BÜRON: Erster Hub für Bibliotheksbücher in der Schweiz

Im luzernischen Büron nahe der A2 geht in den nächsten Wochen das erste gemeinsame Aussenlager von Bibliotheken aus vier Kantonen in Betrieb. Es soll mehrere Millionen Bücher aufnehmen. Dünne Luft sorgt dafür, dass kein Feuer ausbricht. Auch Diebe haben es schwer.

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So sieht es im Innern der industrialisierten kooperativen Speicherbibliothek Schweiz in Büron im Kanton Luzern. Die Speicherbibliothek wird im Februar 2016 den Betrieb aufnehmen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

So sieht es im Innern der industrialisierten kooperativen Speicherbibliothek Schweiz in Büron im Kanton Luzern. Die Speicherbibliothek wird im Februar 2016 den Betrieb aufnehmen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Mitten auf der grünen Landschaft im kleinen Luzerner Dorf Büron sei in den vergangenen eineinhalb Jahren der erste grosse Hub der Schweiz für Bibliotheksbücher entstanden, sagte Mike Märki, Geschäftsführer der Kooperativen Speicherbibliothek Schweiz am Freitag bei einem Augenschein vor Ort.

Von Links: Dr. Ulrich Niederer Präsident / Direktor ZHB Luzern, Dr. Remo Ankli Regierungsrat Kanton Solothurn, Reto Wyss Regierungspräsident Kanton Luzern und Mike Märki, Geschäftsführer Speicherbibilothek. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
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Remo Ankli, Regierungsrat Kanton Solothurn, bei der Eröffnung der Bibliothek. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Mike Märki, Geschäftsführer Speicherbibilothek, spricht vor dem Publikum. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Die Speicherbibilothek in Büron wurde am Freitag feierlich eröffnet. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Urs Fischer belädt im Gewerbepark Äntlibuch einen Lastwagen, ... (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
... nachdem Karl-Heinz Otter die Bücher eingepackt hat... (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
... und Eveline Schüler die Etiketten geklebt hat. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
In Entlebuch codiert Gabriela Köpflli die Bücher. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Rund 900'000 Bücher werden gezügelt. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Der Umzugswagen bei der Ankunft in Büron. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
In der Speicherbibliothek werden die Bücher gereinigt. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
In der Speicherbibliothek erfasst Sandra Blum die Bücher, ... (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
... danach werden sie eingelagert. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Die industrialisierte kooperative Speicherbibliothek in Büron in Luzern ging im Februar in Betrieb. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Regale sind beinahe 15 Meter hoch. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Sobald die Bibliothek in Betrieb ist, wird der Sauerstoffgehalt in der Luft reduziert werden, um Brände zu verhindern. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Speicherbibliothek wird dereinst 3.1 Millionen Bücher archivieren. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die neue Speicherbibliothek in Büron von aussen betrachtet. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ
Mike Märki ist Gesamtprojektleiter und stellt das neue Lager vor. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ
Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ
Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ

Von Links: Dr. Ulrich Niederer Präsident / Direktor ZHB Luzern, Dr. Remo Ankli Regierungsrat Kanton Solothurn, Reto Wyss Regierungspräsident Kanton Luzern und Mike Märki, Geschäftsführer Speicherbibilothek. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))


Das erste Buch trifft erst am 1. Februar ein. Doch bereits sind Roboter daran, in den sechs engen, 70 Meter langen und knapp 15 Meter hohen Gassen nach und nach bis zu 110'000 grauen Plastikbehälter einzuräumen. Darin werden später vor allem Bücher und Zeitschriften aufbewahrt.

Bis Mitte 2017 wollen die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, die Uni Basel, die Zentralbibliothek Solothurn sowie die Zentral- und die Unibibliothek Zürich ganze oder Teile ihrer Bestände in Büron einlagern. Der Speicher hat Platz für 3,1 Millionen Bände. Mit einem Anbau könnte die Kapazität dereinst auf bis zu 14 Mio. Bände ausgebaut werden.

Massnahme gegen Platznot

Die beteiligten Bibliotheken kämpfen alle mit Platznot und suchen nach günstigem Stauraum. Im neuen zentralen Hochregallager könnten die Bibliotheken ihre Bestände auf kompakte Art und günstig bei sicheren Lagerbedingungen aufbewahren und für sich Platz schaffen, erklärte Geschäftsführer Mike Märki.

Weil zudem nicht jede Bibliothek jeweils selber ein Exemplar einer bestimmten Zeitschrift ablegen muss, sondern eine Ausgabe für alle genüge, könnten die Bibliotheken 20 bis 30 Prozent Platz sparen, sagte Märki.

Das neue vierstöckige Speichergebäude liegt in einem Industriequartier Bürons unweit der Autobahn A2 auf einer Landreserve des Kantons Luzern. Es ist erdbebensicher gebaut.

Luft wie auf 5000 Metern Höhe

Damit sich kein Brand ausbreiten kann, wird im Lagerraum der Sauerstoffgehalt der Luft von rund 21 auf 13 Prozent gesenkt. Dies entspricht etwa der Luft auf 5000 Metern über Meer. Zutritt zum Lager haben nur Personen, die einen speziellem Gesundheitscheck bestanden haben.

Im Hochregallager werden auch wertvolle Bestände etwa aus dem 16. Jahrhundert abgelegt. Diebe haben es aber schwer. Welches Buch wo genau im Lager abgelegt sei, wisse nur der Computer, sagte Leiter Mike Märki. «Falls der Computer streikt, läuft hier praktisch nichts mehr.»

Die kooperative Speicherbibliothek zählt acht Beschäftigte. Darunter sind Logistiker, Techniker, Leute in der Administration sowie eine Bibliothekarin. Neben der Bücherlagerung kümmert sich das Team um Bücherreinigungen oder führt kleine Reparaturen durch.

Die halbautomatische Speicherbibliothek kostete rund 33 Millionen Franken. Der jährliche Betrieb ist auf 900'000 Franken veranschlagt. Dafür kommen die Teilnehmerbibliotheken auf.

Lieferung innert 24 Stunden

Der Kunde merkt kaum etwas von der neuen Speicherbibliothek. Bestellt er von zu Hause aus oder in der Bibliothek ein Buch, das sich im neuen Lager in Büron befindet, wird dieses vom Roboter aus dem Regal geholt. Der Logistiker stellt es dann einem Kurier bereit, der rund zweimal pro Tag zwischen dem Lager und den Bibliotheken hin- und her pendelt. Spätestens 24 Stunden nach der Bestellung soll das Buch in der Bibliothek zum Abholen bereit liegen.

Ähnliche Anlagen existieren in Europa erst in England und Norwegen. In der Schweiz betrete man damit Neuland, sagte Geschäftsführer Mike Märki. Sowohl Betreiber wie auch Bibliotheken müssten erst Erfahrungen sammeln, bevor sich allenfalls weitere Partner anschliessen. Der Kanton Aargau gab im Dezember seinen Rückzug aus dem Projekt bekannt, weil er seine Bestände selber optimiert.

Thomas Oswald, sda