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BUCHRAIN: Rektor geht nach 42 Jahren in die «ewigen Schulferien»

Herbert Ehren­bolger (63) hat die frappante Entwicklung der Volks­schule aus nächster Nähe miterlebt. Einzig die Erstklässler hätten sich kaum verändert, sagt er.
Oliver Schneider
Ein Leben für die Schule: Herbert Ehren­bolger im Gang des Dorfschul­hauses Buchrain. (Bild Boris Bürgisser)

Ein Leben für die Schule: Herbert Ehren­bolger im Gang des Dorfschul­hauses Buchrain. (Bild Boris Bürgisser)

Am 1. August 1974 betrat Herbert Ehrenbolger als Klassenlehrer zum ersten Mal die Gemeindeschule Buchrain. Heute Freitag wird er nach 42 Jahren die Schule als Rektor im Alter von 63 Jahren wieder verlassen. Herbert Ehrenbolger sieht seiner Pensionierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen: «Selbstverständlich freue ich mich auf den leeren Terminkalender, den die Zukunft bringt, doch ich lasse auch einen äusserst wichtigen Teil meines bisherigen Lebens zurück.»

Elektrische Schreibmaschine

Anfang Januar 1983 trat Ehrenbolger das Amt als Rektor der Gemeindeschule Buchrain an. Er erinnert sich noch gut an seinen ersten Arbeitstag: «Meine Vorgängerin hat mir einfach zwei Bananenschachteln mit Material in die Arme gedrückt. Mit dieser Geste wurde ich Rektor der Gemeindeschule.» Die Bananenschachteln enthielten nur die Klassenverzeichnisse ab dem Jahr 1876, und so musste sich Ehrenbolger vollkommen selbstständig einarbeiten. Heutzutage sei die Übergabe natürlich viel professioneller gestaltet. Seine erste Handlung als amtierender Rektor war der Wunsch nach einer elektrischen Schreibmaschine mit einem Display von 20 Zeichen. Dieser Wunsch konnte dem frisch beförderten Rektor natürlich nicht ausgeschlagen werden.

Er wurde Vollzeitrektor

Die Aufgaben als Rektor haben sich während der Jahre grundlegend verändert. Zu Beginn habe er noch eine eigene Klasse geführt, erzählt Ehrenbolger, denn das Rektoramt habe anfänglich nur wenige Stunden pro Woche in Anspruch genommen. Die Menge an Arbeitsstunden wuchs jedoch stetig, und so arbeitete Ehrenbolger nebenbei bald nur noch als Werklehrer.

Vor zehn Jahren musste Ehrenbolger dann seine Lehrertätigkeit vollständig zurückstellen, um der Rektorrolle gerecht zu werden. «Es war eine schwere Entscheidung, nicht mehr direkt mit den Kindern zu arbeiten», sagt er. Das Amt als Rektor, das nun zu einem Vollzeitpensum herangewachsen war, habe eine Lehrertätigkeit einfach nicht mehr zugelassen. Heute ist die Schule nach einem zweistufigen Schulleitungssystem aufgebaut. Zum einen gibt es den Rektor, der die Gesamtverantwortung trägt und die ganze Administration leitet, zum anderen zwei Schulleiter, die die einzelnen Schuleinheiten führen.

In den 42 Jahren hat sich an der Gemeindeschule Buchrain viel verändert. Die Schule ist in dieser Zeit sehr stark gewachsen. Praktisch jedes Jahr musste eine neue Klasse eröffnet werden. Heute zählt die Schule rund 700 Schüler. Das sei vor allem auf das grosse Bevölkerungswachstum in der Gemeinde zurückzuführen, sagt der zurücktretende Rektor. Rund siebenmal sei er deshalb schon in der Baukommission gewesen, um weitere Vergrösserungen des Schulhauses zu planen.

Leuchtende Augen am ersten Tag

Die Schulkinder selber hätten sich jedoch in all den Jahren kaum verändert. «Noch immer erscheinen die Erstklässler mit leuchtenden Augen, einem Strahlen im Gesicht und ihren riesigen Schul­taschen zum ersten Schultag», sagt Ehrenbolger schmunzelnd. Diese Vorfreude entzücke ihn jedes Mal aufs Neue. Eine sichtbare Veränderung im Lehrkörper, vor allem auf der Primarschulstufe, ist der immer grösser werdende Frauen­anteil. Das ist in Buchrain nicht viel anders als in anderen Gemeinden. Das habe auch dazu geführt, dass der Anteil an Vollzeitstellen zurückgegangen sei, so Ehrenbolger. Denn berufstätige Mütter bevorzugen meist Teilzeitstellen. Er sieht in dieser Veränderung auch einen gesellschaftlichen Verlust. «Es wäre wünschenswert, dass wieder vermehrt Männer auf der Primarschulstufe unterrichten würden», sagt Ehrenbolger dezidiert. «Als Rektor ist man in dieser Hinsicht jedoch vollkommen machtlos.» Wenn eine Bewerbung eines Lehrers vorlag, habe man ihn selbstverständlich ins Auswahlverfahren einbezogen, so Ehrenbolger, doch die Bewerbungen von Männern seien zunehmend ausgeblieben.

In seiner Laufbahn hat Ehrenbolger auch die Schattenseiten als Rektor kennen gelernt. Das schlimmste Beispiel dafür war 2007 der Tod eines Schülers beim Altpapiersammeln. Als letzter Verantwortlicher war auch Ehrenbolger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er wurde aber später vom Gericht freigesprochen. «Solche schlimmen Ereignisse prägen einen extrem», sagt Ehrenbolger. In Fällen dieser Art werde einem die riesige Verantwortung für die Kinder knallhart vor Augen geführt: «Im ersten Moment überlegt man sich dann, sämtliche Schulausflüge und Derartiges zu verbieten. Irgendwann setzt jedoch auch wieder der gesunde Menschenverstand ein, und man versucht weiterhin, offen zu sein.»

Er hütete das Tor der Lehrer

Trotzdem überwiegt das Positive. «Zu den schönsten Erlebnissen zählen die Begegnungen mit meinen ehemaligen Schülern», sagt Ehrenbolger. Wenn er von jungen Erwachsenen angesprochen wird, die ihn noch erkennen und von ihrem Leben erzählen, sei das die grösste Freude. Auch der herzliche Abschied wird Ehrenbolger sicherlich in Erinnerung bleiben. Vergangenen Dienstag fand der traditionelle Lehrer-Schüler-Fussballmatch statt. Seit 40 Jahren hütet Ehrenbolger das Tor der Lehrer, das zur Feier des Tages voller bunter Ballone war. Hinter dem Tor wehten die Kleinen mit Fahnen und schrien ihre Fan-Gesänge. «Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, die auch die gute Atmosphäre während meiner Zeit als Rektor der Schule widerspiegelt», sagt Ehrenbolger. Er werde den Kontakt zu seinen Kollegen sowie zu den Kindern vermissen, die Schule und das ganze Schulsystem aber sicherlich weiterhin mitverfolgen.

Oliver Schneider

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