Brauchtum
«Widerrechtliche» Aktion? Wirrwarr um das Salutschiessen der Luzerner Herrgottskanoniere

Die zwölf Böllerschüsse in der Stadt Luzern frühmorgens an Fronleichnam erfolgten entgegen der Abmachung zwischen Kanonieren und Kirche. «Stadtbeobachter» Louis Baume findet das unerhört und fordert eine Entschuldigung.

Hugo Bischof
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Die Herrgottskanoniere Luzern an Fronleichnam 2015 beim Abschiessen der Böllerschüsse auf dem Gütsch.

Die Herrgottskanoniere Luzern an Fronleichnam 2015 beim Abschiessen der Böllerschüsse auf dem Gütsch.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. Juni 2015)

Die Fronleichnamsprozession in der Stadt Luzern fiel dieses Jahr am 3. Juni coronabedingt aus, wie schon letztes Jahr. Das traditionelle Salutschiessen der Herrgottskanoniere morgens um 7 Uhr fand dennoch statt, trotz gegenteiliger Notiz im Pfarreiblatt der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Das habe zu «erheblichen Irritationen in der Stadtbevölkerung» gesorgt, sagt der selbsternannte «Stadtbeobachter» und frühere CVP-Grossstadtrat Louis Baume, selber Mitglied der Herrgottskanoniere. Die Aktion sei «widerrechtlich» gewesen, die Verantwortlichen müssten sich bei der Bevölkerung entschuldigen. Er hat deswegen in der «Luzerner Zeitung» am Donnerstag ein entsprechendes Inserat erscheinen lassen.

Schüsse sollten ausbleiben – «zur Freude aller Langschläfer»

Dass Luzerns Bevölkerung wie schon 2020 auch heuer coronabedingt auf die Prozession verzichten müsse, hatte das Pfarreiblatt am 18. Mai bekanntgegeben. Dort hiess es: «Wir feiern die Eucharistie in unseren Kirchen, empfangen die Kommunion und tragen sie anschliessend in unseren Herzen hinaus.» Am 1. Juni, also zwei Tage vor Fronleichnam, hiess es dann auf der Website www.kathluzern.ch:

«Die Schüsse am Fronleichnamstag morgens um 7 Uhr bleiben – zur Freude aller Langschläfer – aus; denn diese hätten die Prozession angekündigt, die als Grossveranstaltung noch nicht erlaubt ist.»

Dafür werde der übliche Kanonendonner am Vorabend der ganzen Stadt verkünden, «dass Herrgottstag ist».

Mit Ausschlafen war dann aber nichts. Die zwölf Böllerschüsse aus den Kanonen der über 400-jährigen Bruderschaft ertönten dennoch. «Es ärgert mich, dass die Kanoniere sich nicht an die Abmachung hielten», sagt Winfried Bader. Der Theologe und Pfarreiseelsorger ist verantwortlich für die Organisation der Fronleichnamsprozession in der Stadt Luzern. Ein Skandal sei das Ganze aber keineswegs, betont Bader:

«Nichts gegen die Herrgottskanoniere, ich halte diese Tradition für äusserst wertvoll und werde alles dafür tun, dass sie erhalten bleibt.»

Und das, obwohl er gegen jede Art von Waffen sei und «noch nie ein Gewehr in der Hand hielt».

Markus Oetterli, seit 2020 Kommandant der Luzerner Herrgottskanoniere, warnt davor, die Situation aufzubauschen. Er spricht von einem «Missverständnis». Im April, als die Coronalage dies noch nicht zuliess, habe man in einem Schreiben den Verzicht auf das Salutschiessen angekündigt.

«Aber dann, als sich die Situation verbesserte und grössere Veranstaltungen wieder möglich wurden, änderten wir unsere Pläne.»

Man habe dies bewusst nicht an die grosse Glocke gehängt, um eine Menschenansammlung zu verhindern. Es habe alles schnell gehen müssen, die schriftliche Bewilligung für das Salutschiessen sei erst kurz vor dem Ereignis vorgelegen. Die Vorgaben hätten zuletzt im Tagesrhythmus gewechselt: «Deshalb letztlich wohl auch das kommunikative Wirrwarr.»

Im kommenden Jahr hoffentlich wieder eine vollständige Durchführung

Dass der Kanonendonner der Herrgottskanoniere nicht nach jedermanns Geschmack ist, weiss Oetterli. Der Brauch, der einen starken religiösen Hintergrund hat, sei in der Bevölkerung dennoch breit verankert. Mit ihren zwölf Salutschüssen – je einen pro Apostel – kündet die 80-köpfige Bruderschaft seit 1580 den katholischen Feiertag an. «2021 war coronabedingt ein Zwischenjahr», sagt Oetterli. «Wir freuen uns darauf, den Anlass im kommenden Jahr wieder vollständig, inklusive Prozession, durchführen zu können.»

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