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BRAUCHTUM: Nach sechs Schlägen war die Gansabhauet in Sursee vorbei

Das Städtli Sursee stand am Freitag ganz im Zeichen der Gansabhauet. Beide Gänse fielen nach dem dritten Schlag. Auch beim Namen der Sieger zeigte sich eine Gemeinsamkeit.
Martina Odermatt
Tradition pur: die Gansabhauet in Sursee.Bild: Eveline Beerkircher (11. November 2016)

Tradition pur: die Gansabhauet in Sursee.Bild: Eveline Beerkircher (11. November 2016)

Erzählt man ennet der Kantonsgrenze vom Brauch des Gans­abhauets, bei dem Schläger mit verbundenen Augen und einem stumpfen Säbel ausgerüstet den Hals einer toten Gans durchtrennen, kommen immer ähnliche Reaktionen: «Ihr lebt noch im Mittelalter», sagen sie. «Ihr seid Barbaren.» Zugegeben: Man kann über Sinn und Unsinn des Brauches diskutieren. Wächst man jedoch wie ich damit auf, ist alles halb so wild. Höchste Zeit, den erbosten Kritikern entgegenzutreten: Ich melde mich für den Gansabhauet an!

95 Schläger haben sich um 14.30 Uhr beim Diebenturm in Sursee versammelt, davon 9 Frauen. Alle wollen wir heuer die Gans runterhauen. Die Reihenfolge der Schläger wird per Los entschieden. Jedes gute Los – man sagt, dass man ungefähr bis zur Nummer 20 Chancen hat, dranzukommen – wird mit johlenden Zurufen und Applaus quittiert.

Mutter und Tochter sind jedes Jahr dabei

Unter den Schlägern und Schlägerinnen befinden sich Michèle Koch (25) und ihre Mutter Ursula Koch-Arnold (43). Die beiden melden sich jedes Jahr an. «Wir hatten jedoch nur ein, zwei Mal gute Lose und damit eine reale Chance, die Gans runterzuhauen.» Michèle Koch ist dieser Brauch in die Wiege gelegt worden: Ihre Mutter nahm an der Gansabhauet teil, als sie noch in deren Bauch schlummerte.

Damals, im Jahre 1990, entstand die Teilnahme aus einer Schnapsidee: «Eine Freundin und ich, wir sagten uns, dass es an der Zeit sei, dass auch Frauen an der Gansabhauet teilnehmen.» So waren sie 1990 denn auch die ersten.

Auch Tochter Michèle meldet sich seit ihrem 18. Lebensjahr jedes Jahr für die Gansabhauet. «Als Soorser gehört es dazu, dass man mitmacht und solche Bräuche pflegt», sagen beide. Für die Gans hat es auch bei Michèle noch nicht gereicht. Und auch heute sieht es schlecht aus: Mit der Nummer 28 müsste schon viel passieren, dass sie auf die Bühne darf, ihre Mutter kann sich mit der Nummer 55 jegliche Chance abschminken, und auch bei mir sieht es mit der Nummer 45 unrealistisch aus. Dabei sei es ein gutes Gefühl, oben zu stehen und von den Jubelrufen der Menge geleitet zu werden, sagen sie.

An der Gansabhauet geht dann alles ganz schnell. Die erste Gans fällt nach 3 Schlägen. Pascal Püntener (31) aus Sursee darf das Tier mit nach Hause nehmen. Seit vier Jahren dachte er bereits daran, an der Gans­abhauet teilzunehmen. Dieses Jahr hat es geklappt, «weil ein Freund mich mitgerissen hat», sagt er. Sein Erfolg überrascht ihn selber: «Ich habe nicht damit gerechnet, bereits bei der ersten Teilnahme die Gans zu holen.» Nach weiteren drei Schlägen ist bereits die zweite Gans auf dem Boden. Auch für Pascal Bühler (25) aus Sursee war die erste Teilnahme ein voller Erfolg. «Ich habe versucht, die dünnste Stelle des Halses zu finden und dort zuzuschlagen», sagt er. Nun erhoffe er sich einen feinen Gänsebraten.

Martina Odermatt

Der Gansabhauet findet jeweils am 11. November, dem Tag des Heiligen Martin, statt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Der Gansabhauet findet jeweils am 11. November, dem Tag des Heiligen Martin, statt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Am Gansabhauet ist am Freitag in Sursee zwei toten, aufgehängten Gänsen der Kopf vom Rumpf geschlagen worden. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Am Gansabhauet ist am Freitag in Sursee zwei toten, aufgehängten Gänsen der Kopf vom Rumpf geschlagen worden. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Beim Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Beim Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Dies ist nicht so einfach, denn die in einem roten Umhang gekleideten Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Dies ist nicht so einfach, denn die in einem roten Umhang gekleideten Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf. (Bild: ALEXANDRA WEY)Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf. (Bild: ALEXANDRA WEY)
Doch es gelingt: Der Schläger, Pascal Bühler aus Sursee haut die Gans runter. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Doch es gelingt: Der Schläger, Pascal Bühler aus Sursee haut die Gans runter. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Die Reihenfolge der Schläger für die zwei Gänse wurde vorher durch das Los bestimmt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Die Reihenfolge der Schläger für die zwei Gänse wurde vorher durch das Los bestimmt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf den Gansabhauet. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf den Gansabhauet. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim "Stängechlädere" Geschenke ergattern oder beim "Chäszänne" mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim "Stängechlädere" Geschenke ergattern oder beim "Chäszänne" mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Kinder beim "Chaeszaenne" an der traditionellen Gansabhauet am Martinstag, am Freitag, 11. November 2016, in Sursee. (KEYSTONE/Alexandra Wey) (Bild: ALEXANDRA WEY)Kinder beim "Chaeszaenne" an der traditionellen Gansabhauet am Martinstag, am Freitag, 11. November 2016, in Sursee. (KEYSTONE/Alexandra Wey) (Bild: ALEXANDRA WEY)
Am 11. November 2016 an der Gansabhauet in Sursee. (LZ/Eveline Beerkircher) (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Am 11. November 2016 an der Gansabhauet in Sursee. (LZ/Eveline Beerkircher) (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Sicher ist einzig, dass Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))Sicher ist einzig, dass Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
1820 verschwand der Brauch aus Sursee, vier Jahrzehnte später wurde er wieder zu neuem Leben erweckt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))1820 verschwand der Brauch aus Sursee, vier Jahrzehnte später wurde er wieder zu neuem Leben erweckt. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))
Eine tote Gans hängt an der traditionellen Gansabhauet am Martinstag. (Bild: ALEXANDRA WEY)Eine tote Gans hängt an der traditionellen Gansabhauet am Martinstag. (Bild: ALEXANDRA WEY)
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Gansabhauet in Sursee

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