Blue Balls Festival: «Die Stadt zahlt uns zu wenig»

Der Leiter des Blue Balls Festivals, Urs Leierer, kritisiert die Behörden für ihre Unterstützung des Festivals. Denn die ganze Region profitiere stark vom Anlass. Doch dieser Imagegewinn werde massiv unterschätzt.

Hugo Bischof
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Das Blue Balls Festival ist ein Publikumsmagnet – hier die Open-Air-Bühne vor dem KKL. (Archivbild LZ)

Das Blue Balls Festival ist ein Publikumsmagnet – hier die Open-Air-Bühne vor dem KKL. (Archivbild LZ)

Das diesjährige Blue Balls Festival wird vom 19. bis 27. Juli die Stadt Luzern wie gewohnt mit viel Blues, Jazz, Soul, Funk, Rock und Pop in Schwingung bringen. Ohne adäquate öffentliche Unterstützung sei Blue Balls 2020 in der heutigen Form aber nicht mehr durchführbar, warnte Festival-Direktor Urs Leierer vor kurzem (Ausgabe vom 7. Juni). In der Kritik steht vor allem die Stadt Luzern. Ihr Beitrag ans Festival sei zu gering – im Vergleich zu dem, was sie dank Blue Balls in Sachen Wertschöpfung und Image gewinne.

Mit 750'000 Franken bis 1 Million beziffert die Stadt ihre Leistungen für das Festival. «Das ist eine willkürliche Aussage», sagt Leierer. Ihn stört vor allem die Berechnung des Gegenwerts für das Gratis-Nutzungsrecht, das die Stadt dem Festival für die Open-Air-Events rund ums Seebecken, vom Europaplatz bis zum Kurplatz, gewährt. Die Stadt spricht hier von einem Wert von 300'000 bis 1,28 Millionen Franken.

Blue Balls zahlt 125'000 Franken Billettsteuern

«Diese Spannbreite zu kommunizieren, ist fragwürdig; das kann man mal so oder so auslegen», sagt Leierer. Ausserdem sei die Nutzung des öffentlichen Grundes beschränkt, «da jedermann auf das Areal kann und der Veranstalter keinen Eintritt verlangen darf». Es gebe keine Konsumationspflicht und viele Kosten würden vom Veranstalter getragen. Allein für die Reinigung rund ums Seebecken budgetiert der Verein Luzerner Blues Session 90'000 Franken.

Natürlich sei er dankbar für das kostenlose Nutzungsrecht des öffentlichen Grunds, sagt Leierer: «Ohne dieses wären die bescheidenen Anfänge des Festivals mit dem Auftritt von Lee Rocker von den Stray Cats 1996 im Pavillon am Nationalquai nicht möglich gewesen.» Dass die Stadt seit einigen Jahren das kostenlose Nutzungsrecht des öffentlichen Grunds mit diesem Spielraum in die Rechnung einbeziehe, sei aber nicht fair:

«Es wird nur davon gesprochen, was die Stadt Luzern dem Festival gibt. Nicht aber, was Blue Balls der Stadt und dem KKL bringt.»

Berechnungen der Stadt: Theoretische Werte

Wie kommt die Stadt auf die Spannbreite von 300'000 bis 1,28 Millionen Franken? Die beiden Werte seien eher «theoretischer Natur», räumt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt, ein – «zumal Anlässe in der vorliegenden Grössenordnung mit einer reglementarischen Verrechnung gar nicht stattfinden könnten». 300'000 Franken ergäbe sich für die reine Nutzfläche (Stand-/Bühneninfrastrukturen, 2500 Quadratmeter). Rund 1,2 Millionen Franken seien es mit Einbezug der Publikumsflächen (total 10'000 Quadratmeter). Leierer bleibt dabei: «Es sollte ein klarer Wert kommuniziert werden, der auf einem klaren Tarif basiert.»

Auch eine andere Rechnung geht für Leierer nicht auf. Die Stadt subventioniert das Blue Balls Festival mit 130'000 Franken pro Jahr. «Aber», sagt Leierer, «der Verein Luzerner Blues Session zahlt der Stadt jedes Jahr 125'000 Franken Billettsteuer. Also verbleiben uns gerade noch 5000 Franken.» Auch den Erlass von 10'000 Franken für die Einrichtung von Absperrgittern, Signalisationen, Parkplatz-Sperrungen etc. relativiert Leierer: «Insgesamt kosten uns diese Massnahmen 22'000 Franken. Also müssen wir auch hier 12'000 Franken selber zahlen.»

Dann kommen noch die vergünstigten Nutzungsrechte im KKL, die dem in Luzern domizilierten Verein Blue Balls wie anderen Luzerner Vereinen auch zustehen. Für zwei Konzerte im grossen KKL-Saal zahlt Blue Balls 3500 statt 24'500 Franken Miete. Im Luzerner Saal sind es elf Konzerte für 2400 statt 8500 Franken Miete. Aus den von Leierer präsentierten Zahlen ergeben sich monetäre Gesamtleistungen der Stadt im Wert von 124'100 Franken. «Viel zu wenig», so Leierer. Blue Balls bringe ein gewaltiges Flair in die Stadt und Region Luzern:

«Die auftretenden Stars schwärmen in den Social Media von Luzern und posten Kommentare wie ‹I wanna live in Lucerne›. Das ist unbezahlbare Werbung.»

Stadt Luzern ist «offen und gesprächsbereit»

Bei der Grösse und Dauer des Festivals dürfte die Wertschöpfung bei 10 Millionen liegen, sagt Leierer. Dank Blue Balls sei Luzern neben klassischer Musik nun auch für U-Musik national und international bekannt. «Aus der Region müssten mindestens 300000 Franken Cash als Beitrag ans Blue Balls Festival kommen», fordert Leierer: «Aber alle Eingaben wurden negativ beantwortet. Die Regionalkonferenz Kultur will nächstes Jahr nicht mehr mitmachen; allein das sind wieder 4500 Franken weniger. Der Kanton zahlt seit zwei Jahren gar nichts mehr.»

Wie geht es weiter? Urs Leierer hofft nach wie vor, dass ab Anfang 2020 eine operative Stiftung die Veranstalterin des Blue Balls Festivals wird. Dafür müssen bis Ende August mindestens zehn Persönlichkeiten und/oder Institutionen gefunden werden, die sich mit mindestens 100'000 Franken am Stiftungskapital beteiligen. «So kann das Festival für die Stadt Luzern nachhaltig erhalten bleiben», sagt Leierer.

«Das Blue Balls ist ein tolles, beliebtes Festival und eine Bereicherung im Sommerprogramm der Stadt Luzern», teilte Simon Rimle, Leiter Kommunikation der Stadt Luzern, im Auftrag des Stadtrats mit. Die Stadt Luzern sei deshalb «offen und gesprächsbereit, um über nachhaltig tragbare Lösungen zu diskutieren».