Auch sonst zeigte Passenger sein strassengeschultes Können als Interpret grosser Hits, wie etwa bei «Wake Me Up» von Aloe Blacc. Aber er überzeugte auch mit eigenen Songs, teils vom neuen Album «Whispers», teils ältere. Natürlich fehlte auch der Superhit «Let Her Go» nicht. Und es war nicht das einzige Mal, dass das Publikum lauthals mitsang.

Neben fantastischer Musik bewies er auch Entertainerqualitäten und vor allem viel Humor. So erzählte er gleich am Anfang: «Das letzte Mal, als ich in der Schweiz war, machte ich Strassenmusik in Zürich. Und nach 40 Sekunden kam die Polizei.» Seither hat er eine grosse Karriere gemacht. Aber nicht vergessen, welche seine Wurzeln sind.

Sheeran auf Augenhöhe

Ein wenig war sein Auftritt vergleichbar mit demjenigen von Ed Sheeran (23) am Vortag. Auch dieser verzauberte im Alleingang. Auch er überzeugte als Sänger und als Entertainer, interagierte gut gelaunt mit dem Publikum, liess es mitsingen. Dazu zeigte er unerwartete Zusatzfähigkeiten, etwa als Beatboxer.

Sheeran und Passenger, die beiden Engländer, zeigten, wie viel Kraft in der Schlichtheit liegen kann. Beide sind jetzt schon Anwärter, wenn wir am Ende der nächsten Woche auf die besten Auftritte des Blue Balls 2014 zurückblicken.