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Wettbewerb: Luzerner Brass Bands dominierten am Sonntag in Montreux

Die Brass Bands haben in Montreux den Meister unter sich ausgemacht. Die Bürgermusik war gut, ihr Nachwuchs noch besser.

Roger Rüegger
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Impressionen aus Montreux: Michael Bach von der Bürgermusik Luzern dirigierte wie immer leidenschaftlich. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
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Cornet und Dämpfer: Die Werkzeuge der Künstler liegen bereit. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Einspielen ist elementar, wenn man in Montreux reüssieren will. Immerhin treffen sich hier jedes Jahr im November die besten Brass Bands der Schweiz. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
 Die Bassisten der Brass Band Kirchenmusik Flühli. Die Band von Dirigent Armin Renggli spielte hervorragend und stieg eine Klasse auf. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Die Brass Band Kirchenmusik Flühli empfängt den Applaus nach ihrem Auftritt. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Auch die Brass Band MG Reiden unter der Leitung von Roland Fröscher spielte in Montreux. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Die Bürgermusik Luzern vor ihrem Auftritt. Die Band schaffte zwei hervorragende Darbietungen und wurde von der Jury entsprechend belohnt. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Ebenfalls erfolgreich waren die BML Talents. Unter der Leitung von Patrick Ottiger stiegen sie eine Klasse auf. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Ein Perkussionist der BML Talents mit einem Beckenschlag. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Das Bassregister der BML Talents. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Da braucht es viel Lungenvolumen: Das Bassregister der Feldmusik Knutwil. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Enrico Calzaferi dirigiert seine Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Die Feldmusik Knutwil wird applaudiert. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Jubelnde Jungmusikanten: Die BML Talents feiern ihren Aufstieg. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)
Die BML Talents nehmen die Trophäe entgegen. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)

Impressionen aus Montreux: Michael Bach von der Bürgermusik Luzern dirigierte wie immer leidenschaftlich. (Bild: Philippe Dutoit/PD, Montreux, 24. November 2019)

Der 45. Schweizerische Brass Band Wettbewerb in Montreux endete fast mit einer Katastrophe. Die Brass Band Bürgermusik Luzern spielte am Sonntagabend als zweitletzte Formation in der Höchstklasse das Selbstwahlstück Cataclysms. Diesen Überbegriff für zerstörende Naturkatastrophen inszenierten die Luzerner eindrucksvoll. Sie ernteten stehende Ovationen. Bereits beim Betreten der Bühne wurden sie gefeiert wie Rockstars.

Am Schluss überzeugten sie die Jury mit dem Stück, das der ungarische Komponist und HSLU-Musik-Dozent Roland Szentpali im Auftrag der Luzerner komponierte, und siegten vor der Valaisia Brass Band. Im Aufgabenstück jedoch wurden die Luzerner hinter den Wallisern zweite, was schliesslich den undankbaren zweiten Gesamtplatz bedeutete, weil das Aufgabenstück bei Punktegleichheit entscheidet.

Dirigent Michael Bach konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. «Wir hatten heute die bessere Losnummer und zeigten es ihnen. Gestern hatten sie aber die bessere Startnummer. Schade», so Bach. Stolz auf seine Band war er trotzdem – das kann er auch auf das zweite Ensemble sein, das er in Montreux leitete. In der Klasse Elite siegte er mit dem Ensemble de Cuivres Euphonia (FR).

Klasse Elite neu mit vier Luzerner Bands

Grund zum Feiern hatten in der 1. Klasse aber andere Luzerner. Die BML Talents gewannen und steigen somit in die Klasse Elite auf. Als der Name der Band aufgerufen wurde, drehten die jungen Luzernerinnen und Luzerner völlig durch vor Freude. Ein Statement ihres Dirigenten Patrick Ottiger war nicht zu kriegen. «Der kommt nie an die Rangverkündigung», sagte Nicola Schnider, der Euphonium spielt. Dann reden wir eben mit ihm, der 20-Jährige hat nämlich was zu erzählen, denn er spielt auch bei der Kirchenmusik Flühli, die als zweitplatzierte Band ebenfalls in die Elite aufsteigt. «Das ist einmalig, gleich mit zwei Bands aufzusteigen. Ich glaub's nicht», konnte er noch sagen, dann wurde er von Freudentaumel mitgerissen.

Neben den aktiven Musikern der 63 Bands waren über 1600 Fans im Auditorium Stravinski und der Miles Davis Hall zugegen. Am Sonntag spielten die Bands in der Höchstklasse und der 1. Klasse. Weil fast alle Bands auf einem recht hohen Niveau unterwegs sind, war eine Einschätzung vorab auch von Experten vor Ort nur schwer einzuholen. Peter Schmid, Mitglied der Musikkommission des Schweizerischen Blasmusikverbands, lobte die Brass Band Valaisia in der Höchstklasse, die am Samstag als erste spielen mussten. Sie wurden wie eingangs erwähnt zweite beim Selbstwahlstück. «Die war unglaublich gut», meinte der Luzerner. Er tippte auch, dass die BML Talents und die Brass Band Reiden weit vorne mitmischen werden. Die Reidner wurde vierte, was für sie enttäuschend ist.

Das Ritual nütze nichts

Die Wiggertaler stiegen letztes Jahr aus der Elite ab und wollen wieder hoch. Dirigent Roland Fröscher sagte unmittelbar nach dem Spielen: «Ich habe ein sehr gutes Gefühl, mit wenigen Abstrichen. Wir haben zu 96 Prozent das abgerufen, was möglich ist.» Die Reidner pflegen einen Brauch: die Frauen streichen sich vor einem Wettbewerb die Fingernägel, einige Männer schliessen sich ihnen an. Posaunistin Celine Estermann: «Mit diesem Ritual kann eigentlich nichts schief gehen.» Der vierte Platz von 15 Teilnehmern ist auch wirklich nicht schlecht. Gestern konnten die Reidner dies nicht so sehen. Die Feldmusik Knutwil belegte den 12. Rang.

Ariane Brun, Präsidentin des Schweizerischen Brass Band Verbands, war glücklich über den Erfolg des Wettbewerbs. Besonders gross ist ihre Freude an den vielen jungen Musikern, die auf hohem Niveau musizieren. «Das ist bezeichnend für die Schweizer Brass –Szene. In anderen Ländern ist das Gefälle von der Spitze nach untern ungleich grösser», sagt sie. In der Kategorie Elite haben am Samstag die beiden Luzerner Ensembles ihre Ziele erreicht. Die Brass Band Rickenbach erreichte mit 93 Punkten den 4. Rang. «Wir waren nach dem Spiel zufrieden. Ich vermutete, dass ein guter Platz drin liegt. Auch wenn der knapp verpasste Podestplatz ein kleiner Schönheitsfehler ist», sagt Leonz Frank, der Cornett am frühen Sonntagnachmittag.

Die zweite Luzerner Band in der Kategorie Elite ist die Brass Band Harmonie Neuenkirch. Mit 88 Punkten erreichte sie den 7. Rang. Dirigent Manuel Imhof zieht ein positives Fazit. «Unser Ziel war immer der 6. Platz, damit wir aufgezählt werden an der Rangverkündigung. Dass wir als Aufsteiger siebte wurden, ist der Lohn für unsere Arbeit. In der Elite ist die Geschwindigkeit hoch, der Anspruch enorm. Wir sind eine sehr gute Band, das bestätigten wir heute. Es hat alles geklappt», so Imhof.

Er hoffe, dass in der 1. Klasse eine weitere Luzerner Formation den Aufstieg zur Elite schafft, sagte er rund drei Stunden, bevor er am Sonntag als Posaunist mit der Brass Band Bürgermusik Luzern in der Höchstklasse antrat. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Bands der 1. Klasse mit ihrem Vortrag durch.

Die Luzerner haben sich am Samstag, mit einer Ausnahme, vorwiegend im Mittelfeld platziert. In der 2. Klasse hat sich die Brass Band Abinchova auf den 4. Rang gespielt, die Brass Band Harmonier Rickenbach wurde 6. und die Brass Band Feldmusik Escholzmatt belegte den 9. Rang. In der 3. Klasse spielten die Hinterländer Jugend Brass Band (3. Rang) und die Jugend Brass Band Michelsamt (6.).

Einzig die Entlebucher Jugend Brass Band siegte in der 4. Klasse mit 94 Punkten. Die Jugend Brass Band Oberer Sempachersee sicherte sich mit 91 Zählern den 3. Platz. Ihr Dirigent war übrigens Manuel Imhof.

Die Ranglisten finden Sie auf www.swissbrass.ch