BLUE BALLS: Plötzlich hätte man am liebsten geheult

James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. Und inmitten der guten Laune griff er einem ans Herz.

Arno Renggli
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Stimmung mit tollen Songs und zwischendurch eine emotionale Breitseite: James Blunt gestern in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Stimmung mit tollen Songs und zwischendurch eine emotionale Breitseite: James Blunt gestern in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
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Stimmgewaltig: Paloma Faith am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Chloe Howl am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Alison Goldfrap und ihr Quintett gestern am Blue Balls im Konzertsaal des KKL: Die Engländerin begeisterte das Publikum mit ihrer prägnanten Stimme. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Jamie Woon am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Keystone)
Rita Ora bei ihrem Auftritt im KKL anlässlich des Blueballs. (Bild: Keystone)
Die Britin lässt sich von Fans feiern. (Bild: Keystone)
Die norwegische Popmusikerin und Songwriterin am 23. Juli im KKL. (Bild: Keystone)
Ihr Album «Weapon in Mind» schnellte 2013 auf Platz 1 der Charts. (Bild: Keystone)
Kulinarische Höhepunkte am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Farbenfrohes Blue Balls Festival 2014 vor dem KKL. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. (Bild: Keystone)
Kann und soll man einen Song wie «You're Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen? Doch als es soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. (Bild: Keystone)
Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sonnenuntergang auf der Terrasse unter dem KKL-Dach. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Panorama-Bild vom Luzerner Blue Balls (Bild: Leser Roman Beer)
Regnerisch, aber dennoch festliche Stimmung am Dienstag vor dem KKL. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Howlin Pelle Almqvist... (Bild: Keystone)
Sänger der schwedischen Rockband «The Hives», beim Auftritt am 21. Juli am Blueballs. (Bild: Keystone)
Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani. (Bild: Keystone)
Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum war die 42-Jährige in Schweden sehr erfolgreich, und tourte bald durch ganz Europa und Japan. Heute lebt sie eher zurückgezogen in Schweden. (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
John Smith zählt zu den aufregendsten Newcomern der neuen britischen Folkszene. (Bild: Keystone)
The Passenger im Luzerner KKL. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Fran Healy von Travis beim Konzert in Luzern. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Travis bezieht sich auf die Hauptperson des Films «Paris, Texas» von Wim Wenders. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Valerie June. (Bild: Keystone)
Nina Nesbitt ist das diesjährige Blue Balls Cover. (Bild: Keystone)
Die Karriere der 20-jährigen Schottin begann, als sie auf der Internet-Plattform Youtube ihre eigenen Lieder und Cover-Versionen hochlud. (Bild: Keystone)
Ed Sheeran. (Bild: Keystone)
Blue Balls ist die neue Festhütte von Luzern. Eine Dauerberieselung aus Musik, «Gschnorr» und guter Laune. Das kann einem schon mal übel zusetzen. Aber die Menschen scheinen es zu mögen (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tausende von ihnen sind Freitagnacht und auch Samstagnacht am See unterwegs oder stauen sich vor dem Hotel Schweizerhof in ungemütlicher Dichte. Alles ist mega, super und cool. Finsterlinge, die diesem Gute-Laune-Überschuss nicht trauen, bleiben besser zu Hause. Oder holen sich draussen beim Pavillon eine Protestbüchse Eichhof über die Gasse. Aber die ist ja unterdessen auch Heineken geworden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Gross und Klein am Blue Balls Festival. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Noch ist es ruhig und wenig Leute haben sich versammelt: Einen Abend vor dem Start des Blue Balls sind die Zelte und weitere Infrastruktur bereits aufgestellt. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)
Die Zelte sind bereit vor dem Start des Blue Balls. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ

Kann und soll man einen Song wie «You’re Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen?

Doch als es gestern Abend soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. Und was man am Radio vielleicht nicht mehr hören mag, funktioniert live wunderbar. Schlicht berührt der bittersüsse Song um eine unmögliche Liebe, der ihn 2005 auf einen Schlag weltweit berühmt gemacht hat und der bei uns 97 Wochen lang in den Charts war. Das Luzerner Publikum singt mit, und den letzten Satz, weil Blunt verstummt ist, alleine: «Cause I’ll Never Be With You.»

Zappeliger Lausbub

James Blunt ist ein Singer-Songwriter, den man sich vielleicht auch solo auf der Bühne vorstellen könnte, wie dies etwa Ed Sheeran oder Passenger am Blue Balls schon gezeigt haben. Aber nichts da, es beginnt mit Bombast, mit Playback-Klängen von Richard Strauss’ «Also sprach Zarathustra» und Laserstrahlen, dann legt die Band los.

Und der kleine Blunt wirkt zunächst etwas verhalten. Der 40-jährige Brite ist nun nicht der geschmeidige Bühnenperformer, wirkt etwas eckig und in seinem Mechanikeroverall eher wie ein Lausbub, der immer zappeliger wird. Aber dieses Antistarauftreten macht ihn sympathisch. Ebenfalls ist er nicht der überragend vielseitige Sänger, er hat einfach diese markant nasale und zugleich gefühlvolle Stimme mit den immer wieder schönen Falsetttönen.

Ohne Vorwarnung

Vor allem aber hat er viele gute Songs dabei, unglaublich viele. Und man realisiert, wie viele Hits dieser Mann in den letzten Jahren herausgebracht hat. Die Stimmung steigt, das Publikum geht mit, James Blunt blüht noch mehr auf, Song für Song.

Dann ist er doch plötzlich allein auf der Bühne, die Band hat sich flugs verzogen. Und ohne Vorwarnung kommt dieses Lied, das zum emotionalen Höhepunkt werden wird. Blunt krümmt sich schier über dem Klavier, singt, klagt, schluchzt fast «Goodbye My Lover» ins Mikrofon. Der Schmerz ist fühlbar, es bricht einem das Herz, man möchte losheulen, so traurig und so schön ist das. Das Publikum ist hin und weg.

Und dann nochmals drei Hits

Aber Blunt bleibt kein Kind von Traurigkeit. Denn dann geht die Party richtig los, die Leute stehen längst im vornehmen weissen Konzertsaal, viele inzwischen auch am Bühnenrand. Blunt wetzt auf der Bühne hin und her, macht einen Ausflug zwischen die Zuschauerreihen, klopft Sprüche etwa über seine geringe Körpergrösse. Wieder folgen bekannte Songs, unerschöpflich scheint sein Repertoire. Und als das Konzert zu Ende ist, zaubert er als Zugaben locker nochmals drei Welthits hervor: «Stay The Night», «Bonefire Heart» und «1973». Einfach stark, der kleine grosse Mann.