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Kolumne

Burkaverbot: Mehr davon!

Einblicke – Ismail Osman, stv. Leiter des Regionalbundes der «Zentralschweiz am Sonntag», über verpasste bekleidungstechnische Regulierungsmöglichkeiten im Tessin.
Ismail Osman, Redaktor
Ismail Osman

Ismail Osman

Giorgio Ghiringhelli, der «Ajatollah» des Tessiner Burkaverbots, bekundet gemäss aktuellen Berichten immer noch Mühe damit, seine Idee eines Islamkritik-Awards zum Fliegen zu bringen. Dazu eine (sommerlich) heisse These: Das Burkaverbot, wie es heute im Tessin gelebt wird, ist schlicht nicht breit genug angedacht.

Schade, denn es wäre die Gelegenheit, um noch ein weiteres langjähriges Versäumnis in Sachen «akzeptable Bekleidung» zu korrigieren: Das weisse Kurzarm-Geschäftshemd. Dieses Leichentuch, unter das Sommer für Sommer Lokalpolitiker und Mitglieder des unteren Kaders gezwungen werden, gehört endlich verboten. Es ist die ideologische Flagge der Bürogummisten und die höchste Form von Modeverachtung und Männerunterdrückung. Die besten Jahre seines Lebens gezwungen zu sein, sich wie ein pummeliger Internatsschüler aus den 1950er-Jahren zu kleiden, ist ein unakzeptierbares Martyrium. Eines, das die Kurzarm-Geschäftshemdträger schweigend über sich ergehen lassen. Dies zu ignorieren, ist die Ursünde von Politik und PKZ.

Doch wie umgehen mit dieser optischen Provokation? Darf man den Kurzarm-Geschäftshemdträger zur eigenen Emanzipation zwingen, indem man seine Freiheit dieses symbolisch aufgeladene Kleidungsstück zu tragen beschneidet? Der Grundsatz muss lauten: «Die Freiheit eines Kurzarm-Geschäftshemdträgers hört dort auf, wo sich andere dadurch bedrängt oder verunsichert fühlen.» Das wäre dann natürlich überall ausserhalb des eigenen Schlafzimmers und auf Kostümpartys, wo man das weisse Kurzarm-Geschäftshemd «rein ironisch» trägt.

Ansonsten aber muss man ganz klar festhalten: Kurzarm-Geschäftshemden stellen eine Kampfansage an die Werte der Ästhetik dar, und sie degradieren Männer zu Objekten modischer Unbeholfenheit. Weisse Kurzarm-Geschäftshemden stecken Männer in ein Gefängnis aus Stoff (oftmals mit hohem Polyesteranteil) und wurzeln in einer fanatischen Auslegung von Geschäftsbekleidung, welche das weisse Kurzarm-Geschäftshemd als «einzig wahre» Sommeroption propagiert.

Ein Verbot ist denn auch Symbolpolitik im besten Sinn: Es lässt keinen Zweifel daran, dass die systematische modische Benachteiligung eines Geschlechts nicht zu Europa gehört. Solange der Westen jedoch das Scheinargument hinnimmt, das weisse Kurzarm-Geschäftshemd sei ein «praktisches Kleidungsstück», bleibt er auf verlorenem Posten.

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