BUCH: Als Kinder noch «Stäckle» und «Tüfle» spielten

Mit einem illustrierten Buch lässt Paula Troxler alte Kinderspiele wieder aufleben. Wie man von der Kunst leben kann, weiss sie vom Vater.

Ismail Osmanismail Osman
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Ausschnitt aus einem Bild Paula Troxlers. (Bild: pd)

Ausschnitt aus einem Bild Paula Troxlers. (Bild: pd)

Waren Sie schon einmal bei einer «Chässtechet»? Oder waren Sie schon mal bei einer Runde «Reiftröle» mit von der Partie? Und wissen Sie, was genau unter «D Schuah abschlaga» zu verstehen ist? Nein? Seien Sie unbesorgt, Sie sind nicht alleine.

Es handelt sich hier um drei traditionelle Schweizer Kinderspiele. Insgesamt 50 solcher Bewegungsspiele haben die aus Willisau stammende Illustratorin und Grafikerin Paula Troxler und der Verleger Peter Graf für ihr Buch «Tumme, Böckli, Stigeligumpe» zusammengetragen. Die einfachen Spiele entstanden zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert – nicht wenige davon waren längst in Vergessenheit geraten.

Originale auf Holzplatten

Für die aufwendige Gestaltung des Buches erhielt Paula Troxler (31) freie Hand. Statt zum Computer griff sie zu Holzplatten, Acrylfarben und Malerklebeband. Wem ein Blick in Troxlers Atelier gewährt wird, dem werden entsprechend auch die 60 Holzplatten mit den Originalzeichnungen auffallen. «Bevor es aber so weit war, stapelten sich hier die Bücher, die ich zur Recherche verwendete», sagt Troxler, die mittlerweile in Zürich lebt, rückblickend. Manche Spiele, von denen kein Bildmaterial zu finden war, mussten schlicht und einfach ausprobiert werden, um die Bewegungen richtig abbilden zu können.

Paula Troxler. (Bild: Ismail Osman / Neue LZ)

Paula Troxler. (Bild: Ismail Osman / Neue LZ)

Von den Bildern über die Typografie bis hin zum weissen Leinen, in welches das Buch gehüllt ist: Troxler übernahm die Verantwortung für alle gestalterischen Aspekte. «Ich bin so gesehen eine Illustratorin und Grafikerin der Siebzigerjahre», sagt Troxler. Und sie erklärt: «Ich spezialisierte mich nicht auf einen Aspekt, sondern setzte mich sowohl mit dem Bild wie auch mit der Schrift des Produkts auseinander.»

Zwei Jahre Arbeit

Die Arbeiten an «Tumme, Böckli, Stigeligumpe» zogen sich über zwei Jahre hin. «Ich war zu dieser Zeit noch mit diversen Aufträgen und Projekten beschäftigt – die Arbeit am Buch war jeweils meine kleine Oase inmitten der anderen Arbeiten.» Durch ihre farbenfrohen und teilweise auch leicht abstrahierten Zeichnungen haucht Troxler den altertümlichen Spielen neue Frische und Dynamik ein. Nicht nur laden die Bilder und Spielbeschriebe zum Ausprobieren ein, sie machen auch neugierig darauf, wer hinter den Bildern steckt.

Vater zeigte den Weg auf

«Tumme, Böckli, Stigeligumpe» ist für Paula Troxler eine Herzensangelegenheit. Nicht zuletzt darum, weil einige der Spiele aus dem Luzerner Hinterland stammen, wo Troxler aufwuchs. Paula ist eine der drei Töchter des bekannten Willisauer Grafikers und Initianten des Jazzfestivals, Niklaus Troxler. Auch die Geschwister sind kreativ tätig – zusammen mit ihrer Schwester Annik gestaltet Paula Troxler jeweils das Poster des Jazz Festival Willisau. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, ist man versucht zu sagen. «Es ist eigentlich lustig, dass es uns alle in dieses Gebiet verschlagen hat», findet Troxler hingegen. «Jazzmusikerin ist keine von uns geworden, und das wäre ja auch eine Möglichkeit gewesen.»

Längst hat sich Paula Troxler aus dem Schatten des berühmten Vaters gelöst und sich durch ihre Arbeiten selbst etabliert. Den Einfluss der Eltern leugnet sie aber nicht: «Meine Mutter hat die Kreativität, den Einfallsreichtum und die Fantasie sehr gefördert – und an Fantasie fehlt es mir wahrlich nicht», sagt Troxler mit einem Lächeln. «Von meinem Vater weiss ich, wie viel es braucht und dass 100 Prozent manchmal einfach nicht genug sind.» Von ihm habe sie aber auch das Selbstvertrauen, dass ein Leben für die Kunst und von der Kunst funktionieren kann.

Eigene künstlerische Welt

Nach einer Beschreibung des eigenen Stils gefragt, ringt Troxler um eine Antwort: «Mir ist es wichtiger, dass meine Ideen Anklang finden, als mein Stil.» Tatsächlich erkennt man in all ihren Arbeiten einen klaren Fingerabdruck der Künstlerin, ohne dass man sie einfach schubladisieren könnte. Vielleicht vermittelt ihr aktuellstes Projekt, ein Kalender für 2013, am ehesten einen Eindruck von Troxlers Welt. Der Kalender besteht aus 365 einzelnen Zeichnungen und Skizzen. Für jeden Tag ein Bild – entstanden vor einem Jahr an exakt demselben Datum. «Wie gesagt, an Fantasie fehlt es mir nicht.»

Hinweis

«Tumme, Böckli, Stigeligumpe – 50 Schweizer Spiele aus alter Zeit». Gestaltung Paula Troxler. Herausgeber: Peter Graf, 144 Seiten, 18 x 25 cm, 60 farbige Abbildungen, gebunden. Im Handel für 48 Franken erhältlich.

www.applausverlag.ch/www.paulatroxler.com

ISBN 978-3-03774-018-7