Kommentar
Bonzanigo nicht mehr in der Stadtluzerner SVP – ein logischer Parteiausschluss

Wer gegen den Willen seiner Partei als Kandidat antritt und es dem Vorstand nicht einmal mitteilt, hat das Vertrauen verspielt. Letzterer macht bei dem Ganzen allerdings auch nicht die beste Figur.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

(Bild: Dominik Wunderli)

So überraschend der Stadtluzerner SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo vergangene Woche bekanntgegeben hatte, im zweiten Wahlgang am 28. Juni doch nochmals anzutreten – gegen den Willen seiner Partei –, so wenig überraschend hat die SVP ihn am Wochenende nun aus der Partei und der Fraktion geworfen.

Der Ausschluss ist nachvollziehbar. Wer gegen den Willen seiner Partei als Kandidat antritt und dies dem Vorstand nicht einmal mitteilt, hat das Vertrauen verspielt. Bezüglich Kommunikation scheint es zwischen Bonzanigo und Parteileitung trotz regen Kontakts gehapert zu haben. Davon zeugen nicht zuletzt die gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Die SVP hatte sich mit der Nominierung von Bonzanigo von Anfang an keinen Gefallen getan. Dass die Parteileitung einen langjährigen CVPler, der eben erst in die Partei übergetreten war, als Kandidaten vorschlug, sorgte da und dort für Kopfschütteln. Das zeigte sich bereits bei der Nominations- und spätestens bei der Mitgliederversammlung im Januar mit dem Beinahe-Eklat.

Für die SVP geraten die Wahlen definitiv zum Desaster: Mit dem Ausschluss von Bonzanigo, der mit dem drittbesten SVP-Resultat ins Parlament gewählt wurde, verliert sie noch einen dritten Sitz und wird im Grossen Stadtrat bloss noch über vier Sitze verfügen. Die Parteileitung muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie darob nicht die Konsequenzen ziehen sollte.