BUS: So werden die VBL-Chauffeure geschult

Immer wieder beklagen sich Buspassagiere über einen ruppigen Fahrstil. Deshalb finden regelmässig begleitete Fahrten statt – auch unangemeldet.

Sandra Monika Ziegler
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Fahrbegleiter Ronald Brunner bespricht sich am Ende der Fahrt mit dem Chauffeur Sandro Grujanic. (Bild Nadia Schärli)

Fahrbegleiter Ronald Brunner bespricht sich am Ende der Fahrt mit dem Chauffeur Sandro Grujanic. (Bild Nadia Schärli)

Sandra Monika Ziegler

Ein Auto schneidet dem Bus den Weg ab, der Chauffeur muss abrupt bremsen. Solche Situation ereignen sich im Stadtverkehr regelmässig. Pro Jahr verletzen sich laut den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) rund 50 Personen, weil sie im Bus stürzen. Am vergangenen Dienstag ist gar eine 80-jährige Frau im Spital an ihren schweren Verletzungen gestorben (Ausgabe vom 12. März).

Damit sich die Passagiere im Bus wohl fühlen, wird der Fahrstil der Chauffeure regelmässig kontrolliert. Im Jahr finden um die 1500 Begleitfahrten statt. So wird jeder einzelne Chauffeur etwa vier bis sechs Mal begleitet. Meist sind solche Begleitungen angemeldet. Manchmal jedoch steigt der Vorgesetzte auch unangemeldet hinten im Bus ein, um die Sicht des Fahrgastes wahrnehmen zu können. «Der Fahrstil der Chauffeure ist entscheidend für das Komfortgefühl der Buspassagiere. Doch da sind die persönlichen Wahrnehmungen verschieden», sagt Ronald Brunner, einer von sieben Teamleitern im Fahrdienst, die für die Schulung, Betreuung und Begleitung von jeweils rund 50 Fahrern zuständig sind.

232 Haltestellen in einer Schicht

Wir sind bei einer Begleitfahrt auf der Linie 22 Richtung Inwil dabei. Eine Route mit 29 Haltestellen pro Richtung. Diese Strecke wird vom Chauffeur meist viermal hin und zurück gefahren. Brunner: «Das sind bei diesem Einsatz total 232 Haltestellen, da kann es schon mal vorkommen, dass mal eine fahrtechnisch nicht ‹sauber› angefahren wird.» Am Steuer ist der 28-jährige Sandro Grujanic. Er fährt über vier Jahre für die VBL.

Gestartet wird beim Bahnhof Luzern. Erste Haltestelle ist beim Schwanenplatz. «Das ist die meist frequentierte Haltestelle auf unserem Netz. Hier gilt es, diese ‹sanft› anzurollen. Es macht keinen grossen Sinn, über die Seebrücke stark zu beschleunigen, um nachher abrupt zu bremsen», sagt Brunner. Abruptes Bremsen, das immer wieder zu Reklamationen, manchmal gar zu Stürzen führt, könne aber nicht immer verhindert werden. Gründe dafür seien etwa Fussgänger, die gedankenlos auf die Strasse laufen, Velofahrer, die unvermittelt die Spur wechseln, oder auch Automobilisten, die dem Bus den Weg abschneiden.

Doch Grujanic macht es perfekt. Ist aufmerksam und vorausschauend. Es gibt nichts zu beanstanden. Bei den Fahrbegleitungen werden auch Sicherheit, Dienstleistungsverhalten oder die Einhaltung von Betriebsvorschriften bewertet. So wird auch beurteilt, wie der Fahrer mit den Passagieren umgeht, wie plan- und tarifsicher sein Wissen und wie seine Hilfsbereitschaft ist.

Hilfsbereitschaft vor Pünktlichkeit

Und prompt, in Inwil steigt eine Frau beim Chauffeur ein und will Auskunft über diverse Tarife, Routen und Anschlüsse. Die Auskunft zieht sich in die Länge, der Bus wird Verspätung haben. Brunner: «Das ist nicht zu ändern. Als Chauffeur bist du in erster Linie ein Dienstleister. Doch auf solch einer langen Strecke können wenige Minuten gut wieder eingeholt werden.»

Die Linie 22 nach Inwil ist eine Autobuslinie. Viele Chauffeure fahren nebst Autobussen auch Trolleybusse. Um einen Trolleybus zu fahren, bedarf es eines Führerausweises. Wer den hat, kann sich für die einmonatige Ausbildung bewerben. Brunner erklärt: «Diese Ausbildung erfolgt jeweils zu zweit. Da werden jeden Tag mit dem Fahrlehrer acht Stunden gefahren. Und zwar abwechselnd immer im Zweistundentakt. Wenn der eine fährt, schaut der andere zu.»

Von den 332 Fahrern der VBL sind rund 10 Prozent Frauen, die Tendenz ist steigend. Offene Stellen können schnell besetzt werden. Auch verdienen Männer wie Frauen gleich viel. Vom Alter her seien Fahrer von 25 bis maximal 67 Jahren beschäftigt.

Linie 24 ist die beliebteste

Hoch im Kurs bei den Chauffeuren ist die Linie 24 nach Meggen. «Die ist lang, abwechslungsreich, führt durch die Stadt und übers Land. Da kann ein Chauffeur schon ins Schwärmen kommen», weiss Ronald Brunner. Weniger beliebt sind die kurzen Linien wie etwa 10 und 11.