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BRAUNVIEH: Originale haben die Nase vorn

Noch nie muhte in der Schweiz so viel Original Braunvieh wie jetzt. Dabei drohte jener Rasse vor 40 Jahren das Aus.
Landwirt Fabian Kempf aus Schwarzenberg zeigt seine Kühe. Links zu sehen ist Agnes, ein Original Braunvieh, und rechts Birke, ein Braunvieh. (Bild Corinne Glanzmann)

Landwirt Fabian Kempf aus Schwarzenberg zeigt seine Kühe. Links zu sehen ist Agnes, ein Original Braunvieh, und rechts Birke, ein Braunvieh. (Bild Corinne Glanzmann)

Evelyne Fischer

9232. So viele Kühe der Rasse Original Braunvieh zählte die Schweiz per Anfang dieses Jahres. Das ist Rekord. «Original Braunvieh erfreut sich steigender Beliebtheit» heisst es denn auch in der aktuellen Ausgabe des «Original Züchters».

Die Originalen machen derzeit rund 5,5 Prozent des gesamten Braunvieh-Bestandes aus. 2001 – Tiefpunkt der letzten 20 Jahre – zählte man gerade noch 5691 Originale. Dies entsprach 2,7 Prozent des gesamten Braunvieh-Bestandes. Schweizweit gibt es am meisten Originale im Kanton Zürich. Luzern folgt auf Platz drei hinter Bern.

Zuchtfortschritt beflügelt Bestand

«Der markante Anstieg ist auf den enormen Zuchtfortschritt der letzten Jahre zurückzuführen», sagt Felix Hon­egger, Präsident des Schweizer Original Braunviehzuchtverbands. «Heute liegt das Original Braunvieh bei der Milchleistung mit 6200 Kilogramm noch gut 800 Kilogramm unter dem Durchschnitt.»

Auf dem Betrieb des 46-jährigen Hinwilers weidet seit eh und je Original Braunvieh. «Die Freude an der Reinrassigkeit habe ich von meinem Vater geerbt.» Für Honegger liegen die Vorteile der Originalen auf der Hand. «Die Kühe lassen sich einfacher decken und starten nach dem Kalbern langsamer mit der Milchproduktion, was weniger Probleme mit sich bringt.» Rund 30 Tiere nennt er sein eigen. Honegger arbeitet gerne mit Stieren, bevorzugt den Natursprung. «Nur gerade ein Fünftel meines Bestandes wird künstlich besamt.» Die Kontrolle der Inzucht ist beim Original Braunvieh keine leichte Aufgabe. «Ich will nicht von einem Problem sprechen, doch es ist eine Herausforderung, diese im Griff zu halten», sagt Honegger. «Gerade deshalb macht es Sinn, auf den Natursprung zu setzen. Die Blutvielfalt ist viel grösser.» Für die künstliche Besamung sorgen schweizweit keine 20 Stiere.

Ideale Kuh fürs Berggebiet

Die Original Braune ist eine klassische Zweinutzungsrasse – genau so wichtig wie die Milchleistung ist der Fleischertrag. Und dieser fällt im Vergleich zum normalen Braunvieh deutlich üppiger aus. «Gerade in der Innerschweiz, wo die Milch vielerorts nicht mehr abgeholt wird, ist es für Bauern attraktiv, auf die Kälbermast zu setzen», sagt Honegger. Es gebe je länger desto mehr Umsteiger. «Gerade im Berggebiet suchen Bauern eine einfache, robuste Kuh, die eine gute Milchleistung erbringt. Eine Entwicklung, die in der Zentralschweiz markant ist.»

Die Qualitäten des Original Braunviehs möchte auch Fabian Kempf aus Schwarzenberg nicht missen. Agnes, Delta und fünf weitere Kühe dieser Rasse muhen in seinem Stall – neben über 40 Brown-Swiss-Tieren. «Mein Ziel ist es, den Anteil Originaler auf 10, 15 Kühe zu steigern», sagt der 43-Jährige. «Deren Kälber erzielen auf dem Markt einen guten Preis.» Doch Kempf will keine Rasse gegen die andere ausspielen. «Beide haben ihre Berechtigung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Milch unser Einkommen sichert.» Aus einer Originalen eine Hochleistungskuh zu machen, wäre seiner Meinung nach aber der falsche Weg. «Ihr Fleischertrag ist ebenfalls viel wert. Das darf man nicht vergessen.»

Staatliche Hilfe für die Originalen

Vor gut 40 Jahren wäre das Original Braunvieh als Ursprung der Weltrasse Braunvieh beinahe ausgestorben. «Bauern begannen, ihre Kühe mit Samen von Brown-Swiss-Stieren aus Amerika zu kreuzen, in der Hoffnung, die Milchleistung würde so in die Höhe schnellen», sagt Verbandspräsident Honegger. Augenzwinkernd fügt er an: «Zum Glück gab es damals noch sture Züchter, die sich gegen diesen Trend zur Wehr setzten.»

Selbst der Staat hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Original Braunvieh zu erhalten. Seit 2001 existiert ein Förderprogramm. Bisher beteiligte sich der Bund vor allem an Werbemassnahmen und subventionierte etwa Transporte an Viehschauen. Neu spricht er Geld für die sogenannte genomische Selektion. Mit dieser Zuchtwertschätzmethode lassen sich Aussagen über die erwartete Milchleistung und die Fleischwerte machen. Das Förderprogramm habe für «positive Begleiterscheinungen gesorgt», sei aber nicht der Hauptgrund für die Zunahme, sagt Honegger. «Ein Stück weit sind auch traditionelle Gründe dafür verantwortlich, dass die Population wieder wächst», sagt er. Brauchtum habe wieder einen höheren Stellenwert.

Die Holstein-Kuh als Konkurrenz

Während die Originalen auf Erfolgskurs sind, sind die Zahlen des Braunviehs insgesamt rückläufig. Heute gehören in der Schweiz rund 183 000 Tiere der Rasse Braunvieh an. Vor zehn Jahren waren es noch 206 000. Vor allem eine Rasse bedränge das Braunvieh, so Honegger: «Die Holstein-Kuh ist eine Garantin für gute Milchleistung, diese Sicherheit kann eine Braune nicht geben.»

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