BROSCHÜRE: «Die notwenige Sensibilität hat gefehlt»

«Sicherheit schafft Lebensqualität»: Dies ist der Titel einer Broschüre des Luzerner Sicherheitsdepartements. Die darin enthaltene Reklame für eine Waffenfabrik irritiert einige nachhaltig.

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Eine Frau bei der Lektüre der betreffenden Seite. (Bild Dave Schläpfer/Zisch)

Eine Frau bei der Lektüre der betreffenden Seite. (Bild Dave Schläpfer/Zisch)

Die Kantons- und die Stadtpolizei Luzern fusionieren ab Anfang 2010 zur Luzerner Polizei: Aus diesem Grund – und auch, um die «Vielfältigkeit des Justiz- und Sicherheitsdepartement» auzuzeigen, wie es im Editorial heisst –, hat der Kanton in Zusammenarbeit mit dem «Anzeiger Luzern» eine 40-seitige Broschüre gestaltet, die in jeden Haushalt des Kantons Luzern flatterte (Auflage: 192'500 Stück).

Hightech-Sturmgewehr im Bild
«Sicherheit schafft Lebensqualität» ist komplett mit Geldern aus der Privatwirtschaft finanziert worden, wie betont wird. Als Gegenleistung wird der redaktionelle Teil von Firmenporträts aus dem Sicherheitsbereich in der Form von Publireportagen unterbrochen. Beim Durchblättern des Magazins dürfte mancher bei einer dieser bezahlten Beiträge hängen geblieben sein: Unter dem Titel «Swiss Quality in den Waffen aus Neuhausen» stellt sich der Waffenproduzent SAN Swiss Arms AG vor. Eine Firma, deren «wirtschaftlich unabdingbares Standbein» gemäss Eigenbeschrieb «der Export ihrer Waffen in Länder ist, die den strengen Ausfuhrbedingungen unseres Landes entsprechen». Ins Auge sticht dabei vor allem das Bild, das ein High-Tech-Sturmgewehr zeigt.

«Weg mit dem Schriftzug ?Kanton Luzern?»!
Das treibt vor allem einem die Zornesröte ins Gesicht: Roger Levy, der sich regelmässig öffentlich per Videoblog zu Themen der regionalen Politik äussert, stört sich an der «Werbung für eine Waffenfabrik in einer Zeitschrift, die wie offiziell vom Kanton daherkommt». Schlusskommentar, an die Zuschauer gerichtet: «Leute, das ist billigste Werbung! Ich fordere: Weg mit diesem Schriftzug ?Kanton Luzern?, das hat nichts damit zu tun!» Politiker sehen das durchaus ähnlich: «So eine Werbung hat in diesem Magazin nichts verloren», ärgert sich etwa Felicitas Zopfi, Präsidentin der kantonalen SP, die sich vor allem über das «unsägliche» Foto aufregt, wie sie gegenüber der Gratiszeitung «20 Minuten» sagte.

«Wir hätten interveniert»
«Auch wir finden die Bildauswahl unglücklich. Diesbezüglich wurde die nötige Sensibilität nicht an den Tag gelegt», gesteht die Projektverantwortliche Madeleine Meier, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Justiz- und Sicherheitsdepartements, auf Anfrage ein. «Man hätte ja auch ein weniger heikles Motiv aus dem Herstellungsprozess verwenden können. Sofern die Schlussredaktion bei uns gelegen wäre, hätten wir interveniert.» Nur sei dies eben nicht der Fall gewesen, wie sie weiter ausführt: ««Unser Departement zeigte sich nur für den redaktionellen Teil – dem Vorstellen verschiedener Dienstleistungen im Sicherheitsbereich – verantwortlich. Die Federführung für die Reklame lag beim ?Anzeiger Luzern?. Diesen Teil der Publikation haben wir erst gesehen, als sie bereits gedruckt war», sagt Meier. Zukünftig werde man bei ähnlichen Projekten vorsichtiger vorgehen müssen.

scd