BUSFAHRPLAN: Die Linie 5 muss sich noch etablieren

Mit dem Fahrplanwechsel wurden Haltestellen verschoben, und neue Linien sind dazugekommen. Die VBL sprechen von einer geglückten Umstellung. Unsere Testfahrt zeigt aber, dass die Änderungen noch nicht bei allen angekommen sind.

Sandra Monika Ziegler
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Der neue 2er-Trolleybus beim Bahnhof Emmenbrücke.Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 12. Dezember 2016)

Der neue 2er-Trolleybus beim Bahnhof Emmenbrücke.Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 12. Dezember 2016)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und verlässt sich lieber auf Bekanntes, als Neues auszuprobieren. Dies war bei den ersten Fahrten mit der neuen Trolleybuslinie 5 offensichtlich. Bei unserer Testfahrt am Montagmorgen um 7.30 Uhr war der Bus mässig voll, beim Bellpark Kriens waren wir nur noch zu viert unterwegs. Die Route führt von der Krienser Busschleife bis zum Bushub Emmenbrücke beim Seetalplatz. Ab Pilatusplatz Richtung Kriens werden die gleichen Haltestellen bedient, wie sie die Linie 1 anfährt. In Richtung Emmenbrücke sind es die gleichen wie bei der Linie 2. Doch die Passagiere an diesen Haltestellen warteten lieber auf die Nummer 1 oder 2, statt in den neuen Fünfer einzusteigen.

Die meisten nehmen den gewohnten Bus

«Sicher ist sicher, den Bus kenne ich nicht, ich warte lieber auf den 1er», erklärt mir eine Frau an der Haltestelle Pilatusplatz und lässt den 5er durchfahren. Zwei andere Passagiere steigen ein und sagen: «Hier ist es warm, mal schauen, wo der hinfährt.»

Und wiederum andere Fahrgäste, die bereits eingestiegen sind, müssen erstaunt feststellen, dass der Bus beim Pilatusplatz nicht zum Bahnhof Luzern abzweigt, sondern seine Fahrt Richtung Kriens fortsetzt. «Obwohl es überall angeschrieben ist, erwarten trotzdem einige, dass wir den Bahnhof anfahren», sagt der Chauffeur. Am Sonntag habe ein Fahrgast gar darauf beharrt, weil seine App dies angezeigt habe. «Jede Änderung braucht seine Zeit. Das wird sich schon noch einpendeln», merkt er an.

Obwohl die Fahrplanänderungen seit Jahren Mitte Dezember stattfinden, gehen die meisten ihren gewohnten Weg – zumindest vorerst: «Fahrgäste müssen nur einmal eine Haltestelle oder einen Zug verpassen, dann merken sie sich die neuen Routen und Abfahrtszeiten», erklärt ein VBL-Mitarbeiter. So auch der Passagier, der am Pilatusplatz ungläubig in die Runde fragt: «Bahnhof, nein?» Er steigt dann beim Halt Moosegg aus, wechselt die Strassenseite und läuft zurück. Bei älteren Fahrgästen ist die Nummer 5 aber durchaus noch präsent. Denn diese Liniennummer war in der Stadt Luzern bereits einmal in Betrieb. Die Eröffnungsfahrt war am 7. Dezember 1941. Damals fuhr der Trolleybus von der Festhalle Allmend zum Bahnhof Luzern und ab 1951 weiter bis zum Wesemlin. Im Jahr 2005 wurde sie jedoch eingestellt. Warum die Linie 5 nun wieder eingeführt wurde, erklärt VBL-Mediensprecher Christian Bertschi: «Für die Krienser gibt es nun eine direkte Verbindung nach Emmen und eine schnelle Verbindung in die Altstadt. Zudem wird der Busbahnhof Luzern entlastet.»

Auch am neuen Bushub beim Seetalplatz der Station Bahnhof Emmenbrücke Süd zeigt sich bei den Fahrgästen vorerst eine gewisse Verunsicherung, als der 5er vorfährt. Sogleich peilen sie VBL-Mitarbeiter an und fragen, was es mit der neuen Linie auf sich hat. Immer wieder antworten diese: «Der fährt über den Pilatusplatz nach Kriens.» Und sollte es beim Bushub mal zu Verspätungen kommen, besteht die Möglichkeit, im Trockenen einen Kaffee zu trinken.

Verschobene Haltestellen sorgen für Ärger

Unzufrieden mit dem neuen Fahrplan sind aber Fahrgäste beim Luzernerhof, die in Richtung Seebrücke fahren wollen. Dort hat sich quasi über Nacht die Haltestelle der Linien 6 und 8 in Richtung Hofkirche verschoben. Die Schülerinnen Susanne und Paula warten dort auf die Nummer 6. Kaum nähert sich diese, gehts zwei Schritte vor zur Bordsteinkante, doch der Bus fährt vorbei. Susanne: «Das ist doch ein Scherz.» Erst als Paula die Haltestelle betrachtet, fällt ihr auf, dass dort nur noch die Buslinie 24 aufgeführt ist. «Besser anschreiben könnten die das ja schon.»

Laut Bertschi hat die VBL Informationsschwerpunkte beim Bahnhof Luzern und am Bushub beim Seetalplatz gesetzt. Alle anderen Änderungen seien über die sozialen Medien und via Onlinefahrplan ersichtlich. Bertschi zieht ein positives Fazit: «Bisher hat nur wenig zu Reklamationen geführt. Der Wechsel ist sehr gut gelaufen.»

Sandra Monika Ziegler
sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch