Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BRANCHENMIX: «Wir wollen nicht nur zuhören»

Mit dem «Forum Attraktive Innenstadt» will die Stadt Luzern auf die neue Konkurrenz durch die Mall of Switzerland reagieren. Doch dieses stösst bei Wirtschafts- und Gewerbeverbänden auf wenig Gegenliebe.
Robert Knobel
Die Hertensteinstrasse in Luzern: Beliebte Einkaufsmeile. (Symbolbild LZ)

Die Hertensteinstrasse in Luzern: Beliebte Einkaufsmeile. (Symbolbild LZ)

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Im November eröffnet in Ebikon die Mall of Switzerland, das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz. Auf einen Schlag gibt es dann in der Region Luzern 150 zusätzliche Läden und Gas­­trobetriebe. Wie wird sich das neue Angebot auf die Läden der Luzerner Innenstadt auswirken? Diese bange Frage beschäftigt das Gewerbe in der Stadt Luzern schon seit Jahren. 2014 gab das Stadtparlament dem Stadtrat darum den Auftrag, darauf eine Antwort zu finden.

Eine der Massnahmen ist das «Forum Attraktive Innenstadt», das der Stadtrat 2016 ins Leben gerufen hat. Rund 80 Vertreter aus Politik, Gewerbe, Tourismus, Anwohnerschaft und verschiedenen Interessenverbänden waren eingeladen, Strategien für eine wettbewerbsfähige Innenstadt zu entwickeln. Der damalige Stadtpräsident Stefan Roth sagte, das Forum habe zum Ziel, die Einkaufs- und Aufenthaltsqualität im Zentrum zu stärken.

Vorwurf: Zu wenig Mitsprache

Dreimal hat das Forum seit vergangenem Sommer getagt. Doch der Aufbruchstimmung ist Ernüchterung gewichen. Beim ­letzten Forums-Treffen, das am 12. Juni stattfand, fehlten wichtige Interessenvertreter. So etwa die Luzerner City-Vereinigung. Deren Interimspräsident André Bachmann sagt: «Das Forum bringt so nichts.» Er wirft der Stadt vor, sie nutze das Treffen bloss, um Projekte zu legitimieren, die ohnehin schon geplant sind. «Die Mitsprachemöglichkeiten der Teilnehmer sind mangelhaft. Es fehlt die Offenheit, auch über Unkonventionelles zu diskutieren», sagt Bachmann.

Offenbar gibt es grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen über Sinn und Zweck des Forums. Viele Teilnehmer würden das Treffen gerne dazu nutzen, um über grosse strategische Fragen zu diskutieren, etwa im Verkehrsbereich und zur Erhaltung des Branchenmix. Bei der Stadt steht aber offenbar eher die Frage im Zentrum, wie man die Innenstadt mit kleineren Massnahmen verschönern und attraktiver gestalten kann. Einige Resultate des vorletzten Treffens vom Januar 2017 sind auf der Website der Stadt aufgeschaltet. Da wurden Ideen diskutiert wie beispielsweise eine Statue auf dem Bundesplatz oder eine öffentlich zu­gängliche Dachterrasse auf dem ­Luzerner Theater. Weitere Vorschläge waren ein zusätzlicher Wochenmarkt auf dem Löwenplatz oder Kunstwerke entlang der Bahnhof- und der Pilatusstrasse, die gleichzeitig für Kinder zum Klettern geeignet sind.

Federführend für das «Forum Attraktive Innenstadt» im Stadtrat ist Sozialdirektor Martin Merki (FDP). «Ich finde es schade, dass ein Teil der Interessenvertreter des Detailhandels nicht teilnehmen konnte», sagt er zum letzten Treffen. Neben der City-Vereinigung blieb am 12. Juni auch der städtische Wirtschaftsverband fern. «Es ging uns aus Termingründen nicht. Nächstes Mal wollen wir wieder dabei sein», sagt Präsident Alexander Gonzalez. Doch auch er steht «reinen Informationsveranstaltungen zunehmend kritisch gegenüber», wie es Gonzalez ausdrückt. Auch er erwarte von solchen Treffen eine echte Mitwirkung der Teilnehmer. «Wir wollen nicht nur zuhören, sondern mitgestalten können.»

Stadtrat Merki beteuert, dass dies beim Forum Attraktive Innenstadt der Fall sei. «Nur über eine breite Diskussion kommen wir einen Schritt weiter.» Überdies habe man ähnliche Mitwirkungskonzepte bereits früher erfolgreich angewendet. Merki verweist dabei auf die Umgestaltung des Hirschmattquartiers, wo Geschäfte und Anwohner früh mit einbezogen wurden. «Wenn man heute das Quartier anschaut, besteht eine gute Mischung aus Wohnen, Branchenvielfalt und mobiler Erschliessung.»

Keine Pflicht für Einbezug der Öffentlichkeit

Wie weit der Einbezug der Direktbetroffenen gehen soll – und vor allem, wie verbindlich deren Rückmeldungen umgesetzt werden –, ist eine andere Frage. Für Merki ist denn auch klar: «Der federführende Auftrag bleibt beim Stadtrat und beim Parlament.» Diese Gremien haben zudem keinerlei gesetzliche Verpflichtung, die Öffentlichkeit oder Interessenvertreter in Planungen einzubinden. Vernehmlassungen vor wichtigen Geschäften gibt es in der Stadt Luzern im Gegensatz zu Kanton und Bund nicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.