Bodum-Villen haben einen neuen Eigentümer - gleichzeitig wird ein Gebäude erneut von der Gruppe «Gundula» besetzt

Das Luzerner Immobilien- und Architekturunternehmen Romano & Christen hat die beiden Villen an der Obergrundstrasse 99 und 101 in Luzern gekauft. In einem der beiden Häuser will die Firma ihren neuen Hauptsitz einrichten.

Hugo Bischof und Sandra Peter
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Das Haus an der Obergrundstrasse 101 in Luzern wurde in der Nacht auf Donnerstag besetzt.

Das Haus an der Obergrundstrasse 101 in Luzern wurde in der Nacht auf Donnerstag besetzt.

Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 16. April 2020

In der Nacht auf Donnerstag wurde eine der beiden herrschaftlichen Stadtvillen an der Obergrundstrasse in Luzern, nahe der Pauluskirche, erneut von der Gruppe Gundula besetzt. Was die Besetzer nicht wussten: Die Bodum Land Obergrund AG, hat die beiden Gebäude an der Obergrundstrasse 99 und 101, die seit über fünf Jahren leerstehen, an das Architekturunternehmen Romano & Christen verkauft. Dies gab der neue Eigentümer am Donnerstagabend in einer Medienmitteilung bekannt. Das Architekturunternehmen mit heutigem Hauptsitz an der Horwerstrasse plane, zukünftig in eines der Häuser zu ziehen. Markus Romano betont:

«Wir brauchen zunehmend mehr Platz in unserem Hauptsitz. Da kommt uns so eine Stadtvilla sehr gelegen.»

Bodum ist nach Meggen gezogen

Die Bodum Land Obergrund AG (ehemalige Bodum Invest AG) von JoergenBodum hatte die beiden Grundstücke im Jahr 2013 gekauft. Sie beabsichtigte, damit Wohnraum zu schaffen und ein Design- und Servicecenter mit gleichzeitigem Unternehmenssitz für das Unternehmen Bodum in Luzern zu eröffnen. Für die Liegenschaft Obergrundstrasse 99 war ein Abbruch mit Neubau geplant, für die benachbarte Liegenschaft Obergrundstrasse 101 ein Umbau mit Sanierung. Doch die Verhandlungen mit den städtischen Baubehörden zogen sich in die Länge und verliefen unbefriedigend. Insbesondere über die Art des Neubaus als Ersatz für das marode Haus an der Obergrundstrasse 99 konnten sich die Eigentümerin und die städtischen Baubehörden nie einigen. Inzwischen hat das Unternehmen Bodum den Sitz nach Meggen verlegt und hat somit keinen Bedarf mehr für die beiden Villen an der Obergrundstrasse.

Der projektierte Umbau und die Sanierung der Villa an der Obergrundstrasse 101 sollen gemäss Romano & Christen in absehbarer Zeit umgesetzt werden. Für den Umbau und die Sanierung dieses Hauses liegt seit einiger Zeit eine rechtskräftige Baubewilligung vor. Bezüglich der Sanierung oder eines Ersatzbaus der zweiten Villa an der Obergrundstrasse 99 sei man überzeugt, «einen gangbaren Weg mit der Stadt zu finden». Vor allem dieses Gebäude war zum Zankapfel geworden. Seine Fassade bröckelt ab, der Garten ist überwuchert, das offenbar undichte Dach ist nur lose mit Plastik abgedeckt. Ein Architekt sagte gegenüber unserer Zeitung, dass der Besitzer seine Villa offenbar bewusst verlottern lasse. Das Gebäude sei Teil eines schützenswerten Ensembles von Bauten aus der Jugend- oder Heimatstil-Epoche.

Die Luzerner Baudirektorin Manuela Jost sagte am Donnerstagnachmittag, noch vor Bekanntwerden des Eigentümerwechsels, auf Anfrage:

«Der Stadtrat hat grosses Interesse daran, dass möglichst rasch eine Lösung für diese beiden Liegenschaften gefunden wird und diese wieder nutzbar gemacht werden.»

Der Stadtrat stehe in regelmässigem Kontakt mit der Eigentümerschaft, beziehungsweise deren Planer, so Jost. Sie sei zuversichtlich, dass sich bald eine Lösung abzeichne.

Verschiedentlich Ziel von Hausbesetzungen

Die beiden Gebäude an der Obergrundstrasse 99 und 101 in Luzern stehen seit über fünf Jahren leer. Sie waren verschiedentlich Ziel von Hausbesetzungen. In der Nacht auf Donnerstag war es wieder so weit. Das Haus an der Obergrundstrasse 101 sei «geöffnet, gelüftet und besetzt» worden, schrieb die Gruppe Gundula in einer Mitteilung: «Während die Villa mit der Hausnummer 99 nicht mehr betretbar ist, scheint die Villa 101 noch nicht ganz verloren.» Der bisherige Eigentümer Jørgen Bodum wurde per Brief über die Hausbesetzung informiert. Laut den Besetzern nimmt er seine Verantwortung, für die beiden Gebäude Sorge zu tragen, nicht wahr. Bodum nahm auf Anfrage keine Stellung zur Hausbesetzung.

Auch Manuela Jost, die Baudirektorin der Stadt Luzern, wurde von der Gruppe Gundula über die Hausbesetzung in Kenntnis gesetzt. Sie betonte am Donnerstag nachmittag, ebenfalls noch vor Bekanntwerden des Eigentümerwechsels, auf Anfrage: «Die Verantwortung für den Umgang mit der Besetzung ist Sache der privaten Eigentümerschaft.» Diese müsse über die weiteren Schritte entscheiden. «Wir haben keine Kenntnis von der Hausbesetzung, es ist auch keine Anzeige eingegangen», sagte Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. Die neuen Eigentümer werden «keine Hausbesetzung oder sonstige unberechtigte Begehung der Liegenschaft tolerieren». Das halten sie in ihrer Mitteilung fest. Auf die laufenden Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit früheren Straftaten von Hausbesetzern oder Dritten habe der Wechsel der Eigentümerin keinen Einfluss.

Hausbesetzer: Höchste Zeit, «die Weichen neu zu stellen»

Die Hausbesetzer rund um die Gruppe Gundula bringen die aktuelle Hausbesetzung mit der Coronakrise in Zusammenhang. In ihrer Medienmitteilung schreiben sie: «Corona ist die Seuche,
die die Reichen der Welt in Angst und Schrecken versetzt, in erster
Linie aber wie so oft prekarisierte Menschen trifft.» Es sei höchste Zeit, «die Weichen neu zu stellen». Es brauche Strukturen, die eine grenzenlose Solidarität ermöglichten, in denen starke Gemeinschaften wachsen könnten.

«In Zeiten wie diesen werden Gundulasmehr denn je gebraucht. Orte wie diese, an denen autonomes Leben stattfinden kann, wo Zeit und Menschlichkeit zählen.»

«Keine Miete zu bezahlen, bedeutet Unabhängigkeit», lautet eine der weiteren Parolen, mit denen die Gruppe Gundula die Hausbesetzung begründet

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