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BÜRON: Ihr Herz schlägt für die Psychiatrie

Seit rund vier Monaten ist Kerstin Gabriel Felleiter neue Chefärztin Ambulante Dienste der Luzerner Psychiatrie. Sie wird an verschiedenen Fronten gefordert.
Die neue Chefärztin Ambulante Dienste der Luzerner Psychiatrie Kerstin Gabriel in einer Besprechung mit Mitarbeitern. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 27. Dezember 2017))

Die neue Chefärztin Ambulante Dienste der Luzerner Psychiatrie Kerstin Gabriel in einer Besprechung mit Mitarbeitern. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 27. Dezember 2017))

Kerstin Gabriel Felleiters Blick schweift entlang der markanten Fensterfront ihres Büros im Surseer Enterprise-Gebäude. In der Ferne zieht sich entlang dem Sem­pachersee ein Hügelzug hin. Die Wälder wirken in den weiten Feldern wie kleine Farbtupfer.

Diese Szenerie wirkt fast zu einladend, um hier zu arbeiten. Doch die 47-Jährige hat einen eng getakteten Tagesablauf. Soeben ist die neue Chefärztin Ambulante Dienste der Luzerner Psychiatrie von einem Termin ausser Haus zurückgekehrt. Doch trotz prall gefüllter Agenda hält sie einen Moment inne, zieht ein erstes Fazit über mittlerweile mehr als 100 Tage im neuen Amt.

In Sursee viel Aufbauarbeit geleistet

Seit dem 1. September hat Kerstin Gabriel diese Funktion inne und gehört auch der Geschäftsleitung an. «Mir gefällt es hier», sagt sie ohne ein Zögern. Und dies gleich in doppelter Hinsicht: Da ist die fordernde Aufgabe als Chefärztin sowie ihr privates Umfeld. Sie sei noch nie so lange in einer Region sesshaft gewesen. Seit 15 Jahren wohnt die Deutsche, die seit vier Jahren eingebürgert ist, mit ihrem Mann in Büron. Ihn lernte sie im Schweizer Paraplegikerzentrum (SPZ) in Nottwil in der spezialisierten Klinik für Querschnittgelähmte kennen.

In Würzburg hat Gabriel Humanmedizin studiert. 1997 schloss sie ihr Studium ab und promovierte ein Jahr später am Institut für Physiologie der Universität Würzburg. Nach diversen assistenzärztlichen Einsätzen in Schweizer Kliniken erlangte sie 2005 den Titel als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Zwei Jahre später zog es Gabriel beruflich in die Zentralschweiz zurück. In Sursee trat sie die Stelle als Oberärztin und Stellenleiterin des Ambulatoriums und der Tagesklinik der Luzerner Psychiatrie an. Später oblag ihr die Chefarzt-Stellvertretung.

«Ich durfte hier viel aufbauen», erklärt sie rückblickend. Sehr früh sei sie auch in die Konzipierung des 2015 neu bezogenen ambulanten Kompetenzzentrums in Sursee einbezogen worden. Wichtig ist ihr, «eine Psychiatrie offen und zeitgemäss zu gestalten, dabei aber den Sicherheitsstandard nicht zu vernachlässigen». Die Psychotherapeutische Tagesklinik in Sursee bietet 14 Personen ab 18 Jahren Platz und ist wochentags offen. «Im Durchschnitt verbringen die Patienten drei Monate bei uns.»

Gabriel spricht von einer «sehr faszinierenden, breit gefächerten Tätigkeit». Obwohl sie ihre ersten beruflichen Schritte in der Neurologie begonnen hatte, schlägt ihr Herz für die Psychotherapie und die Psychiatrie. «Es ist für mich das vielfältigste, abwechslungsreichste und herausforderndste Feld der Medizin.» Es gehe immer um die Ganzheitlichkeit des Menschen. Unabhängig davon, ob jemand einen Herzinfarkt erlitten oder an Krebs erkrankt sei, «die Psyche ist immer beteiligt». Als «faszinierend» sieht sie die Herausforderung, täglich Menschen mit «eigenen, oft aussergewöhnlichen Lebensläufen» zu begegnen.

Doch wie viele andere medizinischen Fachbereiche spürt auch die Psychiatrie den Spardruck. Das mache die Behandlungen schwerer, sagt sie. Immer wieder müsse man den Spagat zwischen einer guten Versorgung und deren Finanzierung meistern. Für sie stellt sich in dem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit man künftig eine gute ambulante Grundversorgung gewährleisten könne, wenn diese aufgrund fehlender adäquater Finanzierung nicht kostendeckend sei. Weiter sieht sie die Rekrutierung von Fachpersonal – insbesondere von Ärzten in der Psychiatrie – als «sehr herausfordernd und schwierig».

«Bin auf Feedback, auch kritisches, angewiesen»

Gabriel ist es wichtig, trotz ihrer neuen Funktion weiterhin eigene Patienten zu behandeln. «Etwas anderes könnte ich mir nicht vorstellen.» Die therapeutische Beziehung ist für sie ganz zentral. Zwar sei sie nicht mehr so sehr am operativen Puls wie früher. Dennoch will sich Gabriel auch künftig die Zeit nehmen, Mitarbeitenden beratend zur Seite zu stehen. «Ich möchte mit dem Führungsstil nahe beim Personal sein, bin auf ihr Feedback, auch kritisches, angewiesen.» Als «bedeutendes Thema» bezeichnet sie die weiterhin hohe Stigmatisierung von psychisch kranken Personen. Und belastend findet sie, wie viele Menschen traumatisiert sind.

Momente im Freundeskreis geniessen, Reisen unternehmen, ein gutes Essen, Lesen und Konzertbesuche: Die ausgewogene Work-Life-Balance ist der 47-Jährigen ein Anliegen. Zudem spürt und schätzt sie bei der Arbeit ­ die grosse Unterstützung durch ihren Mann. Auch wenn sie die Luzerner Psychiatrie bereits Jahre kennt, sei sie noch dabei, richtig in ihrem neuen Tätigkeitsfeld anzukommen, erklärt Gabriel. Trotzdem sagt sie: «Ich finde die Aufgabe ja schon sensationell.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

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