Kanton Luzern
«Zusammenarbeit auf Augenhöhe»: Firma aus Rain für Eingliederung von Menschen mit Einschränkungen ausgezeichnet

Um Menschen mit gesundheitlichem Handicap erfolgreich wieder eingliedern zu können, ist WAS IV Luzern nicht nur auf motivierte Betroffene, sondern auch auf engagierte Firmen angewiesen. Zwei solche Firmen durften kürzlich den IV-Award für ihre Bemühungen entgegennehmen.

Natalie Ehrenzweig
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Die BRC-Firmengruppe gibt es seit knapp 20 Jahren, doch 2013 wurde das Firmenleitbild erneuert. «Wir haben festgehalten, dass wir uns sozial engagieren wollen, wenn es möglich ist», erklärt Marcel Reber, CFO und Mitglied der Geschäftsleitung. Dass dieses Engagement in Form von Eingliederung von Menschen mit Einschränkungen passieren sollte, habe sich so ergeben. Zwei Personen wurden mit Hilfe von WAS IV Luzern nach Arbeitsunfällen zurück in die Arbeitswelt integriert. Dafür wurde BRC, zusammen mit Perlen Papier AG, mit dem IV-Award ausgezeichnet. Der Preis, der seit acht Jahren verliehen wird, ist mit 10'000 Franken dotiert.

Stefan Felber (links) ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Rechts: Der Personalverantwortliche der Rainer Firma BRC Marcel Reber.

Stefan Felber (links) ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Rechts: Der Personalverantwortliche der Rainer Firma BRC Marcel Reber.

Bild: Boris Bürgisser (Rain, 25. Februar 2021)

Der Award soll, so Benno Muff, Bereichsleiter Eingliederung, WAS IV Luzern, ausserordentliches Engagement von Firmen anerkennen. Damit Menschen mit einem gesundheitlichen Handicap wieder eingegliedert werden können, brauche es Unternehmen, die nachhaltige und individuelle Lösungen suchten. «Dank ihnen konnten wir sogar im Coronajahr in 1165 Fällen erfolgreiche Lösungen finden.»

Es muss beiden Seiten wohl sein

Einer von ihnen ist Stephan Felber (41). Vor fünf Jahren verletzte sich der Maschinist bei einem Arbeitsunfall im Strassenbau schwer. «Erst war ich 13 Monate daheim. Dann habe ich wieder angefangen zu arbeiten, aber ich hatte immer noch Schmerzen, kam nicht über ein 50-Prozent-Arbeitspensum und musste dann wieder operieren», erinnert sich der Geuenseer. Er müsse sich umorientieren, hiess es. Da habe er herumgefragt. «Ich kannte die Firma BRC schon und sie haben mir eine Chance in der Dispo des Ersatzteillagers gegeben», sagt er.

Mit so einer Eingliederung müsse es beiden Seiten wohl sein – dem Betroffenen und der Firma, betont Marcel Reber. Als Stephan Felber das Lager betreut und dabei den PC bedienen muss, merken sie rasch: Das ist nicht sein Ding. «Dann haben wir uns gefragt, was wir mit ihm machen können. Was sein Talent ist. Und das ist Baggerfahren», erklärt der kaufmännische Leiter. Da er aber nicht mehr als Baggerfahrer arbeiten kann, kreiert BRC kurzerhand einen neuen Job für ihn. «Wir möchten in Zukunft mit dem Brextor, eine Pfahlkopfbearbeitungsmaschine, die wir weltweit patentiert haben, den internationalen Markt erobern. Die Käufer müssen darauf geschult werden. Das wird Stephan Felber übernehmen», sagt Marcel Reber.

«Ich bin ein ganz normales Teammitglied»

Er sei immer noch Maschinist, einfach ein eingeschränkter, sagt Stephan Felber lächelnd. «Wenn ich um Hilfe bitte, bekomme ich die immer. Ich bin ein ganz normales Teammitglied und werde von allen unterstützt. Jetzt muss ich die Fräse, also den Brextor, in den Griff bekommen», freut er sich auf seine neue Aufgabe. Ohne die IV hätte er das aber nicht geschafft, ist er überzeugt. Auch Marcel Reber lobt den zuständigen Betreuer: «Es war eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Er war präsent, hat zugehört und sich bemüht.» Heute sei Stephan Felber ein ganz anderer Mensch als noch vor einem halben Jahr, er sei aufgeblüht, freut sich Marcel Reber. «Klar ist es schön, so einen Preis als Bestätigung für gute Arbeit zu bekommen, aber am wichtigsten sind ja die Menschen, unsere Mitarbeitenden», betont Marcel Reber.

Bei Perlen Papier lag der Schwerpunkt der Arbeit von WAS IV Luzern letztes Jahr laut Benno Muff beim Erhalt von fünf Arbeitsplätzen von erkrankten oder verunfallten Mitarbeitenden.