BUNDESGERICHT: Leihmutter darf in der Schweiz bleiben

Eine Kolumbianerin, die durch künstliche Befruchtung ein Kind vom schweizerischen Ehemann ihrer Schwester empfangen hat, muss die Schweiz nicht verlassen. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Drucken
Teilen

Vor acht Jahren heiratete ein 64-jähriger Schweizer eine um 26 Jahre jüngere Kolumbianerin. Sie wurde später erleichtert eingebürgert. Da ihr Kindeswunsch unerfüllt blieb und eine Adoption wegen des hohen Alters des Ehemannes nicht mehr möglich war, beschloss das Paar zusammen mit der Schwester der Ehefrau, dass diese durch künstliche Befruchtung ein Kind vom Ehemann empfangen und alle in einer Familie leben sollten. Im März 2005 kam die künstlich gezeugte Tochter zur Welt. Der Schweizer anerkannte seine Vaterschaft, worauf das Kind den Schweizer Pass erhielt.

Luzerner Entscheid korrigiert
Als der Schweizer im Juli 2007 im Alter von 70 Jahren starb, verfügte das Amt für Migration des Kantons Luzern, dass die Leihmutter die Schweiz zu verlassen habe. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Luzerner Verwaltungsgericht ab. Anders hat nun das Bundesgericht entschieden. Zwar räumen die Lausanner Richter ein, dass der Leihmutter eine Rückkehr nach Kolumbien zumutbar wäre. Da sich alle Beteiligten allerdings nie etwas Nachteiliges zu Schulden kommen liessen und sich die kolumbianische Leihmutter bemüht, sich in der Schweiz zu integrieren, entschied das Bundesgericht, dass sie in der Schweiz bei ihrer Tochter bleiben darf.

«Nicht im öffentlichen Interesse»
Für das Bundesgericht war auch wesentlich, dass die Tochter der Kolumbianerin ein offenkundiges Interesse daran hat, in der Schweiz zu leben, um von den hiesigen Ausbildungsmöglichkeiten und allgemeinen Lebensbedingungen zu profitieren. Dazu zähle auch die bessere Sicherheitslage in der Schweiz im Vergleich zu Kolumbien. Als Schweizerin würde sie spätestens nach ihrer Volljährigkeit in die Schweiz zurückkehren können. Müsste sie die Schweiz verlassen, wäre bei einer solchen Rückkehr vermehrt mit Integrationsschwierigkeiten zu rechnen als wenn sie hier aufwachse. «Das liegt nicht im öffentlichen Interesse», hält das Bundesgericht fest.

(Urteil: 2C_693/2008 vom 2. Februar 2009)

ap