Böden haben sich vom Hitzesommer 2018 nicht erholt

Der Hitzesommer 2018 sorgte bei manchen Landwirten für akuten Wassermangel. Auch ein halbes Jahr später beschäftigt das Problem die Bauern noch: Überall im Kanton wird nach neuen Wasserquellen gebohrt.

Ismail Osman
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Luzerns Böden bleiben trotz des aktuellen Wetters sehr trocken. (Symbolbild: Pius Amrein)

Luzerns Böden bleiben trotz des aktuellen Wetters sehr trocken. (Symbolbild: Pius Amrein)

Aus Sicht der Landwirtschaft lässt sich Folgendes über den aktuellen Frühling sagen: Er steht ganz im Schatten des vergangenen Sommers. Die ausgedehnte Hitzewelle hat ihre Spuren hinterlassen – und hinterlässt immer noch neue. Insbesondere in Bezug aufs Wasser.

Viele Luzerner Bauernhöfe setzen auf eigene Wasserversorgung durch Quellen, die sich auf ihrem Land befinden. Deren Erträge sanken im Verlaufe des letzten Sommers aber teilweise rapide. Manche versiegten sogar gänzlich. Entsprechend rege verlief die Suche nach neuen Quellen – vor allem bei Betrieben mit Tierhaltung. Zur Illustration: Eine Milchkuh braucht täglich 100 bis 180 Liter Wasser.

Mittlerweile sind wir im Frühling 2019 angelangt und auch wenn das Wetter in diesen Tagen, der Jahreszeit entsprechend, wechselhaft ist: Das Problem der Trockenheit ist noch längst nicht überstanden – die Suche nach neuen Wasserquellen läuft noch immer auf Hochtouren.

Kaum mehr grosse Quellen

«Der Wasserhaushalt der Böden hat sich einfach nicht erholt», sagt Walter Hodel. Der Wasserbauer aus Hergiswil bei Willisau wird seit Jahrzehnten für Bohrungen nach Quellwasser herangezogen. «Die Böden sind extrem ausgetrocknet – sogar im dichten Wald ist das mittlerweile der Fall.» Hodel arbeitet seit Monaten eine Lawine von Anfragen aus Landwirtschaftsbetrieben ab. Hodel sagt:

«Ich bin trotz meiner 72 Jahre momentan dauernd unterwegs. Es sind dermassen viele Aufträge.»

In Ausnahmefällen bohrt Hodel über 100 Meter horizontal in die Hänge hinein. «Im Normalfall müssen wir ab 30 Meter schon auf etwas Wasser stossen, sonst verschlechtern sich die Chancen zusehends», erklärt Hodel. Was ihm bei seiner Arbeit auffällt: Es bestehen zwar viele kleinere, durchaus brauchbare Quellen, auf grosse Wasservorkommnisse stösst er aber immer seltener. Und selbst für die kleineren Quellen muss er immer tiefer bohren.

Je nach Lage sind solche Bohrungen mit einem Baugesuch verbunden. Martin Christen, Fachbereichsleiter Ländliche Entwicklung bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa), hat eine Häufung von landwirtschaftlichen Gesuchen beobachtet. «Es ist durchaus denkbar, dass die Erfahrung des letzten Sommers den Landwirten bewusster gemacht hat, was eine Wasserknappheit bedeuten kann.»

Rigi und Napfgebiet sind eher betroffen

Jeder Einzelfall von Wasserknappheit sei für den Betroffenen aufwendig und belastend. Über den ganzen Kanton gesehen könne man jedoch noch nicht von einer prekären Situation sprechen, da viele Quellen nach wie vor Wasser liefern. Mit Hilfe von Zusammenschlüssen von mehreren Betrieben oder gemeinschaftlichen Wasserversorgungen kann man die Versorgungssicherheit verbessern. Solche Gesuche haben laut Christen zugenommen.

Gemäss Philipp Arnold, Teamleiter Gewässer bei der Dienststelle Umwelt und Energie, variieren die Schüttungsschwankungen von Quellwasserfassungen stark und damit ist die Wasserversorgung in Trockenzeiten von Hof zu Hof extrem unterschiedlich gesichert. «Quellen im Rigi- oder Napfgebiet weisen eher starke Schwankungen auf, da im durchlässigeren Nagelfluhgestein weniger Wasser gespeichert wird als im Kalkgestein des Voralpengebietes oder der Molasse des Mittellandes», sagt Arnold.

Gemäss den Niederschlagsdefiziten der vergangenen Monate sind die Quellschüttungen insgesamt zurückgegangen, was auch eine kürzlich bei den Gemeinden erfolgte Umfrage aufzeigt. Demnach traten bei rund Zweidritteln der Gemeinden Engpässe bei privat versorgten Landwirtschaftsbetrieben in den vergangenen Monaten auf.

Nebst proaktiven Bohrungen hofft man in der Landwirtschaft aber vor allem auf ein insgesamt feuchteres 2019. «Der langjährige Durchschnitt der Regenmenge im Kanton Luzern liegt zwischen 1000 und 1200 Millimeter», erklärt Markus Höltschi, Beratungsleiter am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung. «Zwischen Frühling 2018 und Frühling 2019 wurden aber lediglich rund 800 Millimeter gemessen. Das ist ein starker Rückgang von rund einem Viertel der üblichen Menge.»

Wasserbauer Walter Hodel ist skeptisch, was den Wetterausblick betrifft: «Etwas hat sich verändert. Mir fällt auf, dass wir immer öfters Ostwind haben. Im Gegensatz zum nassen Westwind ist der Ostwind kalt und vor allem trocken. Diese Bise entzieht dem Boden sogar eher noch Wasser.»