Buchrain
Katze aus Schacht befreit: Dieser Spaziergang ins Abwasserrohr wird teuer

Sieben Tage ist Haako in einem Abwasserrohr gefangen. Doch dank einer grossangelegten Rettungsaktion übersteht der Kater das Ungemach unbeschadet.

Ernst Zimmerli
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Montagmorgen, 8 Uhr: Marcel Henzen von der Henzen's Tierrettung Schweiz in Erstfeld erhält einen Anruf einer besorgten Katzenhalterin aus Buchrain. Ihr Kater Haako sei in ein offenes Abwasserrohr im Wald nahe der Autobahn gelaufen und nicht mehr hinausgekommen. Beamte der Luzerner Polizei seien bereits letzte Woche in das Abwasserrohr gekrochen und hätten dabei zwar die Katze gesehen, sie jedoch nicht einfangen können. Der Kater harre nun schon seit sieben Tagen in der Kanalisation aus.

Für Berufstierretter Henzen ist sofort klar, dass in diesem Moment die Kosten in den Hintergrund rücken und die Rettung umgehend organisiert werden muss, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Eiligst kontaktiert er die Animal Rescue Tier-Rettung Schaffhausen und Thurgau und erhält auch umgehend eine Zusage zur Hilfe für die Unterstützung bei der Rettung des Katers.

Auf dem Weg von Erstfeld nach Buchrain verschafft sich Henzen eine Übersicht des fraglichen Geländes beziehungsweise der Kanalisation. Kein leichtes Unterfangen, denn nach Angaben des Bauamts der Gemeinde Buchrain existieren nicht mehr alle Baupläne der Kanalisation.

Bereits im Auto wird die Rettung akribisch vorbereitet.

Bereits im Auto wird die Rettung akribisch vorbereitet.

Bild: PD

«Auch die Kooperation Buchrain, welche für diesen Waldabschnitt verantwortlich ist, konnte uns in dieser Frage nicht weiterhelfen», so Henzen. «Doch sie boten uns ihre Hilfe an, sollten wir Unterstützung benötigen, beispielsweise beim Graben eines zusätzlichen Schachtes.» Doch damit nicht genug. Auch Bewilligungen für die Arbeiten so nahe an der Autobahn müssen eingeholt werden. Zudem steht die Firma KIT Bauinspekt in Ebikon den Tierrettern mit einer Kanalkamera zur Seite. «Die gesamten Vorbereitungsarbeiten benötigten alleine schon rund fünf Stunden», sagt Henzen.

Die Tierretter im Einsatz.

Die Tierretter im Einsatz.

Bild: PD

Um etwa 15 Uhr kann die eigentliche Tierrettung beginnen. «Lokalisieren des Katers, unterirdisches Vermessen des Kanals mit Hilfe einer Kamera, gemeinschaftliches oberirdisches Suchen des Schachtdeckels im Wald», fasst Henzen zusammen. Von Schachtdeckel zu Schachtdeckel arbeitet sich die Rettungscrew langsam zur Katze vor. «Da es schon langsam dunkel wurde, leuchtete die Berufsfeuerwehr Luzern unser Arbeitsfeld aus», so Henzen.

Es ist schon dunkel, als die Retter zur Katze vordringen.

Es ist schon dunkel, als die Retter zur Katze vordringen.

Bild: PD

An der Stelle, wo der Kater seit Tagen festsitzt, hat der Kanal nur noch einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern. Dies erschwert die Arbeit zusätzlich. «Die Katze sprang über die Kamera und entwischte uns immer wieder», sagt Henzen. Erst ein vor Ort konstruiertes Rückhaltesystem soll verhindern, dass die Katze über die Kamera springen kann. Doch auch dies bringt nicht den gewünschten Erfolg, und es kommt ein sogenannter Kabelballon zum Einsatz. Henzen erklärt: «Auf der einen Seite der Ballon und auf der anderen Seite das Fangnetz. Endlich erwischten wir den Kater.»

Kater Haako ist wieder in Sicherheit.

Kater Haako ist wieder in Sicherheit.

Bild: PD

Nach der mehrstündigen Rettung kann Haako von seiner überglücklichen Besitzerin in Empfang genommen werden. Der Kater ist leicht abgemagert, aber unverletzt und in erstaunlich guter Verfassung.

Eine derart aufwendige Rettung hat natürlich ihren Preis. «Mit offiziellen Preisen kommt man da schnell einmal auf eine vierstellige Summe», sagt Henzen. Sicherlich keine Übertreibung, wenn man die Arbeit von Animal Rescue, der Firma KIT Bauinspekt Ebikon, der Berufsfeuerwehr Luzern, der Kooperation Buchrain, der Luzerner Polizei neben jener der Henzen's Tierrettung miteinbezieht.

Für Henzen war der finanzielle Aspekt jedoch zweitrangig, als er von der Katzenhalterin um Hilfe gebeten wurde. Natürlich müsse er mit seiner professionellen Tierrettung Geld verdienen. «Für mich war aber klar, dass ich helfen werde.» Und trotz der Gesamtkosten zwischen 5000 und 8000 Franken ist der Tierretter überzeugt, dass mit der Katzenhalterin eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Einigung erzielt werden kann.

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