BLUE BALLS: Travis brachten das Publikum mit Regen zum Lächeln

Am Samstag spielten die Schotten von Travis im Luzerner Saal. Zuweilen wirkten sie, als würden sie in einem Pub musizieren.

Michael Graber
Drucken
Teilen
Frontmann Fran Healy mit Energie und beeindruckendem Bart. (Bild Roger Grütter)

Frontmann Fran Healy mit Energie und beeindruckendem Bart. (Bild Roger Grütter)

«Why does it always rain on me?», hätte bis vor wenigen Tagen noch die offizielle Hymne dieses Sommers sein können. Mittlerweile sind die Temperaturen höher und der Regen weniger geworden.

Aber auch so bleibt der Travis-Hit auch 15 Jahre nach seiner Veröffent­lichung ein wunderbares Lied, das nichts von seiner Magie verloren hat. Und als die Schotten am späten Samstagabend mit eben jenem Song ihr Set am Blue Balls beendeten, zauberte schon alleine das Intro ein Lächeln auf das Gesicht der meisten Zuschauer.

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
40 Bilder
Stimmgewaltig: Paloma Faith am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Chloe Howl am 25. Juli am Blue Balls Luzern. (Bild: Keystone)
Alison Goldfrap und ihr Quintett gestern am Blue Balls im Konzertsaal des KKL: Die Engländerin begeisterte das Publikum mit ihrer prägnanten Stimme. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Jamie Woon am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Keystone)
Rita Ora bei ihrem Auftritt im KKL anlässlich des Blueballs. (Bild: Keystone)
Die Britin lässt sich von Fans feiern. (Bild: Keystone)
Die norwegische Popmusikerin und Songwriterin am 23. Juli im KKL. (Bild: Keystone)
Ihr Album «Weapon in Mind» schnellte 2013 auf Platz 1 der Charts. (Bild: Keystone)
Kulinarische Höhepunkte am Blue Balls Festival 2014. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Farbenfrohes Blue Balls Festival 2014 vor dem KKL. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
James Blunt, der vielleicht prominenteste Star des diesjährigen Festivals, erfüllte gestern die Erwartungen voll. (Bild: Keystone)
Kann und soll man einen Song wie «You're Beautiful», den die Leute schon so oft gehört haben, und der nebst Ohrwurmqualitäten inzwischen auch ein gewisses Nerv­potenzial hat, überhaupt noch live bringen? Doch als es soweit war, gegen Ende des Konzerts, wurde schnell klar: James Blunt will, und das Publikum erst recht. (Bild: Keystone)
Agnes Obel schlug die leisen Töne im KKL an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Dabei erzeugte sie aber eine höhere Intensität als manche Rockband. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sonnenuntergang auf der Terrasse unter dem KKL-Dach. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Panorama-Bild vom Luzerner Blue Balls (Bild: Leser Roman Beer)
Regnerisch, aber dennoch festliche Stimmung am Dienstag vor dem KKL. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Howlin Pelle Almqvist... (Bild: Keystone)
Sänger der schwedischen Rockband «The Hives», beim Auftritt am 21. Juli am Blueballs. (Bild: Keystone)
Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani. (Bild: Keystone)
Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum war die 42-Jährige in Schweden sehr erfolgreich, und tourte bald durch ganz Europa und Japan. Heute lebt sie eher zurückgezogen in Schweden. (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
Charlotte Cooper von der britschen Indie-Rock-Band Subways (Bild: Keystone)
John Smith zählt zu den aufregendsten Newcomern der neuen britischen Folkszene. (Bild: Keystone)
The Passenger im Luzerner KKL. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Fran Healy von Travis beim Konzert in Luzern. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Travis bezieht sich auf die Hauptperson des Films «Paris, Texas» von Wim Wenders. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Valerie June. (Bild: Keystone)
Nina Nesbitt ist das diesjährige Blue Balls Cover. (Bild: Keystone)
Die Karriere der 20-jährigen Schottin begann, als sie auf der Internet-Plattform Youtube ihre eigenen Lieder und Cover-Versionen hochlud. (Bild: Keystone)
Ed Sheeran. (Bild: Keystone)
Blue Balls ist die neue Festhütte von Luzern. Eine Dauerberieselung aus Musik, «Gschnorr» und guter Laune. Das kann einem schon mal übel zusetzen. Aber die Menschen scheinen es zu mögen (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tausende von ihnen sind Freitagnacht und auch Samstagnacht am See unterwegs oder stauen sich vor dem Hotel Schweizerhof in ungemütlicher Dichte. Alles ist mega, super und cool. Finsterlinge, die diesem Gute-Laune-Überschuss nicht trauen, bleiben besser zu Hause. Oder holen sich draussen beim Pavillon eine Protestbüchse Eichhof über die Gasse. Aber die ist ja unterdessen auch Heineken geworden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Gross und Klein am Blue Balls Festival. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
«The Animen», SRF3-Best Talent vom Juli 2013, auf der Luzerner Pavillon-Bühne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Noch ist es ruhig und wenig Leute haben sich versammelt: Einen Abend vor dem Start des Blue Balls sind die Zelte und weitere Infrastruktur bereits aufgestellt. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)
Die Zelte sind bereit vor dem Start des Blue Balls. (Bild: Leserbild Heinrich Inderbitzin)

Bild: Nadia Schärli / Neue LZ

Die «Neuen» sind die «Alten»

Der Grossteil war wohl auch exakt deswegen gekommen, um die «alten» Travis zu hören – eben jene, die mit «Sing», «Side» und «Why does it always rain on me?» Welthits hatten. Das ist nachvollziehbar, aber eigentlich sind die «neuen» Travis ziemlich so wie die «alten». Dies zeigen Fran Healy und seine Kollegen im ersten Teil des Konzerts. Auch ihre neuen Songs sind stimmige Brit-Pop-Nummern, vielleicht etwas verspielter, vielleicht gar ein bisschen raffinierter als die älteren Lieder. Aber letztlich ist es gar nicht die musikalische Raffinesse, welche Travis auszeichnet, sondern der Charme, der ihre Musik versprüht. Sie geht sofort ins Herz.

Ohne Mitsingspiele

Healy, der mittlerweile einen beeindruckenden Bart trägt, nuschelt zwischendurch mit starkem schottischem Akzent etwas ins Publikum. Mitsingspiele und andere vermeintliche Unterhaltungselemente fehlen zum Glück komplett: Travis reduzieren sich selber auf ihre Musik und eben die Stimmung, die sie damit verbreiten. Das reicht auch komplett. Zwar ist das Konzert nicht wirklich überragend, aber gut allemal.

Könnten auch Strassenmusiker sein

Und eben: dieses Gefühl, dass es allen Beteiligten Spass macht. Bei der Zugabe stellen sich die Musiker ganz eng zusammen in die Mitte der Bühne und singen, nur von einer Gitarre begleitet, zusammen ein Ständchen. Das wirkt wie vier Freunde, die in einem Pub einen Song spielen. Locker, luftig, beschwingt. Es würde einen nicht wundern, wenn man sie plötzlich an einer Strassenecke musizieren sehen würde. Und wenn da nicht ihre Hits wären, die allesamt schon eine Weile zurückliegen, würden sie wohl auch da Musik machen.

Nach gut anderthalb Stunden kam dann eben «Why does it always rain on me?». Die Leute lächelten. Das war ein schöner Samstagabend. Und das mit dem Regen, das kann jetzt ruhig noch ein bisschen warten.