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BLUE BALLS: Showtime, jazzige Würze und auch Tiefe

Jazz hat Schmiss und macht glücklich: Das hat die Französin Zaz mit Big Band am Samstag in Luzern klar­gemacht. Zuvor begeisterte auch Melody Gardot.
Zaz liess auch ihren Mitmusikern Raum für kleine Showeinlagen. (Bild: Philipp Schmidli)

Zaz liess auch ihren Mitmusikern Raum für kleine Showeinlagen. (Bild: Philipp Schmidli)

Pirmin Bossart

Die Programmierung des Samstagabends am Blue Balls passte ausgezeichnet zum schwülen Wetter, das sich den ganzen Tag über aufgebaut hatte. Mit säuselndem Pop oder schreiendem Kommerz hätte man verloren in der Hölle der Belanglosigkeit geschmort. Aber wir hatten Glück: Melody Gardot im weissen Saal des KKL Luzern und Zaz im Luzerner Saal gaben dem launenhaften Sommergefühl eine Erdung. Und beide Sängerinnen verstanden es auf ihre Weise, die latente Hitze in mitunter heisse Musik zu verwandeln.

Klassisches Chanson neu gewürzt

Zaz nennt sich die 35-jährige Französin Isabelle Geffroy, die seit ihrer Kindheit singt und diverse Instrumente spielen gelernt hat. Sie performte in Blues- und Jazzbands, bevor sie 2010 ihr erstes Album veröffentlichte, das sofort einschlug. Bekannt als Singer-Songwriterin, die das klassische Chanson mit neuen musikalischen Prisen wiederbelebt, steigerte sie sich in Luzern zu einer leidenschaftlichen Performerin, die ein gut pfefferndes und vielseitiges Orchester im Rücken hatte und den Jazz zur grossen Unterhaltungskunst zurückführte, die er einmal war.

Das Konzert begann mit einer Mischung aus Musette und Dixieland, unterstützt vom Dächlimützen-Schrumm der Gitarren. Es wieselte die Klarinette und swingte die Posaune. Schon im zweiten Stück wurde klar, dass es nicht nur musikalisch zur Sache ging, sondern sich auch showmässig die Fächer öffneten. Ein Bläser nach dem andern kam spielend auf die Bühne. Baritonsax, Trompete, Sopransax und Posaune traten abwechselnd solistisch in Aktion, um sofort wieder mit der Band zu verschmelzen. Das war erst der Anfang.

Mit Luzerner Unterstützung

Im Laufe des Abends wurde die Band immer grösser, der Sound gewaltiger, die Stimmung ausgelassener, die Show liebenswürdiger. Eine fette Unterstützung boten die Bläser der Big Band der Hochschule Luzern Musik, die den famosen Instrumentalisten von Zaz noch den letzten Schliff auf das Blech setzten. Als eine Klasse für sich entpuppten sich die fünf oder sechs Herren mit ihren grauen Hüten, die sich als Backgroundsänger, Finger schnippende Animatoren, Choreotänzer und auch als Duogesangspartner von Zaz so locker wie konzentriert in Szene setzten.

Thema war Paris

Und mitten in diesem wachsenden Tohuwabohu aus Gebläse, Tasten, Gitarren und präzisen Rhythmusschneisen stieg immer wieder die kernige Stimme von Zaz mit ihrem heiseren Unterton und dem kindlichen Enthusiasmus hervor. Locker bewegte sie sich zwischen den Tracks, die mal swingend auf Tempo machten, soulig in die Herzmitte zielten, chansonesk aufblühten oder pathetisch wie Popsongs abgingen. Thematisch war alles auf Paris eingestellt: «Paris» heisst ihr aktuelles Album, auf dem Zaz mit Songs aus verschiedenen Jahrzehnten der Hauptstadt der Liebe (und manchmal auch des Hasses) ihren leidenschaftlichen Tribut zollt.

Mitsingen bei «Champs-Elysées»

Zaz hielt in dieser auch optisch schmissigen Show stets die Zügel in der Hand. Sie gab Einsätze, trat singend in Dialog mit den Instrumentalisten, bewegte sich locker über die Bühne und blieb musikalisch engagiert und inspiriert. Bei Joe Dassins Hit «Champs-Elysées», der in einem rockigen Arrangement über die Bühne schwoll, sang (natürlich) der ganze Saal mit. Das Erstaunlichste an diesem Abend war jedoch, wie unverbraucht der Swing- und Gipsy-Jazz diese Chansons befeuerte, sodass oft nicht klar war, ob man sich nun an der Seine oder am Broadway befand. Jazz als mitreissende Unterhaltung: Was vor 80 Jahren Allgemeingut war, darf heute wiederentdeckt werden.

Melody Gardots Tiefgang

Auch Melody Gardot, die im weissen Saal zuvor ihr neues Album «Currency of Man» und ein paar ältere Songs vorgestellt hatte, gab mit dem kleinen Bläsersatz ihrer Band den Arrangements ihrer Songs und den aufgerauten Nuan­cen ihrer Stimme dem Spirit von Jazz eine Bühne. Noch stärker waren die Anteile von Funk und Soul, von Swamp-Rock und Blues, die ihre teils dunklen Songs prachtvoll durchzogen und eine glutvolle Atmosphäre schafften.

Die 30-jährige Amerikanerin, die nach ihrem schweren Unfall 2006 eine beispielhafte Karriere aufgebaut hat, ist zu einer eindrücklichen Musikerin geworden. Sie singt, spielt Gitarre und Klavier und versteht es, mit ihren Songs und Texten inmitten des unglaublich oberflächlichen Musikbusiness ein paar Spuren Ernsthaftigkeit und Tiefgang zu setzen. Dafür ist man heutzutage dankbar. Schliesslich ist Musik Medizin und nicht Rasierwasser.

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