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BUCHRAIN: Erwin Arnold: «Es wird nicht um den Brei geredet»

Der frühzeitige Rücktritt der Gemeinderätin Sandra Gerber (CVP) löste teils heftige Reaktionen aus. Ihr Vorgänger Erwin Arnold sieht die Gesprächskultur in der Gemeinde dennoch nicht in Gefahr.
Sandra Monika Ziegler
Erwin Arnold. (Bild: David Avolio)

Erwin Arnold. (Bild: David Avolio)

Vor kurzem gab die Sozialvorsteherin von Buchrain, Sandra Gerber (CVP), überraschend ihren Rücktritt per Ende Juni bekannt (Ausgabe vom 2. Februar) . Der Gemeinderat reagierte darauf mit einem Schreiben, in welchem er Gerbers Kompetenz stark in Zweifel stellte – woraufhin wiederum Gerber Vorwürfe gegen den Gemeinderat erhob. Wie konnte es zu einem solchen Zerwürfnis kommen? Auskunft darüber gibt Gerbers Vorgänger und Parteikollege Erwin Arnold (66).

Erwin Arnold, wie haben Sie reagiert, als Sie von Gerbers Rücktritt erfahren haben?

In der Politikszene fliessen Informationen über Kontakte grundsätzlich sehr rasch. Erstaunt hat mich einzig der Zeitpunkt des Rücktritts, das heisst bereits 16 Monate nach Amtsantritt.

Hat sich der Umgangston seit Ihrem Abgang verschärft?

Nein – bestimmt nicht. Das wäre eine komplette Kehrtwendung, die ich mir aufgrund meiner langjährigen Mitarbeit überhaupt nicht vorstellen kann. In Buchrain pflegt man im Gemeinderat seit jeher einen respektvollen Umgang miteinander und führt eine qualitativ sehr gute und sachliche Gesprächs- und Streitkultur.

Trotzdem ist die Antwort des Gemeinderats zum Rücktritt in harschem Ton verfasst.

Die Medienmitteilung der Gemeinde ist klar und deutlich. Da wird nicht um den Brei herumgeredet oder Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Diese Klarheit begrüsse ich und ist wohl auch im Sinne des Bürgers und der Sache.

Sie äussern also keine Kritik?

Doch, zum Ablauf. Die Nachricht über den Rücktritt habe ich am Donnerstagmittag auf der Homepage der «Luzerner Zeitung» erfahren. Gleichentags um 14 Uhr erfolgte die Mitteilung der Gemeinde. Eine solche Etappierung ist nicht üblich und entspricht nicht den Gepflogenheiten. Da war vermutlich schon ziemlich viel Geschirr zerschlagen, dass die Information über zwei Kanäle an die Medien gelangt ist.

Die Vorstellungen über die Amtsführung waren nicht kongruent. Hat es da an Kommunikation gemangelt?

Das kann ich so nicht beurteilen. Es ist auch Sache der am politischen Amt interessierten Person, sich selber bestmöglich ins Bild zu setzen, was in diesem Amt erwartet wird und ob es den Vorstellungen entspricht.

Wie bereitet sich die CVP für eine Gemeinderatswahl vor?

Die Parteien sind gefordert, genau hinzusehen und langfristig und sorgfältig Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat aufzubauen. Idealerweise über parteiinterne Basisarbeit und den Einsitz in verschiedenen Kommissionen. So lernt man das «Unternehmen Gemeinde» von Grund auf kennen und auch mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen. Dies schützt vor übertriebenen Erwartungen und späteren Enttäuschungen.

Wie es bei Sandra Gerber der Fall war. War damals keine andere Kandidatin zur Hand?

An der Nominationsversammlung der Partei war sie die einzige Kandidatin für dieses Amt.

Ist das Amt für Quereinsteiger überhaupt zu meistern?

Idealerweise sind die Voraussetzungen wie vorhin erwähnt ausgeführt – ansonsten kann es für Quereinsteiger schon schwierig werden. Das Berufsfeld, aus dem ein Kandidat kommt, spielt aus meiner Sicht eine untergeordnete Rolle. Gesunder Menschenverstand und der Wille, sich in die Materie einzuarbeiten, ist viel wichtiger. Die Fachleute sind auf den Verwaltungen vorhanden, es gilt zuzuhören, aufzunehmen und Fragen zu stellen. Querdenker und Querdenkerinnen regen mit Fragen auch zum Hinterfragen und zu neuen Ideen an.

Reicht ein Pensum von 25 Prozent für diese Arbeit aus?

Gemeinderat ist eine Führungsaufgabe, die über das festgesetzte nominelle Pensum hinaus Engagement abverlangt. Dies gilt für grosse Gemeinden mit höheren Pensen ebenso wie für kleine Gemeinden mit kleinen Pensen. Es ist auch eine Frage der Organisationsstruktur innerhalb der Verwaltung. In der Privatwirtschaft verlangen Kader- und Führungsfunktionen ebenfalls entsprechendes Engagement, welches über das festgelegte Pensum hinausgeht.

Sie sprachen auch schon von einer «Zweckehe» bezüglich der Arbeit im Gemeinderat. Was ist damit gemeint?

Gemeinderat werden ist nicht unbedingt nur eine Qualifikation, sondern vielmehr eine Wahl. Da findet kein Selektionsverfahren wie in einem Unternehmen statt. Da gilt es, sich nach der Wahl zu finden, zu arrangieren, auszutauschen, Kompromisse zu schliessen und aus einer Gesamtoptik die Gemeinde zum Nutzen und Vorteil der Bürgerinnen und Bürger weiterzuentwickeln. Mit der Wahl eines Mitglieds in den Gemeinderat hat die Wählerschaft auch diesen Auftrag erteilt.

Interview: Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Erwin Arnold (CVP) war von 1995 bis 2016 Sozialvorsteher der Gemeinde Buchrain. Von 2002 bis 2014 war er zudem Prä­sident des kantonalen Sozialvorsteherverbands. Seit 2003 ist Erwin Arnold Mitglied des Kantonsrats.

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