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Braune Wiesen, versiegte Quellen und kahle Bäume

Wegen der Trockenheit spitzt sich die Lage für Wälder, Wildtiere und vor allem auch für die Landwirtschaft im Kanton Luzern weiter zu. So sehr, dass ein Bauer bereits zu illegalen Mitteln gegriffen hat.
Raphael Zemp
Auf verdorrte Wiesen trifft man derzeit an vielen Orten. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Auf verdorrte Wiesen trifft man derzeit an vielen Orten. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Die Situation im Futterbau ist für die Luzerner Bauern momentan prekär: Komplett verdorrte Wiesen und Weiden, vertrocknete Maispflanzen, nur mit kleinen Kolben behangen. Das sagt ­Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes. Die ausserordentlich lange Hitze- und Dürreperiode zwinge viele Landwirte im Kanton dazu, schon jetzt auf Futterreserven für den Winter zurückzugreifen – und weitere dazuzukaufen. Das resultiere in einer grösseren Nachfrage und werde sicherlich zu einem Preisanstieg für Futtermittel führen, ist Lütolf überzeugt. «Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass einzelne Bauern Tiere früher schlachten werden als vorgesehen.»

Laut Franz Stadelmann, Fachleiter Natürliche Ressourcen des Kantons Luzern, gilt generell: Wo nicht bewässert wird, wachsen Pflanzen derzeit verlangsamt oder gar nicht mehr. Darunter leiden neben Wiesen und Weiden besonders auch Ackerkulturen wie Kartoffeln und Rüben. Immerhin kaum beeinträchtigt wurde gemäss Lütolf die diesjährige, bereits eingefahrene Getreideernte. Denn im Gegensatz zu Deutschland etwa habe die Trockenheit in der Schweiz später eingesetzt.

Bauer leitet illegal Bachwasser auf seine Felder

Doch nicht alle Luzerner Bauern schauen tatenlos zu, wie ihre Felder verdorren – und greifen mitunter zu unlauteren Mitteln. So hat etwa ein Landwirt in Greppen illegal das Wasser eines Baches angezapft, um damit sein Land zu bewässern. Die Gemeinde bestätigt diesen Vorfall und versichert, der fehlbare Bauer habe damit bereits wieder aufgehört.

Während Pflanzen mit der derzeitigen Trockenheit kämpfen, machen den Tieren vor allem die hohen Temperaturen zu schaffen. «Das ist ein Riesenstress für Nutztiere wie Kühe und Schweine, der sich auch auf deren Leistung auswirkt», weiss Lütolf und rät daher, die Tiere bei diesen Wetterbedingungen konsequent im Stall zu halten, wo Benebelungsanlagen oder Grossraumlüfter für angenehmere Temperaturen sorgen können.

Problematischer haben es Kühe auf Alpen, wo wegen geringer Niederschläge zunehmend Quellen versiegen und aufgrund der Dürre nicht genügend Futter nachwächst. Für sie gibt es keine andere Option als den verfrühten Alpabzug. Wegen Futtermangel endet etwa die Sömmerung in Steinen SZ, gemäss «Regionaljournal Zentralschweiz» bereits in den nächsten Tagen.

Hitze und Trockenheit setzen nicht nur Nutztieren zu, sondern auch Wildtieren, besonders wassergebundenen wie Fischen. Derzeit trocknen ganze Gewässerabschnitte aus, während gleichzeitig die Wassertemperatur ansteigt und der Sauerstoffgehalt abnimmt. Für die Fische bedeutet das im besten Fall viel Stress, im schlimmsten den Tod. Besonders gefährdet sind dabei Fische in Fliessgewässern, die nicht wie ihre Artgenossen in Seen in tiefere und kühlere Gewässerschichten abtauchen können.

Erste Bäume lassen bereits Blätter fallen

Wie stark sich das ungewöhnlich trockene und heisse Wetter auf Wildtiere zu Land auswirken wird, das lasse sich hingegen noch nicht abschätzen, sagt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei des Kantons Luzern. Klar sei aber: «Ausgedörrte und ausgelaugte Alpmatten bieten für Wildtiere kein nahrhaftes Futterangebot.» Und: Das momentane Wetter macht auch den Wäldern, wo sich die Tiere häufig zurückziehen – gerade bei Hitze – zu schaffen. Nicht alle Bäume hätten genug tiefe Wurzeln, um Wasser anzuzapfen, sagt Miguel Zahner, kantonaler Fachbearbeiter Schutzwald. Einige reagieren bereits mit Schutzmechanismen – werfen ihre Blätter ab und stellen ihr Wachstum ein. Wegen des Trockenheitsstresses hätten sie zudem weniger Abwehrkräfte gegen Schädlinge. Erste Langzeitfolgen würden sich aber erst im nächsten Frühling zeigen.

Auch wenn dieses Wetter viele negative Auswirkungen auf Fauna und Flora hat, es gibt auch Nutzniesser: Weinbauern,­ Obst- und Gemüsebauern, die ihre Kulturen allerdings zwingend bewässern müssen. Es dürfte auch in ihrem Interesse liegen, wenn bald schon die von ­vielen sehnlichst erwarteten, ergiebigen Regengüsse niederprasseln werden.

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