Stadt Luzern
Im Bruchquartier wurde ein 40 Millionen Jahre alter Findling entdeckt – nun kann er auf der Luzerner Allmend bestaunt werden

Der 19,5 Tonnen schwere Brocken ist einer der grössten bekannten Findlinge auf Luzerner Stadtgebiet. Um ihn für die Nachwelt zu erhalten, ist er auf die Allmend transportiert worden.

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(sok/sma) Auf der Baustelle des Elisabethenheims im Bruchquartier wurde ein Findling entdeckt. Seine Dimensionen sind enorm: er ist 3,3 Meter lang, 3 Meter breit und 1,7 Meter hoch - und wiegt 19,5 Tonnen. Das sei so viel wie etwa zehn Nilpferdbullen zusammen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt Luzern. Der Findling besteht nicht wie die meisten aus Granit, Kneis oder Kieselkalk, sondern aus einem rund 40 Millionen Jahre alten Quarzsandgestein.

Nach dem Fund eines Findlings beim Elisabethenheim wird dieser am bei der Luzerner Allmend abgeladen.

Nach dem Fund eines Findlings beim Elisabethenheim wird dieser am bei der Luzerner Allmend abgeladen.

Bild: Dominik Wunderli

Solche Gesteine kommen vor allem im hinteren Engelbergertal vor, weshalb davon ausgegangen wird, dass ihn der eiszeitliche Engelberggletscher, welcher sich im Kreuztrichter mit dem Reussgletscher vereinte, vor gut 17'000 Jahren über 30 Kilometer nach Luzern transportierte. Er ist nicht auf dem Rücken des Gletschers mitgeschwommen, sondern wurde in der Grundmoräne mitgeschleift. Dafür sprechen die sogenannten «Gletscherschliffe» auf seiner Oberfläche. «Die Kratzer sind entstanden, als der Stein über den Felsuntergrund schrammte», erläutert Stefan Herfort von der städtischen Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz auf Anfrage.

«Ein so spezieller Findling aus einer Grundmoräne ist mir auf Stadtboden nicht bekannt. Zum Glück haben die Leute der Baufirma umsichtig reagiert und die Findlinge nicht einfach zerstört»,

wird der Luzerner Geologe Beat Keller in der Medienmitteilung zitiert.

Geologe Beat Keller untersucht den Findling.

Geologe Beat Keller untersucht den Findling.

Bild: Stadt Luzern

Transport verlief reibungslos

Der riesige Findling und seine zwei kleineren Gefährten müssen der Überbauung des Elisabethenheims weichen, dennoch sollen sie der Nachwelt erhalten bleiben. Deswegen wurden sie am Dienstagnachmittag, den 16. März, auf die Luzerner Allmend ins Naturerlebnisgebiet transportiert. Dabei handle es sich um ein anspruchsvolles Unterfangen, welches einen Tieflader und Grosskran erfordere, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Schwertransport sei dank dem Sponsoring der beteiligten Firmen Lötscher Tiefbau Plus und Eberli AG möglich.

Am Dienstag um 15 Uhr war es soweit: Ein Kran platzierte den Findling an der Grenze des Naturerlebnisgebietes, direkt hinter den Wohntürmen am Zihlmattweg. Beobachtet wurde das Geschehen von rund zehn Passanten. Die Freude über die gelungene Aktion war den Beteiligten anzusehen; die Oberfläche des Steines wurde nämlich kaum in Mitleidenschaft gezogen. «Es ist natürlich wunderbar, dass wir den Stein an einem Ort platzieren können, wo die Leute ihn auch sehen», so Herfort. Eine Infotafel soll künftig die Besonderheiten des Findlings erläutern. «Wir wollen seine Geschichte erzählen.»

Der jetzige Standort sei der einzige Punkt im Naturerlebnisgebiet, an dem man den grossen Stein habe abladen können. «Nur dort kommt man mit dem schweren Gerät hin, das braucht Platz und breite Wege», sagt Herfort. Im Bereich des Hochwasser-Rückhaltebeckens befinden sich bereits andere Findlinge; der Neuling befindet sich nun also in bester Gesellschaft.