BLUTTAT: Menznau: Amokläufer litt an Schizophrenie

Der Verantwortliche für die Bluttat in Menznau litt unter Verfolgungswahn. Zu diesem Schluss kommt ein psychiatrisches Gutachten. Was die Tat auslöste, bleibt offen.

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Szene nach der Bluttat in der Firma Kronospan im Februar 2013. (Archivbild Neue LZ (Boris Bürgisser))

Szene nach der Bluttat in der Firma Kronospan im Februar 2013. (Archivbild Neue LZ (Boris Bürgisser))

Beim Vorfall in der Holzverarbeitungsfirma Kronospan im Februar 2013 eröffnete der 42-jährige Mitarbeiter plötzlich das Feuer auf Arbeitskollegen. Fünf Personen wurden tödlich verletzt, darunter der Täter selber.

Der Todesschütze litt seit Oktober 2012 unter einer akuten paranoiden Schizophrenie. Dies geht aus einem Gutachten des forensischen Luzerner Psychiaters Andreas Frei hervor, wie die Luzerner Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Der Täter habe im Familienkreis die Überzeugung geäussert, dass er von dunklen Mächten, Organisationen und von Arbeitskollegen ausspioniert und verfolgt würde. Dies habe sich unter anderem in einem bizarren Verfolgungs- und Grössenwahn gezeigt.

Rückzug ein halbes Jahr vor der Tat

Der spätere Täter galt als sozialer und höflicher Mensch, sagte Gutachter Andreas Frei gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Knapp ein halbes Jahr vor der Tat habe er begonnen, sein Verhalten und seine Aussagen zu ändern und sich zurückzuziehen.

Warum er dies tat, sei nicht klar, sagte Frei weiter. Schweizweit würden jährlich rund 1500 Personen neu an derselben Krankheit wie der Täter erkranken. Warum es im seltenen Fall zu einer solchen Taten komme, sei «eine der grossen Fragen», sagte Frei.

Der Täter hinterliess keine Angaben zu seinem Motiv. Der Gutachter stützt sich auf Aussagen von sieben Personen aus dem privaten und beruflichen Umfeld des Täters sowie auf Untersuchungsakten der Staatsanwaltschaft. Die Angaben der Zeugen zum Täter würden sich weitestgehend decken, sagte Frei.

Gemäss Staatsanwaltschaft war die Tat kaum vorhersehbar gewesen. Der Täter war gemäss Frei nicht in psychiatrischer Behandlung.

Wäre der Täter einem Psychiater vorgeführt worden, hätte dieser die Krankheit wohl erkannt, sagte der Gutachter gegenüber der sda. «Dabei ist aber nicht anzunehmen, dass der Mann sich in einer Weise geäussert hätte, die eine Zwangshospitalisation wegen Fremdgefahr gerechtfertigt hätte», sagte Frei.

Motiv bleibt im Dunkeln

Der Gutachter geht davon aus, dass die Tat in einem «akuten Schub» begangen wurde. Das genaue Motiv und der Auslöser der Tat blieben weiterhin unbekannt, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Die offiziellen Untersuchungen zur Bluttat würden im Sommer eingestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Das eigentlich Motiv und der Auslöser blieben dabei offen, sagte er weiter. Die Behörden informierten die Angehörigen und Betroffenen am Dienstagnachmittag über die Ergebnisse.

Feuer auf Arbeitskollegen eröffnet

Der langjährige Mitarbeiter der Firma Kronospan hatte an jenem Mittwoch am 27. Feburar 2013 frei. Trotzdem betrat der 42-jährige Maschinist um 8.41 Uhr das Firmengelände - mit einer Pistole, einem Revolver und Reservemunition in der Tasche. Ohne Ankündigung eröffnete der dreifache Familienvater im Gang zur Kantine das Feuer auf seine Arbeitskollegen.

Insgesamt drückte er mindestens 18 mal ab. In der Nichtraucherkantine suchten über ein Dutzend Personen hinter Tischen Deckung. Einer der Angestellten attackierte den Täter mit einem Stuhl. Im Handgemenge fielen beide zu Boden. Der Täter blieb regungslos liegen.

Täter bei Unfall gestorben

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Todesschütze sich am Ende selbst richtete, oder dass es beim Handgemenge zu einem Unfall kam, bei dem sich ein Schuss aus der Waffe löste.

Die traurige Bilanz der Bluttat im Luzerner Hinterland: Drei Personen waren auf der Stelle tot, darunter der Täter. Sieben wurden zum Teil schwer verletzt. Ein viertes Opfer starb einen Tag danach im Spital, ein fünftes Opfer über einen Monat später. Unter den Todesopfern war auch der 26-jährige Schüpfheimer Spitzenschwinger Benno Studer.

Beim Täter handelte es sich um einen gebürtigen Kosovaren. Er reiste 1991 als Flüchtling in die Schweiz und beantragte Asyl. 2001 erhielt er dank der erleichterten Einbürgerung vom Bundesamt für Migration den Schweizer Pass.

Der Mann lebte mit seiner Frau und drei Kindern in Willisau. Der Maschinist arbeitete während 17 Jahren bei Kronospan. Gemäss Angaben der Firmenleitung war er ein ruhiger Mitarbeiter.

Ein unbeschriebenes Blatt war er dennoch nicht. 1998 hatte ihn das Kriminalgericht Luzern unter anderem wegen Raubes zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwölf Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Er hatte mit einem Kollegen eine Frau umgestossen und deren Tasche gestohlen.

Der Täter wurde vier Tage nach den tödlichen Schüssen am Wohnort seiner Eltern auf dem Dorffriedhof von Nec im Südwesten des Kosovo nahe der Grenze zu Serbien beigesetzt. Seine Familie zog nach der Tat aus Willisau weg.

sda/nop