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Bundesgericht: Kirchennutzung in Perlen durch Serbisch-Orthodoxe Kirche gestoppt

Das Bundesgericht heisst eine Beschwerde gut. Für die geplante Neunutzung der Katholischen Kirche durch die Serbisch-Orthodoxe Kirche bedeutet dies jetzt vorerst das Aus. Denn eine Nutzungsbewilligung ist an genügend Parkplätze gebunden.
Sandra Monika Ziegler
Aussenansicht der Kirche St. Joseph in Perlen. (Bild:Pius Amrein/22. August 2017)

Aussenansicht der Kirche St. Joseph in Perlen. (Bild:Pius Amrein/22. August 2017)

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche Luzern bemüht sich seit über drei Jahren um die Nutzung der leer stehenden Kirche St. Joseph in Perlen. Die katholische Kirchengemeinde hatte dem Verkauf des Gebäudes im Januar 2016 zugestimmt. Für die künftige Nutzung ist aber eine Bewilligung nötig und so reichte die Serbisch-Orthodoxe Kirche ein Baugesuch ein. Denn weil die Kirche überregional Gläubige anzieht, braucht es mehr Parkplätze und das Verkehrsaufkommen steigt.

Dazu musste ein Parkplatzkonzept erstellt werden. Gemäss Baugesuch sind auf dem Areal 25 Parkplätze mit Zufahrtsweg geplant. Dagegen erhob ein direkter Anwohner Einsprache. Das Kantonsgericht lehnte diese jedoch ab. Daraufhin zog der Beschwerdeführer das Urteil ans Bundesgericht weiter (wir berichteten).

Gottesdienste weiterhin in der Alten Dorfkirche

Mit dem gestern veröffentlichten Urteil der obersten Richter wurde der Entscheid des Luzerner Kantonsgerichts aufgehoben und damit das Baugesuch vom Januar 2017 abgewiesen. Ohne diese Parkplätze gibt es allerdings auch keine Bewilligung für die Nutzung durch die Serbisch-Orthodoxe Kirche. Damit bleibt die Kirche St. Joseph bis auf Weiteres ungenutzt.

Die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde hält ihre Gottesdienste wie bisher in der alten Dorfkirche in Buchrain. Für spezielle Anlässe mit grossem Andrang reicht sie dazu bei der Gemeinde jeweils ein Gesuch ein. Anzumerken ist hier, dass die Alte Dorfkirche zu klein ist für all die Kirchenbesucher und die knapp 400 Personen fassende Kirche St. Joseph von der Grösse her ideal gewesen wäre.

Entscheid stösst auf Unverständnis

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche kann den Gerichtsentscheid nicht verstehen. Dazu Goran Zekic, Sekretär der Glaubensgemeinschaft: «Wir müssen nun den Entscheid im Kirchenrat diskutieren und dann in einem weiteren Schritt mit der katholischen Kirche und dem Gemeinderat.»

Ähnlich die Reaktion bei der katholischen Kirchengemeinde Buchrain-Perlen. Sie war zwar nicht Partei, hat aber dennoch Kenntnis vom Urteil. Präsident Peter Kaufmann sagt: «Der Entscheid hilft niemandem. Es ist enttäuschend. Wir werden das weitere Vorgehen intern und extern beraten.» Ebenfalls nochmals über die Bücher geht auch der Buchrainer Gemeinderat, der die Baubewilligung erteilt hatte. «Wir werden den Entscheid analysieren», so Bauvorsteher Heinz Amstad (FDP).

Der Beschwerdeführer, der sich zum Urteil auf Anfrage nicht äussern will, machte in seiner Beschwerde geltend, dass mit dem «Erstellen der neuen Parkplätze die optische Wirkung der schützenswerten Bauten wesentlich beeinträchtigt werde.»

Innenansicht der Kirche St. Joseph in Perlen. Bild: Pius Amrein (22. August 2017)

Innenansicht der Kirche St. Joseph in Perlen. Bild: Pius Amrein (22. August 2017)

Das liess das Kantonsgericht nicht gelten. Nicht so das Bundesgericht. Es hob den Entscheid der Vorinstanz auf, weil ihres Erachtens eine «mögliche erhebliche Beeinträchtigung eines Inventarobjektes von nationaler Bedeutung vorliege».

Denn die Kirche mit angebautem Pfarrhaus und Pfarrsaal sind als schützenswerte Einzelbauten im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Massgebend ist die Nähe zum Förndlibach

Auch bemängelte die oberste Instanz, dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung im Gewässerraum nicht gegeben sind. Das Bauvorhaben war auf einem Grundstück, das an den Förndlibach grenzt, geplant. Die Gerichtskosten von 3000 Franken werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Zudem muss das Kantonsgericht, die bei ihrem Verfahren entstandenen Kosten, ebenfalls neu verteilen.

Hinweis Bundesgerichts-Entscheid vom 11. April 2019: 1C_217/2018.

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