Luzerner Kriminalgericht
Bombendroher von der Mall of Switzerland steht vor Gericht

Nach drei Jahren wird der aufsehenerregende Fall nun verhandelt. Dem 40-jährigen Schweizer drohen sechs Jahre Haft und Kosten von mehreren hunderttausend Franken.

Sandra Monika Ziegler
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Bombendrohung löste Grosseinsatz von Polizei und Rettung bei der Mall of Switzerland aus.

Bombendrohung löste Grosseinsatz von Polizei und Rettung bei der Mall of Switzerland aus.

Pius Amrein (Ebikon 14. März 2018)

«Sie haben eine Bombe im Haus und sie wird um 12.30 Uhr explodieren», mit diesem verzerrt aufgenommenen Satz versetzte der Mann Mitte März 2018 alle in und um die Mall of Switzerland anwesenden Personen in Angst und Schrecken. Es kam ein Grossaufgebot von Polizei und Rettungskräften zum Einsatz, um die gegen 1000 Menschen zu evakuieren. Die Luzerner Staatsanwaltschaft sprach damals von einem Schaden von mehreren hunderttausend Franken. Dazu kommen Gerichtskosten von über 50'000 Franken.

Der geständige Droher verlangte ein Lösegeld von 150'000 Franken. Die Übergabe sollte in einem Zug stattfinden. Doch diese Aktion ging schief. Der Droher meldete sich erneut zu Wort und bezeichnete den Polizeieinsatz als «Vertragsbruch» und fragte nach, ob die Polizei ihn nicht ernstnehme. Ob er an «Zufall» glauben sollte, wenn er das Austauschen einer kompletten Zugskombination bemerke und die Anwesenheit unzähliger Zivilfahnder sehe. Er wolle der Polizei eine zweite Chance, aber sicher keine dritte geben. Die Höhe der Lösegeldforderung erhöhte er wegen Ungehorsam auf 200'000 Franken, und zwar ausschliesslich in 200er-Noten.

Sollte die Polizei erneut versuchen, ihn zu schnappen, so drohte er mit der Zündung der Bombe. Dieses Mal in einem Luzerner Spital. Die Übergabe sollte dieses Mal in einem Fotoautomaten in Sempach Station stattfinden, dort sollte der Rucksack mit dem Geld deponiert werden. Der Mann war sich zu diesem Zeitpunkt laut seinem mehrseitigen Schreiben durchaus bewusst, dass sowohl seine Identität wie auch sein Fahrzeug aufgeflogen ist. Er sei aber gewillt nach der erfolgreichen Geldübergabe, dieses zuerst in Sicherheit zu bringen und sich danach auf dem Polizeiposten Luzern zu stellen. Er nehme eine lange Gefängnisstrafe in Kauf, werde aber dadurch nicht mehr ein «Sklave des Systems» sein.

Geständig und bereit für den Knast

Falls es sich die Polizei aber anders überlege, so trage sie und nicht er die volle Verantwortung, wenn es durch die Zündung der Bombe zu Opfern komme. Im Schreiben hält er dazu wörtlich fest: «Gehen Sie nicht darauf ein, werde ich als grösster Massenmörder der Schweiz in die Geschichtsbücher eingehen.» Der Mann konnte dann bei der zweiten Übergabe auf dem Weg zu seinem Auto verhaftet werden. Er kam 25 Tage in Untersuchungshaft. Am Freitag wird ihm der Prozess gemacht.

Als Motivation für die Tat führt der geständige Mann die Ungerechtigkeit ins Feld. Er hält dazu schriftlich fest: «Die Reichen werden immer reicher. Als hart arbeitender Mensch habe man in dieser Gesellschaft weniger Wert als das Geld. Nur wer bereit ist, Ellenbogen auszufahren, habe eventuell das Glück, zu mehr als dem Minimum zu kommen.» Seine Forderung von zuletzt 200'000 Franken bezeichnete er als bescheiden. Am Freitag wird ihm vor dem Luzerner Kriminalgericht der Prozess gemacht.

Update folgt nach der Verhandlung am heutigen Freitag.