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BLUES FESTIVAL: Das alles macht den Blues so besonders

Singende Gitarren, kernige Stimmen, stampfende Grooves: Das 23. Lucerne Blues Festival hat die Essenz von Blues über die Bühne gebracht. Und auch gezeigt, warum die Künstler so authentisch wirken.
Anson Funderburgh gehört zu den hochkarätigen Gitarristen, die am Samstag im Casino zu geniessen waren. (Bild: Nadia Schärli (18. November 2017))

Anson Funderburgh gehört zu den hochkarätigen Gitarristen, die am Samstag im Casino zu geniessen waren. (Bild: Nadia Schärli (18. November 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Manchmal scheint es, die Zeit sei stehen geblieben. Da tänzeln sie wieder auf der Bühne, greifen in die Instrumente, folgen dem Zwölftakter, öffnen ihr Herz, solieren, flattieren, singen und bringen die Augen der Besucher zum Leuchten. So war es am letzten Blues Festival, am vorletzten, so war es vor zehn und zwanzig Jahren, und so war es auch über das vergangene Wochenende. Lässt sich der Blues im Luzerner Ca­sino nieder, scheint er sich dort ewig wohlzufühlen.

Dieses Jahr waren viele Acts zu hören, die Schlag auf Schlag jenen Blues zelebrierten, den Artistic Director Dani Mebold als «authentisch» bezeichnet: Männer und Frauen, die mit Hingabe und den Mitteln des Blues ihre Geschichte erzählen, weil sie schlicht nicht anders können: rau, emotional, sentimental, manchmal auch augenzwinkernd oder abgebrüht. Davon konnten sich die Besucher schon am Auftaktabend überzeugen («Luzerner Zeitung», Samstag), und es war auch über das Wochenende zu erleben.

Am Freitag waren es ein paar ausgezeichnete Stimmen, die besonders auffielen. Den Anfang machte Classie Ballou. Der 80-Jährige sass auf einem Stuhl am Bühnenrand, umgeben von seiner Band The Eastside Kings, und animierte das Publikum: «Let me hear you say I love you, babe!» Er spielte eine feine Gitarre, aber noch inniger waren sein grosses Lachen und vor allem seine warm aufblühende Stimme, mit der er das Publikum in Bann zog. Classie Ballou intonierte auch den B.-B.-King-Klassiker «The Thrill Is Gone».

Der singende Gentleman

Monster Mike Welch & Mike Ledbetter hatten 2017 für die herausragendste Blues-Scheibe gesorgt, wie uns ein passionierter Blues-Fan im Publikum versicherte. Und live? Ihr Blues kam gestochen klar und variantenreich und war hervorragend gespielt. Neben den Saitenkünsten des Monsters überzeugten vor allem die eigenwillige Tonalität und der erstaunliche Stimmenumfang des Sängers Mike Ledbetter. ­Einen Song widmeten die beiden der Sängerin Annika Chambers, die prompt für ein kurzes Flirt-Intermezzo auf die Bühne stieg.

Als Sänger mit Würde und Emotion entpuppte sich Don Bryant, der mit den Bo-Keys nach Luzern reiste. Der 75-jährige Gentleman war kurzfristig für die gesundheitlich verhinderte Sängerin Denise LaSalle verpflichtet worden. Bryant war alles andere als ein «Ersatz», er war ein expressiver Protagonist, wie man ihn sich nur wünschen konnte. Als produktiver Songschreiber und Ehemann von Ann Peebles selber eine Art Legende, hatte er nach seinem Debut im Jahr 1969 erst dieses Jahr sein zweites Album veröffentlicht.

Es war ein perfektes Luzern-Timing für einen Sänger, der noch den alten Soul im Herzen trägt, aber auch die emotionale Dramaturgie mit ihrer Intensität und ihrer Innigkeit so professionell wie berührend performte. Bryant kitzelte eine heisse Memphis Soul Stew aus seiner Band, intonierte den balladesken Titelsong «Don’t Give Up On Love» und brachte am Ende auch noch seinen Hit «I Can’t Stand The Rain» sowie den Otis-Clay-Titel «It Was Jealousy» als Hommage für den verstorbenen und in ­Luzern geschätzten Soul-Sänger über die Bühne.

Ab und zu eine stilistische Auflockerung

Neben Monster Mike Welch waren mit Anson Funderburgh, Tom Holland oder Kid Ramos weitere hochkarätige Gitarristen zu hören. Sowohl Tom Holland wie Kid Ramos liessen sich mit Omar Coleman respektive Big Pete von wendigen Harp-Spielern begleiten, die den Quecksilber-Linien der Gitarristen das Erdige und Groovende entgegensetzten. Nicht umsonst waren es diese beiden Bands, die jeweils ab 1.30 Uhr im Casineum die Blues-Nacht mit wechselnden Gästen zu einer heissen Session bis in die frühen Morgenstunden ausdehnten.

Es gibt Blues-Fans, die von solchen Hochleistungsparcours mit solistischen Einlagen à dis­cretion nie genug bekommen. Andere sind froh, wenn sie dazwischen ab und zu eine stilistische Auflockerung erfahren. Eine gute Abwechslung war sicher ­Robert Kimbrough Sr. aus dem Norden von Mississippi. Sein «Cotton Patch Blues» hat eine archaisch-monotone Note und hörte sich eher wie Trance-Blues oder Voodoo-Blues an, von zwei scharf und manchmal fast noisig intonierenden Gitarren unter Puls gehalten.

Vielfalt ins rockende Blues-Haus brachte auch die Zydeco-Truppe um den Akkordeonisten Terrance Simien. Der rollende Gemütlichkeits-Sound mit jazziger Trompete, Rocksteady-­Einflüssen, superber Gitarre und kreolischen Grooves wurde schnell zu einer packenden Party-Fuhr. Simien warf Dutzende von farbigen Ketten ins tanzende und johlende Publikum. Am Schluss stand auch Ehrenpräsiden Guido «Mojo» Schmidt auf der Bühne und schrubbte taktvoll am Waschbrett mit.

Petticoat-Sängerin mit gewaltiger Stimme

Die heimliche Überraschung ­dieses Festivals war die Kaz Hawkins Band aus Nordirland. Es war nicht der reine Blues, der hier zelebriert wurde, es war diese kratzbürstig-furchterregend-beeindruckende Stimme von Kaz Hawkins, ihre Energie und ihre Songs, die beeindruckten. Die vom Leben geknüttelte Sängerin trat im blumigen Petticoat auf und schaffte es im Nu, beim Publikum anzudocken und die Herzen zu berühren. Auch die Luzerner Sängerin Estella Benedetti und ihre Band standen am Abend zuvor mit einem ähnlich bunten Programm auf der gleichen Casineum-Bühne. Sie machten alles richtig, aber es war im Vergleich geradezu harmlos.

Während der zehn Festivaltage verzeichnete das Festival über 11000 Eintritte. «Die Stimmung war erneut fantastisch. Der Blues lebt – und wie», kommentierte Martin Bründler, President Lucerne Blues Festival, am frühen Sonntagmorgen. Die Nacht zuvor hatte er immerhin zwei statt nur anderthalb Stunden geschlafen, bevor er am Blues-Brunch wieder auf der Matte stand.

Er habe enorm viele Komplimente für das Programm bekommen, sagte Bründler. Auch persönlich habe er viele Highlights erlebt. Sein Fazit: «Für mich gehörte diese Ausgabe zu den drei besten der letzten 20 Jahre.»

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