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BLUE BALLS: Unterwegs mit einem «Festival-Batzen»

Für 50 Franken gibt es einen Pin, ein Getränk, einen Burger und ein Souvenir. Unsere Autorin zeigt, wie man sich mit beschränktem Budget am Festival vergnügt.
Claudia Wehrle arbeitet am Getränkestand. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Claudia Wehrle arbeitet am Getränkestand. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Astrid Longariello

«Hallo Luzern», tönt es aus den Lautsprechern vor dem Pavillon. «Noch nie haben wir an einem so schönen und vor allem so sauberen Ort wie Luzern, direkt am See, gespielt. Sowas gibt es bei uns in Berlin nicht», begrüssen die Musiker der Smith Street Band das Publikum. Sehr zur Freude der gut gelaunten Besucher, die diese schmeichelnde Aussage mit einem gewaltigen Applaus honorieren. Wie lässt es sich besser auf einen Besuch am Blue Balls einstimmen, als mit einem Apéro an einem Stand in unmittelbarer Nähe der Band, und sich dabei von den Klängen der Berliner Jungs mitreissen lassen. Claudia Wehrle hantiert geschickt hinter der Theke und nimmt sich Zeit auf ein Schwätzchen mit den Gästen. Also wird erstmals das Portemonnaie gezückt und neun Franken wechseln den Besitzer für einen Drink. 50 Franken umfasst an diesem Abend unser Blue-Balls-Budget. Mal sehen, wie weit es reicht.

Grosse kulinarische Auswahl

Claudia Wehrle arbeitet bereits das dritte Jahr im Team am Stand Pal 26. Nebenbei sei sie Hausfrau, Mutter und arbeite im Service und in einer Schreinerei. «Ich mache das aus Freude, und vor allem sind wir ein super Team mit einem tollen Zusammenhalt», schwärmt Wehrle.

Nun wecken zahlreiche Düfte allmählich ein kleines Hungergefühl. Also wird es Zeit, weiter zu gehen. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Von Senegal- oder Yemen-Food über asiatische Spezialitäten, mexikanisches Essen bis hin zu traditionellen Hamburgern oder Bratwürsten wird auf wenigen Metern alles angeboten, was das Herz begehrt.

20 Franken für den Pin

Mittlerweile tauchen immer mehr Besucher auf, und vor den Ständen entstehen Warteschlangen. Sie entpuppen sich als gute Gelegenheit für die Pin-Verkäufer. Yaël Hodel aus Buttisholz lässt sich diese nicht entgehen und freut sich über jeden Gast, der mit 20 Franken das Festival aktiv unterstützt. Sie meint, der Verkauf laufe nicht schlecht, doch es dürften ruhig noch ein bisschen mehr Leute ins Portemonnaie greifen. So sind nun mit dem Pin bereits 29 von 50 Franken weg.

Und der Hunger lässt nicht locker. Zu verlockend sind die verführerischen Düfte, die aus allen Himmelsrichtungen in die Nase dringen. Schliesslich fällt die Entscheidung auf einen schlichten Hamburger für neun Franken. Er schmeckt hervorragend, und der Magen ist jetzt endlich still.

Auf Sauberkeit wird Wert gelegt

Gesättigt und erwartungsvoll kann es weitergehen. Es locken Unmengen von Ständen, und rockige Klänge vom «Schweizerhof» wehen herüber. Der Weg führt an den sanitären Anlagen vorbei, vor denen sich bereits lange Kolonnen gebildet haben. Trotzdem lässt sich in der Damentoilette eine junge Frau nicht davon abhalten, die WCs peinlichst genau zu reinigen. Rebecca Abt beginnt jeweils um 18 Uhr mit den WC-Kontrollen. Bis 1 Uhr nachts werden die Toiletten ständig kontrolliert und nachgeputzt, bei Grossandrang alle fünf bis zehn Minuten. Danach geht es bis 4 Uhr morgens weiter mit den letzten Aufräumarbeiten. «Manchmal sehen die Anlagen schon schlimm aus. Je nach Tag und Anzahl Besucher. Die Leute werfen alles auf den Boden, das finde ich nicht so schön», sagt die Reinigungsfrau. Doch alles in allem seien die Leute schon auf Sauberkeit bedacht, resümiert Rebecca Abt. «Ich mache das jetzt das vierte Jahr und mir macht die Arbeit Spass. Sie ist unterhaltsam, und ich lerne immer neue Leute können. Es ist sozusagen Arbeit im Ausgang», lacht die engagierte Frau.

Fröhliche Ambiance

Die rockigen Klänge vor dem Hotel Schweizerhof machen einen Abstecher dorthin unumgänglich. Johnny Big Stone & The Blues Workers reissen das Publikum mit. Es wird mitgetanzt, mitgesungen oder bei einem gediegenen Abendessen auf der stilvollen Terrasse des Hotels Schweizerhof mitgehört. Keiner stört den anderen. Egal ob mit einer Bierflasche oder vor einem Glas Champagner – jedermann erfreut sich auf seine eigene Art ob der Musik und dem fröhlichen Ambiente.

Ein Muss am Blue Balls

Eines ist allerdings klar: Ein bisschen den Ständen entlang schlendern und vielleicht etwas kaufen, das gehört schon noch zu einem Besuch am Blue Balls. Mittlerweile ist es gar nicht mehr so einfach durchzukommen, dicht gedrängt spazieren die Menschen den Ständen am See entlang. Auch hier ist die Auswahl riesig. Taschen, Kleider, Lampen, Porzellanartikel, Wasserpfeifen, Hüte und vieles mehr wird feilgeboten. «Alles marokkanische Handarbeit», ertönt es aus einem bunt beleuchteten Stand. Ein gemütlicher Marokkaner preist seine variationsreichen Porzellangefässe an. Ein kleines blaues Schälchen erregt sofort Aufmerksamkeit. Und welch ein Glück. Es kostet nur zehn Franken, liegt also noch im Budget. Und schon wechselt es den Besitzer.

Nun sind allerdings 48 Franken verbraucht, das heisst, es gibt keinen Kaffee mehr. Was allerdings nicht heisst, dass der Besuch jetzt zu Ende sein muss. Geniessen und schauen, sich von den Ständen, der Musik und der Stimmung verzaubern lassen, geht immer. Sogar als Petrus beschliesst, seine Pforten noch ein bisschen zu öffnen. Dagegen gibt es Pelerinen und Regenschirme.

Yaël Hodel verkauft Festival-Pins. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Yaël Hodel verkauft Festival-Pins. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Autorin Astrid Longariello geniesst einen Burger. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Autorin Astrid Longariello geniesst einen Burger. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Rebecca Abt putzt die sanitären Anlagen. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Rebecca Abt putzt die sanitären Anlagen. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Gute Stimmung trotz Grossandrang vor dem KKL. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Gute Stimmung trotz Grossandrang vor dem KKL. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

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