BUTTISHOLZ: «Eine besondere Heilige für eine spezielle Kapelle»

Die Wallfahrtskapelle St. Ottilien gilt als Juwel unter den Kapellen der Luzerner Landschaft. Viele Augenpaare schmücken das Innere.

Tamara Lipp
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Stiftungspräsident Isidor Stadelmann in der Wallfahrtskapelle St. Ottilien bei Buttisholz. (Bild Nadia Schärli)

Stiftungspräsident Isidor Stadelmann in der Wallfahrtskapelle St. Ottilien bei Buttisholz. (Bild Nadia Schärli)

Eine kleine, aber aussergewöhnliche Barockkapelle ziert den leicht erhöhten Hügel beim Weiler St. Ottilien, etwas ausserhalb des Dorfes Buttisholz. Die Besonderheit dieser Wallfahrtskapelle ist vor allem ihr Grundriss: «Vier Rechteckarme bilden um einen Achteckkern ein griechisches Kreuz – das sieht man in der Schweiz fast nirgends», sagt Isidor Stadelmann. Er ist seit gut 20 Jahren Stiftungspräsident der St.-Ottilien-Kapelle. Doch auch das Innere überrascht.

Im ersten Kreuzarm betritt man die Kapelle durch eine rundbogige Vorhalle. Die anderen drei Kreuzarme bilden Altarräume, welche mit schmiedeeisernen Gittern mit einer goldgefärbten Lilienbekrönung abgeschlossen sind. Stadelmann sieht einen möglichen Grund, wieso die Kapelle gerade der heiligen Ottilia geweiht wurde: «Der aussergewöhnliche Bau verlangte womöglich eine heilige Besonderheit.» Denn: «Ottilia wurde blind geboren. Mit der Taufe erlangt sie als junge Frau das Augenlicht.» Die Seitenwände der Kreuzarme sind daher mit auffallend vielen Augenpaaren geschmückt. Diese Votivtafeln sind Dankesbezeugungen an die heilige Ottilia. «Seit Jahrhunderten kommen Pilger an diesen Ort, um die Patronin des guten und gesunden Augenlichts aufzusuchen», sagt Stadelmann. Das sei auch heute noch so. «Heutzutage schreiben die Besucher ihre Sorgen und Bitten in das Anliegenbuch beim Eingang der Kapelle», sagt der ehemalige Gemeindeschreiber von Buttisholz.

Ein Zuhause auch für Fledermäuse

Menschen sind allerdings nicht die einzigen Besucher. Das schwungvolle dunkelrote Kupferdach bietet der Fledermausart Grosses Mausohr ein Zuhause. Diese Tiere sind nicht auf ihre Augen angewiesen. «Das ist daher sehr passend für diesen Ort», sagt Stadelmann. Momentan seien alle ausgeflogen, doch die Jungen kehren immer wieder zurück an ihren Geburtsort. Momentan ist das Dach in ein Gerüst gepackt. «Mit der Behebung des Hagelschadens wartete man bewusst, bis die Fledermäuse weg waren», erzählt Stadelmann.

Von Byzanz inspiriert

Gut 50 Personen haben Platz in der Kapelle mit einer Grundfläche von 16 auf 16 Metern und einer Bauhöhe von 24 Metern bis zur Turmspitze. Im rechten Kreuzarm der Kapelle steht eine spätgotische Holzstatue, die Ottilia als Ordensfrau zeigt. In den Händen hält sie ein Buch mit einem Augenpaar darauf. Das schlichte Gnadenbild ist etwa 200 Jahre älter als die Kapelle. «Beim Hochaltar ist die zentrale Statue der Ottilia. Als Äbtissin mit goldenem Gewand kommt sie dort etwas prunkvoller, barocker daher.» Oberhalb ist das Zur-Gilgen-Wappen des Architekten mit drei Lilien zu sehen. «Er hat sich mit seinem Emblem sehr prominent verewigen lassen», sagt Stadelmann.

Die Schlossherrschaft von Buttisholz betraute 1669 den Architekten zur Gilgen mit der Erneuerung des Ottilien-Heiligtums. Vorher gab es zwei Vorgängerkapellen. «Zur Gilgen war ein weit gereister Mann und liess sich vom byzantinischen Raum inspirieren», erzählt Isidor Stadelmann. So weist der oktogonale Zentralbau Züge einer typischen Taufkapelle aus dem Byzantinischen (Oströmischen) Reich auf. Das Gewölbe ist mit Rokokostuckaturen reich verziert.

Seit der Errichtung wurde die Kapelle mehrmals renoviert. Bei der jüngsten Renovation im Jahr 2011 wurden diese zierlichen Stuckaturen eingefärbt. «Nach aufwendigen Untersuchungen stellte man fest, dass die Stuckaturen ursprünglich farbig waren. Das bewiesen winzige Farbpartikel», sagt Stadelmann. Das Kleinheiligtum wurde 2011 wie auch 1985/86 unter dem Patronat der eidgenössischen und kantonalen Denkmalpflege innen und aussen stilgerecht restauriert. «Vor 1985/86 war die Kapelle ziemlich verkümmert», sagt Stadelmann, der damals Baukommissionspräsident war. Die grosszügigen Spenden bei den beiden Renovationen von rund 700 000 Franken hätten ihm bewiesen, dass die Kapelle mit der Bevölkerung verbunden sei, sagt Isidor Stadelmann. «Das schöne Heiligtum wird von vielen Leuten geschätzt. Es gilt als Juwel unter den Luzerner Kapellen.»

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