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«Bschiss» am Ablaufdatum: Luzerner Getränkehändler wird wegen Etiketten-Manipulation verurteilt

Die Mitarbeiterin eines Luzerner Getränkehändlers soll an mindestens 600 Bierflaschen das Ablaufdatum abgeändert haben – auf Anweisung ihrer Vorgesetzten. Diese allerdings vermuten hinter den Vorwürfen eine infame Intrige.
Lena Berger
Die Produktion in der Abfuellerei des neuen "Migi Braeu Lager" der neuen Brauerei Lussi der Lussi Getraenke AG in Stans am Dienstag, 20. Maerz 2018 laeuft auf Hochtouren. Das neue Bier ist ab dieser Woche auf dem Markt. (KEYSTONE/Urs Flueeler) (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Die Produktion in der Abfuellerei des neuen "Migi Braeu Lager" der neuen Brauerei Lussi der Lussi Getraenke AG in Stans am Dienstag, 20. Maerz 2018 laeuft auf Hochtouren. Das neue Bier ist ab dieser Woche auf dem Markt. (KEYSTONE/Urs Flueeler) (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Erinnern Sie sich noch an diese Gerichtsshows, die um die Jahrtausendwende im deutschen Privatfernsehen liefen? Barbara Salesch, Richter Alexander Hold und wie sie alle hiessen? Diese Fälle liefen meist nach folgendem Schema ab: Eine Person wird beschuldigt, ein Vergehen begangen zu haben. Alles spricht gegen sie. Doch dann zeigt sich, dass etwas ganz anderes dahintersteckt: eine Intrige, eine Racheaktion, vielleicht eine Familienfehde.

Ein Fall von diesem Kaliber hat sich kürzlich vor einem Luzerner Bezirksgericht abgespielt. Auf der Anklagebank sass ein Ehepaar, das einen Getränkehandel betreibt, sowie eine Mitarbeiterin der beiden. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten im grossen Stil das Ablaufdatum von Bierflaschen abgeändert, um diese länger verkaufen zu können. Von mindestens 600 Flaschen war dabei die Rede.

An dieser Stelle folgt die angebliche Intrige. Diese dreht sich um eine Frau, die lange für den Getränkehändler arbeitete und eine heimliche Affäre mit ihm hatte. Sie hatte die Hoffnung, das Herz des Chefs würde dereinst ganz ihr gehören. Dieser würde seine Frau verlassen, und man würde zusammen den Getränkehandel in die Zukunft führen. Doch auf die Verliebtheit sei die Enttäuschung gefolgt, als plötzlich Schluss war. Und auf diese wiederum die blanke Wut.

Folgendes hat sich abgespielt, wenn man dem Ehepaar glaubt: Die verstossene Liebhaberin fasste einen perfiden Racheplan. Sie schickte ihr «Gotti» in eine Beiz, von der sie wusste, dass sie vom Getränkehändler beliefert wird. Dort liess sie die ältere Dame ein Bier bestellen.

Das «Gotti» soll Miss Marplesche Züge angenommen haben, als sie angeblich entdeckte, dass auf der Flasche an dem Ablaufdatum mit Filzstift herumgepfuscht worden war. Kurzerhand habe sie sich bei der betroffenen Brauerei erkundigt, ob es überhaupt Flaschen gäbe, die an jenem Tag ablaufen würden. Als die Zuständigen dies verneinten, meldete sie dies bei der Lebensmittelkontrolle.

Das Ehepaar bestreitet, etwas mit den abgeänderten Ablaufdaten zu tun zu haben. «Da ist nichts dran. Die Frau hat sich doch von ihrer Patentochter instrumentalisieren lassen, um unser Geschäft zu zerstören», ist die Ehefrau des Getränkehändlers überzeugt.

Nicht in dieses Bild passt allerdings die Aussage einer Zeugin– ebenfalls eine ehemalige Mitarbeiterin –, die nach eigenen Angaben beobachtet hat, wie das Ehepaar der mitangeklagten Mitarbeiterin eines Nachmittags die Anweisung gab, auf den Bierflaschen in mehreren Harassen das Datum abzuändern.

«Die versucht, uns etwas anzuhängen, um unseren Betrieb kaputt zu machen», sagt der Getränkehändler dazu. Die Zeugin sei eine Freundin seiner ehemaligen Geliebten. Er vermutet, dass die Zeugin selbst zum Filzstift gegriffen hat. Ist das alles tatsächlich ein abgekartetes Spiel?

Der zuständige Einzelrichter ist nicht überzeugt. Und das ist der Unterschied zu den Fällen von Richterin Salesch: Diese entschied immer so, wie es die Dramaturgie der Geschichte verlangte. Wer in der Verhandlung als Bösewicht dargestellt wurde, war auch derjenige, der verurteilt wurde. Vorliegend ist das anders: Das Gericht sprach die drei Beschuldigten nach einer Gesamtbetrachtung aller Beweise schuldig. Und verurteilte sie wegen Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz zu Bussen zwischen 400 und 800 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Lena Berger
lena.berger@luzernerzeitung.ch

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