Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Er fügte einem Luzerner Fan einen Hörschaden zu: Bundesstrafgericht senkt Strafe gegen Ostschweizer Pyro-Werfer

Ein Ostschweizer fügte mit einer Petarde einem Luzerner bleibende Hörschäden zu. Nun verurteilt das Bundesstrafgericht den Pyro-Werfer zu einer Freiheitsstrafe von 30 statt 36 Monaten. Doch das ist ihm noch zu hart: Das Urteil wird weitergezogen.
Alexander von Däniken
In den ersten sieben Minuten des Spiels zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen im Februar 2016 warf der Ostschweizer Fan vier Pyrogegenstände auf das Spielfeld. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

In den ersten sieben Minuten des Spiels zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen im Februar 2016 warf der Ostschweizer Fan vier Pyrogegenstände auf das Spielfeld. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Längst hat sich dieser Fall vom Stadion in die Gerichtssäle verlagert. Nun fällt das Bundesstrafgericht zum zweiten Mal Urteil über einen Vorfall, der schon dreieinhalb Jahre zurückliegt. Ein Blick zurück: Der FC Luzern empfängt am 21. Februar 2016 den FC St. Gallen in der Swissporarena. Kurz nach Spielbeginn, zwischen 16.01 und 16.02 Uhr, zündet ein junger Mann aus Herisau zwei Rauchkörper und wirft sie aufs Spielfeld. Dann zündet er zwei Sprengkörper und wirft sie zwischen Strafraum und Seitenlinie des Spielfelds. Ein Böller entpuppt sich als Blindgänger, der andere explodiert – mit Folgen.

Ein Luzerner Matchbesucher zieht sich einen bleibenden Gehörschaden zu. Auf einem Ohr ist er seither fast taub, auch nach mehreren Operationen braucht er ein Hörgerät.

100 Kilo an Pyromaterial zu Hause

Am 7. März 2016 führt die Polizei beim Pyro-Werfer eine Hausdurchsuchung durch. Sie findet weitere pyrotechnische Gegenstände: 1651 Feuerwerks-, Rauch- und Nebelkörper mit einem Gesamtgewicht von rund 100 Kilogramm (wir berichteten).

Es folgte eine schweizweite Premiere: Erstmals ermittelte die Bundesanwaltschaft in einer Strafsache, die in einem Fussballstadion ihren Anfang nahm. Das Bundesstrafgericht sprach den Ostschweizer am 9. August 2017 wegen mehrfacher Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase, schwerer Körperverletzung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig. Das Gericht bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 18 unbedingt, den Rest bei einer Probezeit von drei Jahren. Nebst der Freiheitsstrafe erlegte das Bundesstrafgericht dem jungen Mann eine bedingte Geldstrafe von 9000 Franken sowie eine Busse von 700 Franken auf.

Der Ostschweizer und der Luzerner legten gegen das Urteil Beschwerde ein. Das Bundesgericht wies am 21. Februar 2019 die Beschwerde ans Bundesstrafgericht zurück. Dieses hat die Strafe für den Pyro-Werfer nun reduziert. Die Freiheitsstrafe beträgt jetzt noch 30 Monate, davon 18 bedingt während einer Probezeit von drei Jahren, und 12 Monate unbedingt. Die bedingte Geldstrafe beträgt jetzt noch 1500 Franken, die Busse 600 Franken.

Unrechtsbewusstsein Ausschlag für Reduktion

Entscheidend für die Strafmilderung ist die Einschätzung über das Unrechtsbewusstsein des Pyro-Werfers. Das Bundesstrafgericht hat dieses nämlich zuerst als eher neutral beurteilt. Das Bundesgericht als höchste Instanz teilte diese Auffassung nicht ganz: Weil der Pyro-Werfer zwar zugab, dass er mit dem Zünden der Sprengkörper widerrechtlich handelte, aber bestritt, dass der Hörschaden auf sein Verhalten zurückzuführen sei. Die Vorinstanz, also das Bundesstrafgericht, müsste das «beschränkt bestehende Unrechtsbewusstsein» strafmindernd berücksichtigen.

Das hat das Bundesstrafgericht mit Sitz in Bellinzona nun nachgeholt. Unabhängig davon schreiben die Richter in ihrem zweiten Urteil: «Der Beschuldigte hat seine Taten auf rücksichtslose und hinterhältige Art sowie im Wissen darum begangen, dass unbeteiligte Dritte geschädigt werden könnten.»

Wer nun denkt, die juristische Aufarbeitung des Pyro-Vorfalls sei mit dem zweiten Urteil des Bundesstrafgerichts beendet, irrt. Der Beschuldigte zieht das Urteil weiter. Seine Anwältin Manuela Schiller erklärt: «Mit dem unbedingten Anteil von 12 Monaten Freiheitsstrafe haben wir unser Minimalziel zwar erreicht. Aber das gesamte Strafmass ist unseres Erachtens noch zu hoch.»

Artan Sadiku, Rechtsanwalt des Opfers, nimmt das neuste Urteil und dessen Weiterzug zur Kenntnis: «Das ist das gute Recht des Beschuldigten.» Seinem Mandanten gehe es um den Seelenfrieden, der im Zusammenhang mit dem Pyro-Werfer und den strafrechtlichen Konsequenzen bereits hergestellt sei: «Die Gesundheit des Opfers und dessen Seelenfrieden sind nicht davon abhängig, ob der Pyro-Werfer eine Freiheitsstrafe von 3 oder 30 Monaten bekommt.»

Nun kümmert sich die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts um den Fall. Auch noch nicht rechtskräftig ist das Urteil des Luzerner Kantonsgerichts. Dieses entschied, dass die Swica für Taggelder und Hörgeräte des Opfers aufkommen muss.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.