BLUE BALLS-FESTIVAL: Beim Publikum erfolgreich - finanziell weniger

Das 22. Blue Balls Festival in Luzern ist als Publikumserfolg zu Ende gegangen. Die Auslastung der Konzerte im KKL war gestiegen. Finanziell bleibt unter dem Strich dennoch ein Verlust. Grund sind ein Rückgang von 20 Prozent bei den Pin-Verkäufen und weniger Sponsoren.

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Valerie June eröffnete mit ihren erdigen Blues-Songs das Festival 2014. (Bild: Keystone)

Valerie June eröffnete mit ihren erdigen Blues-Songs das Festival 2014. (Bild: Keystone)

Am Samstagabend ging das neuntägige Festival im ausverkauften KKL mit einer dreistündigen Show der Söhne Mannheims zu Ende. Als Gäste standen befreundete Künstler wie BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, Soulsängerin Nneka und «The Voice Kids»-Gewinnerin Michèle Bircher sowie die Flying Steps auf der Bühne. Das Konzert soll später als Live-Album veröffentlicht werden.

Blue-Balls-Direktor Urs Leierer zog nach neun Festivaltagen am Sonntag vor den Medien mehrheitlich eine positive Bilanz. Trotz Regen, der die Festivalstimmung an einzelnen Abenden etwas getrübt habe, seien die Veranstaltungen am Luzerner Seebecken von über 100'000 Fans besucht worden. Die Zahl entspricht dem in den Vorjahren kommunizierten Besucheraufkommen.

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
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Stimmgewaltig: Paloma Faith am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Chloe Howl am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Alison Goldfrap und ihr Quintett gestern am Blue Balls im Konzertsaal des KKL: Die Engländerin begeisterte das Publikum mit ihrer prägnanten Stimme. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Jamie Woon am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Keystone)
Rita Ora bei ihrem Auftritt im KKL anlässlich des Blueballs. (Bild: Keystone)
Die Britin lässt sich von Fans feiern. (Bild: Keystone)
Die norwegische Popmusikerin und Songwriterin am 23. Juli im KKL. (Bild: Keystone)
Ihr Album «Weapon in Mind» schnellte 2013 auf Platz 1 der Charts. (Bild: Keystone)
Kulinarische Höhepunkte am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Farbenfrohes Blue Balls Festival 2014 vor dem KKL. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. (Bild: Keystone)
Kann und soll man einen Song wie «You're Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen? Doch als es soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. (Bild: Keystone)
Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sonnenuntergang auf der Terrasse unter dem KKL-Dach. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Panorama-Bild vom Luzerner Blue Balls (Bild: Leser Roman Beer)
Regnerisch, aber dennoch festliche Stimmung am Dienstag vor dem KKL. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Howlin Pelle Almqvist... (Bild: Keystone)
Sänger der schwedischen Rockband «The Hives», beim Auftritt am 21. Juli am Blueballs. (Bild: Keystone)
Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani. (Bild: Keystone)
Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum war die 42-Jährige in Schweden sehr erfolgreich, und tourte bald durch ganz Europa und Japan. Heute lebt sie eher zurückgezogen in Schweden. (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
John Smith zählt zu den aufregendsten Newcomern der neuen britischen Folkszene. (Bild: Keystone)
The Passenger im Luzerner KKL. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Fran Healy von Travis beim Konzert in Luzern. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Travis bezieht sich auf die Hauptperson des Films «Paris, Texas» von Wim Wenders. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Valerie June. (Bild: Keystone)
Nina Nesbitt ist das diesjährige Blue Balls Cover. (Bild: Keystone)
Die Karriere der 20-jährigen Schottin begann, als sie auf der Internet-Plattform Youtube ihre eigenen Lieder und Cover-Versionen hochlud. (Bild: Keystone)
Ed Sheeran. (Bild: Keystone)
Blue Balls ist die neue Festhütte von Luzern. Eine Dauerberieselung aus Musik, «Gschnorr» und guter Laune. Das kann einem schon mal übel zusetzen. Aber die Menschen scheinen es zu mögen (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tausende von ihnen sind Freitagnacht und auch Samstagnacht am See unterwegs oder stauen sich vor dem Hotel Schweizerhof in ungemütlicher Dichte. Alles ist mega, super und cool. Finsterlinge, die diesem Gute-Laune-Überschuss nicht trauen, bleiben besser zu Hause. Oder holen sich draussen beim Pavillon eine Protestbüchse Eichhof über die Gasse. Aber die ist ja unterdessen auch Heineken geworden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Gross und Klein am Blue Balls Festival. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Noch ist es ruhig und wenig Leute haben sich versammelt: Einen Abend vor dem Start des Blue Balls sind die Zelte und weitere Infrastruktur bereits aufgestellt. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)
Die Zelte sind bereit vor dem Start des Blue Balls. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ

Mit dem Programm zeigte sich der Festivalleiter ebenfalls zufrieden. Die Konzerte seien beim Publikum sehr gut angekommen. Die Auslastung der Konzerte im KKL stieg laut Leierer gegenüber dem Vorjahr von 80 auf 86 Prozent.

Zu den musikalischen Höhepunkten und Publikumsmagneten zählten dieses Jahr internationale Stars wie Ed Sheeran, Passenger, James Blunt, Paloma Faith, Joss Stone und Archive.

Einbruch bei Sponsoring und Werbung

Finanziell wird das Festival unter dem Strich allerdings einen Verlust einfahren, wie der Blue-Balls-Chef erklärte. Grund für das negative Ergebnis sind gemäss Leierer ein «drastischer Einbruch» beim Sponsoring und bei den Werbeeinnahmen. Genaue Zahlen gab er nicht bekannt.

Im Vorfeld des Festivals hatten mehrere Sponsoren ihre Zusammenarbeit auslaufen lassen. Leierer begründete die Situation mit stetigen Änderungen im Kultursponsoring. Er äusserte sich aber zuversichtlich, für die nächste Blue-Balls-Ausgabe wieder neue zusätzliche Sponsoren zu finden.

Wie schon in früheren Jahren kam es 2014 erneut zu einem Verkaufsrückgang bei den Festival-Pins. Dieses Jahr seien aus unbekannten Gründen rund 20 Prozent weniger Pins verkauft worden, sagte Leierer. Mit dem 20-fränkigen Abzeichen können Besucher das Festival und die kostenlos angebotenen Konzerte im Pavillion und vor dem KKL unterstützen.

Kritik an Polizeikosten

Die Blue-Balls-Organisatoren müssen zudem dieses Jahr erstmals für die Präsenz von Polizeipatrouillen am Festival mit rund 14'500 Franken aufkommen. Zuvor hatte der Kanton Luzern die Gebührenverordnung der Polizei geändert, wonach Veranstalter von Grossanlässen für zusätzliche Polizeipräsenz zahlen müssen. Dabei gibt es Ausnahmen etwa für Brauchtumsfeste.

Direktor Urs Leierer legte gegen die Neuregelung der Behörden Beschwerde ein, wie er sagte. Sie grenze an Willkür. Das Blue Balls verfolge keine kommerziellen Zwecke und sei nur Dank rund 400 freiwilligen Helfern durchführbar, sagte er.

Das nächste Blue Balls Festival soll vom 17. bis 25. Juli 2015 stattfinden. Abstriche bei der 23. Ausgabe will Leierer trotz finanzieller Engpässe nicht machen. Eher würde er das Festival einstellen, als es reduzieren, sagte der passionierte Festivalgründer.

Um das Blue Balls Festival langfristig finanziell zu sichern und zu verankern, hatte der Direktor im Frühling eine gemeinnützige Stiftung gegründet. Diese soll das finanzielle Rückgrat des Vereins Luzerner Blues Session mit 22 aktiven Mitgliedern werden. Die Stiftung soll unter anderem Kapital für finanziell magere Jahre äufnen, wie Leierer sagte.