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BÜRON: Hier finden harte Kerlchen Asyl

Heute findet der Welt-Schildkrötentag statt. Die Auffangstation bietet Einblick ins Leben der Panzertiere. Einblick in ein Stück Tropen im Surental.
Rund 50 Schildkröten hausen derzeit in der Büroner Auffangstation. Die kleinste ist knapp grösser als eine Streichholzschachtel, die grösste passt kaum in einen Briefkasten. (Bild Manuela Jans)

Rund 50 Schildkröten hausen derzeit in der Büroner Auffangstation. Die kleinste ist knapp grösser als eine Streichholzschachtel, die grösste passt kaum in einen Briefkasten. (Bild Manuela Jans)

Evelyne Fischer

Sie stammen ursprünglich aus Papua-Neuguinea, Australien oder Madagaskar und haben eines gemein: Landen die Schildkröten bei Roger Limacher, haben sie Glück. 70 Plätze bietet seine Auffangstation, deren 50 sind besetzt. «Anfragen hätte ich für das Zehnfache», sagt er. Praktisch in Eigenregie hat Limacher eine einstige Gastarbeiterwohnung mitten in Büron vor elf Jahren in ein Asyl für Panzertiere verwandelt. «Bei mir zu Hause hatte ich schlicht keinen Platz mehr.» Heute öffnet die Auffangstation anlässlich des Welt-Schildkrötentags ihre Tür.

Mit Leim den Panzer verarztet

Wo früher die Küche war, hausen nun die Sorgenkinder. Bei der einen Schildkröte löst sich der Panzer auf. Sälbelen zeigt bisher wenig Erfolg. Bei der Schildkröte im nächsten Terrarium ist der Panzer gebrochen. Was aussieht wie ein Wachsfleck, ist Zweikomponentenleim. Wäre der 46-Jährige nicht Informatiker und Gemeinderat, man würde ihn glatt für einen Tierarzt halten. Bei Neulingen entnimmt er Blut, markiert sie. «Ich bin froh, halten die Chips heute mehr als 30 Jahre.» Denn die Tiere werden alt. Sehr alt. «Eine Landschildkröte kann hundert werden, eine Wasserschildkröte siebzig.»

Seit zwölf Jahren präsidiert Limacher die Regionalsektion Zentralschweiz der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz. Diese pflegt in Büron und Emmenbrücke zusammen mit Freiwilligen rund 120 Tiere. Täglich erhält Limacher ein gutes Dutzend Mails von Schildkrötenbesitzern, die ihre Tiere abgeben wollen. Weil sie selber zu alt sind. Weil sie für Wasserschildkröten keine Haltebewilligung zahlen wollen. «Oder weil sie die Tiere langweilig finden.» Einst rief die Raststätte Neuenkirch an. Man hatte eine Schachtel mit Schildkröten gefunden, drei Stück, je einen Fünfliber gross. «Vermutlich am Markt in Luino gekauft, über die Grenze geschleust und schon unterwegs den Gefallen daran verloren.» Die grössten Schmuggler seien oft die Kleinsten: «Man glaubt gar nicht, was Kinder im Hosensack so alles mit nach Hause nehmen – und was Schildkröten so alles überleben.»

Löwenzahn im Übermass

Limacher wirft eine Hand voll getrocknete Krebschen ins Becken. Eine Klappschildkröte taucht auf. Als Limacher sie aus dem warmen Wasser holt, verschwinden Kopf und Glieder schnurstracks, der Panzer ist komplett dicht. Im gleichen Becken: eine Giraffe von einer Schildkröte. Ihren langen Hals schmiegt sie seitlich den Panzer entlang. Wasserschildkröten sind Fleischfresser, die Artgenossen an Land Vegetarier. Drei Beete voller Löwenzahn hat Limacher bei sich zu Hause angepflanzt. «Die richtige Ernährung ist das A und O.» Ein weicher Panzer mit Höckern weist auf Kalziummangel hin – Limacher spricht von «Kopfsalat-Tomaten-Schildkröten».

Die Auffangstation ist eine Herberge auf Zeit. «Wenn immer möglich wollen wir die Tiere weitervermitteln», sagt Limacher. Seine Obhut verlassen sie erst, wenn ein Vertrag vorliegt. Und mit ihm das Versprechen, das Tier artgerecht zu halten. «Ohne ein Foto des künftigen Heims gebe ich kein Tier ab.» Wie eine Aussenanlage aussehen sollte, zeigt sich vor Ort: Steine, Sträucher, grünes Gras, ein Gewächshäuschen. Wo man Salatköpfe vermuten würde, tummeln sich Landschildkröten. Weshalb faszinieren sie ihn? «Hm.» Limacher überlegt. Zum ersten Mal an diesem Nachmittag fehlen ihm die Worte. «Was mich fasziniert? Einfach alles.» Am Abend die 60 eigenen Tiere bei sich zu Hause zu beobachten, sei für ihn das Schönste. Zu sehen, wie sie sich bewegen. «Und wie sie auf mich zukommen, wenn ich sie rufe.»

HINWEIS
Tag der offenen Tür in der Büroner Schildkröten- Auffangstation: heute Samstag, 9 bis 19 Uhr. Gallus-Steiger-Strasse 10. Parkplätze: Kirche Büron.

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