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Endspurt im Wahlkampf: Bringen all die Flyer wirklich den Erfolg?

Der Wahlkampf in Luzern kommt in die entscheidende Phase. Für die Mobilisierung werden Briefkästen mit Flyern der Parteien gestopft. Das ist legal, sagt die Post – die Wirkung der Werbung ist jedoch umstritten.
Matthias Stadler
Die Wahlen stehen vor der Tür - die Briefkästen sind entsprechend voll von Wahlunterlagen. (Bild: Pius Amrein)

Die Wahlen stehen vor der Tür - die Briefkästen sind entsprechend voll von Wahlunterlagen. (Bild: Pius Amrein)

Jetzt flattern sie wieder in unsere Briefkästen, die Flugblätter der Parteien. Möglichst mit einer markigen Botschaft versuchen die Luzerner Parteien, für die Kantonsrats- und Regierungsratswahlen vom 31. März potenzielle Wähler von sich zu überzeugen. Doch kann solche Werbung im Briefkasten durchaus auch als nervig empfunden werden – im Sinne von: «Schon wieder mehr Papier, das ich sowieso wegwerfen werde.» Manch einer regt sich auch deshalb auf, weil er einen «Stopp Werbung»-Kleber angebracht hat, dieser aber offensichtlich nicht Wirkung zu zeigen scheint.

Die Frage drängt sich auf: Darf Wahlwerbung von den Parteien auch in solche Briefkästen verteilt werden? Die Antwort der Schweizerischen Post ist klar: Ja. Sendungen von politischen Parteien würden als offizielle Sendungen gelten, teilt die Kommunikationsstelle mit. Solche Sendungen würden in sämtliche Briefkästen verteilt. Die Flugblätter der Parteien werden also gleich behandelt wie etwa Sendungen von Behörden und öffentlichen Unternehmen des Bundes. Ein Infoblatt einer Gemeinde beispielsweise schafft es auch in die Briefkästen mit «Stopp Werbung»-Kleber.

«Enormer Streuverlust» von Wahlkampfwerbung

Eine andere Frage lässt sich aber nicht so einfach klären. Nämlich, ob sich der Aufwand für die Parteien wirklich lohnt. Cloé Jans vom Forschungsinstitut GFS Bern erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass der Effekt solcher Flugblätter auf die Wahlen sehr umstritten sei:

«Die Flyer werden durchaus wahrgenommen. Aber die wenigsten Personen beurteilen sie als etwas, das sie im Wahlentscheid beeinflusst.»

Diejenigen allerdings, die bereits eine Präferenz hätten, würden durch die Flyer erneut auf die Wahlen aufmerksam gemacht und könnten dadurch mobilisiert werden. «Es kann also ein Mobilisierungseffekt bei diesen Wählern stattfinden.»

Es gilt laut Cloé Jans festzuhalten, dass der Streuverlust solcher Wahlkampfwerbung jeweils enorm sei. Will heissen, dass die meisten Personen die Werbung direkt in den Abfallkübel werfen würden. Der Aufwand sei also gross, der Ertrag bescheiden. «Das berühmteste Beispiel ist das Extrablatt der SVP», sagt die Politwissenschafterin. Dieses wurde zu Wahlkampfzwecken immer wieder in alle Haushalte verteilt. «Die Kosten belaufen sich pro Produktion auf ungefähr eine Million Franken. Nur interessiert es aber 70 Prozent der Bevölkerung nicht, da dieser Teil die SVP grundsätzlich nicht wählen würde.»

Aktuelle Themen spielen grosse Rolle

Ein Patentrezept für einen erfolgreichen Wahlkampf gibt es gemäss Cloé Jans nicht. Man wisse von den Abstimmungen in der Schweiz, dass ein grosses Budget nicht immer auch Erfolg an der Urne verspricht. «Wer wie viel Geld in die Hand nimmt, ist nicht alles entscheidend.» Wichtig sei für Wahlen viel eher, wie bekannt ein Kandidat bereits ist und welche Themen in der Gesellschaft aktuell eine grössere Rolle spielen. Wenn beispielsweise gerade ein Flüchtlingsstrom über Europa hineinbricht, ist dies für anstehende Wahlen wichtiger als Themen, die in diesem Moment als weniger drängend erachtet werden. Momentan könnten die Diskussionen um den Klimawandel für die nächsten Wahlen also mitentscheidend sein.

Ausserdem weist Cloé Jans auf die Professionalisierung im Wahlkampf hin. «Viele Parteien arbeiten mit immer mehr Daten bezüglich potenzieller Wähler.» Wenn diese Wahlwerbung gezielt eingesetzt werden kann, verspreche dies auch mehr Erfolg. Dies sei eine Entwicklung, die sehr stark von Amerika herübergeschwappt sei. Barack Obama, Hillary Clinton und der amtierende US-Präsident Donald Trump hätten ihre Kampagnen auf riesigen Datenmaschinerien aufgebaut. Die Basiswahlkämpfe der SP oder der FDP würden ebenfalls in diese Richtung gehen.

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