Bushof in Wolhusen: Behinderten-Organisationen kritisieren Baupläne

Nur eine der fünf Buskanten soll in Wolhusen behindertengerecht gebaut werden. Nun kämpft eine Fachstelle dagegen an.

Alexander von Däniken
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6 Zentimeter tönen im Vergleich zu 3,845 Millionen Franken nach wenig – für Betroffene ist die Zentimeterzahl aber entscheidend. An der Oktobersession hat der Luzerner Kantonsrat dem Millionenkredit für den Umbau des Bushofs Wolhusen mit 84 zu 26 Stimmen grünes Licht gegeben. Die SP stellte erfolglos einen Rückweisungsantrag. Sie bemängelte, «dass beim Bushof zu Lasten von Menschen mit einer Behinderung zu viele Einschränkungen gemacht werden», so die Reider SP-Kantonsrätin Isabella Schwegler-Thürig.

Konkret ist nur bei einer von fünf Buskanten eine Höhe von 22 Zentimetern vorgesehen, was ein ebenes Ein- und Aussteigen ermöglicht. Bei den anderen vier Buskanten ist eine Höhe von 16 Zentimetern geplant. Baudirektor Fabian Peter (FDP) verwies auf die engen Platzverhältnisse: «Nur bei dieser geringeren Höhe können die Busse schräg wegfahren.» Peter verwies allerdings auch auf eine Beschwerde der Schweizer Fachstelle für hindernisfreie Architektur: «Hier wird wohl ein Gericht entscheiden müssen.»

Kantonsgericht hat ähnliche Beschwerde schon abgewiesen

Der Regierungsrat und die Mehrheit des Kantonsrats dürften dabei auf das Argument der Verhältnismässigkeit hoffen. Denn nicht zum ersten Mal entscheidet im Kanton Luzern ein Gericht über die Höhe von Buskanten. 2018 hat das Kantonsgericht eine Beschwerde abgewiesen. Geplant war in Root eine neue Buskante mit einer Höhe von 22 Zentimetern – aber nur bei zwei Einstiegsbereichen, während die übrige Kante 16 Zentimeter hoch war. Das Gericht wies die Beschwerde mit Verweis auf die Verhältnismässigkeit ab. Eine durchgängige Höhe von 22 Zentimetern hätte Mehrkosten von rund 100 000 Franken verursacht. Die höheren «Kissen» seien aber das Minimum.

In einem offenen Brief an den Kantonsrat nimmt das Behindertenforum Zentralschweiz Stellung zu den Haltekanten in Wolhusen. Dass bei vier von fünf Buskanten der Ein- und Ausstieg für mobilitätseingeschränkte Personen unmöglich sei, «ist umso bedenklicher, als Wolhusen wichtige Umsteigefunktionen zum Spital, Richtung Ruswil, Schachen, Entlebuch, Willisau und Romoos gewährleisten muss».

Fachstelle: Mehr Platz sei durchaus vorhanden

Joe Manser ist Architekt und Geschäftsleitungsmitglied der Schweizer Fachstelle für hindernisfreie Architektur – also jener Stelle, welche die aktuelle Beschwerde eingereicht hat. Laut Manser ist vielerorts der Platz für höhere Buskanten durchaus vorhanden: 

«Allerdings mangelt es entweder an Geld, am guten Willen oder an beidem.»

So sei auch in Wolhusen eine Park&Ride-Anlage geplant; unabhängig von heutigen Trends sei dem ÖV aber die höchste Priorität einzuräumen: «Umsteigemöglichkeiten nützen kaum etwas, wenn man mit Kinderwagen, Einkaufswagen und Rollstühlen nicht einmal in den ÖV kommt.» Zwar kann sich Manser wegen des laufenden Verfahrens nicht konkreter zum Bushof Wolhusen äussern, das Minimalziel scheint aber wie in Root eine höhere Kante bei den Einstiegsbereichen zu sein.

Seitens Gemeinde Wolhusen wartet man nun das Gerichtsverfahren ab. Bis dahin schafft ein Provisorium Abhilfe.

15 Millionen Franken für neuen Bushub beim Bahnhof Wolhusen

Das Bahnhofgebiet in Wolhusen soll sicherer und für Autos, Busse und Langsamverkehr besser zugänglich werden. Die Luzerner Kantonsregierung beantragt zwei Sonderkredite über total 15 Millionen Franken, um eine Strasse, den Bushof und die Parkplatz-Anlage zu erneuern.

Behinderte blitzen vor Gericht ab

Eine Bushaltestelle in Root sollte so gebaut werden, dass Rollstuhlfahrer auf der ganzen Länge autonom einsteigen können. Diese Forderung einer Stiftung wurde vom Kantonsgericht aus Kostengründen allerdings abgelehnt.
Sandra Monika Ziegler