Buchrain: Katholiken geben den Orthodoxen in der Pfarrkirche Gastrecht

Die katholische Kirchgemeinde Buchrain hat ein neues Gesuch für die Vermietung der Kirche Perlen an die Serbisch-Orthodoxen eingereicht. Für die strittige Parkplatzfrage wurde eine Lösung gefunden - genauso wie für orthodoxe Feiertage, die auf Werktage fallen. 

Robert Knobel
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Die Kirche St. Joseph in Perlen soll dereinst an die serbisch-orthodoxe Kirche verkauft werden.

Die Kirche St. Joseph in Perlen soll dereinst an die serbisch-orthodoxe Kirche verkauft werden.

Archivbild: Pius Amrein

Die katholische Kirchgemeinde Buchrain-Perlen nimmt einen neuen Anlauf, um die alte Kirche in Perlen den Serbisch-Orthodoxen übergeben zu können. Bekanntlich wollte die Kirchgemeinde die Kirche St. Josef an die Serbisch-Orthodoxe Kirche Luzern verkaufen. Gegen dieses Vorhaben wurde allerdings Beschwerde erhoben.

Denn die Kirche St. Josef, einst für die lokale Bevölkerung im Dorf Perlen gebaut, sei nicht für die Nutzung als überregionales Kirchenzentrum geeignet, so die Kritik. Insbesondere bei hohen Feiertagen würden die vorhandenen 20 Parkplätze niemals ausreichen, um die Nachfrage der Gottesdienstbesucher aus der ganzen Zentralschweiz zu decken. Schliesslich finden in der Kirche bis zu 400 Personen Platz. Anwohner fürchten deshalb massiven Mehrverkehr und wildes Parkieren im Quartier. Die Beschwerde wurde durch das Bundesgericht gutgeheissen.

Bisher halten die Serbisch-Orthodoxen ihre Gottesdienste in der Alten Dorfkirche Buchrain ab, die ebenfalls der katholischen Kirche gehört, für die Bedürfnisse der Orthodoxen aber zu klein geworden ist. 

123 zusätzliche Parkplätze – aber nur am Wochenende

Katholiken und Serbisch-Orthodoxe streben weiterhin einen Verkauf der Kirche an, wie sie in einem gemeinsamen Schreiben mitteilen. Das Schreiben liegt zurzeit bei der Gemeinde Buchrain öffentlich auf, zusammen mit einem Gesuch für eine Nutzungsänderung der Kirche. Sie soll in einem ersten Schritt nicht verkauft, sondern bloss vermietet werden. Und auch für die Parkplatzfrage haben die beiden Kirchgemeinden eine Lösung gefunden: Die serbisch-orthodoxen Gottesdienstbesucher dürfen jeweils am Sonntag und am Samstagabend 73 Parkplätze bei der Papierfabrik Perlen sowie 50 weitere bei der Firma Gloggner benutzen, und zwar kostenlos. Im ganzen übrigen Quartier herrscht hingegen Parkverbot.

Die Kirche verpflichtet sich, mit einem Verkehrsdienst für eine strikte Einhaltung des Parkregimes zu sorgen. «Wir werden alles daran setzen, dass es zu keinen Reklamationen kommt», heisst es im Schreiben weiter. Ziel bleibt, dass die Serbisch-Orthodoxen in Perlen in einigen Jahren so gut akzeptiert sind, dass der Verkauf der Kirche nicht mehr auf Widerstand stösst.

Weihnachten wird im Januar gefeiert – in der Pfarrkirche

Die Katholiken bieten den Serbisch-Orthodoxen auch für Gottesdienste unter der Woche Hand. Denn an Werktagen stehen die Zusatzparkplätze in Perlen nicht zur Verfügung, was eine Nutzung der Kirche praktisch verunmöglicht. Deshalb stellt die Katholische Kirchgemeinde den Serbisch-Orthodoxen durchschnittlich einmal pro Monat die Pfarrkirche St. Agatha im Buchrainer Dorfzentrum zur Verfügung. Den Anfang macht gleich ein hoher Feiertag: Weihnachten feiern die Orthodoxen nämlich Anfang Januar, 2020 fällt der Feiertag auf den Dienstag, 7. Januar. Gefeiert wird er nun also in der Buchrainer Pfarrkirche.

PERLEN: Kirchenverkauf ist vorläufig gestoppt

Das Pfarreizentrum kann nicht an die Serbisch-Orthodoxe Kirche verkauft werden – vorläufig. Ein hartnäckiger Einsprecher blockiert den Handel. Nun wollen die Katholiken die Kirche St. Josef vermieten.
Sandra Monika Ziegler