BUTTISHOLZ: Für «Seppi» sind halbe Sachen ein Tabu

Josef «Seppi» Bucheli stellt sein Wissen Schreinern in Myanmar zur ­Verfügung. Ohne «Vitamin B» ginge gar nichts, hat der 69-Jährige erfahren.

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Josef «Seppi» Bucheli (69) arbeitet häufig in Myanmar, doch momentan ist er zu Hause in Buttisholz. (Bild Nadia Schärli)

Josef «Seppi» Bucheli (69) arbeitet häufig in Myanmar, doch momentan ist er zu Hause in Buttisholz. (Bild Nadia Schärli)

Ob die Ausbildung zum Schreinermeister absolvierend oder während vieler Jahre als Fachlehrer an der Berufsschule Willisau arbeitend: Was Josef Bucheli anpackt, macht der 69-jährige Schaffer immer mit viel Herzblut und grosser Akribie. Unter dieser Affiche steht auch sein Wirken in Myanmar, im ehemaligen Burma. Dort stellt der pensionierte Experte im Schreinerfach seine Fähigkeiten erneut unter Beweis. Als freiwilliger Helfer für das Projekt Center of Vocational Training (CVT) im Einsatz, vermittelt er seine Kenntnisse einheimischen Berufsschullehrern und Lehrmeistern.

Ende Februar kehrte Josef Bucheli bereits zum vierten Mal aus Yangon (Rangun) in die Schweiz zurück. Im November fliegt er erneut hin. Für «Uncle Seppi» (Onkel Seppi) so wird er liebevoll von seinen Ansprechpartnern genannt – sind die Arbeitsbesuche Mal für Mal eine spezielle Herausforderung. Mittlerweile habe er es sogar geschafft, dass die Ordnung in der Berufsschulwerkstatt westlichen Standards genüge, sagt der Buttisholzer mit einem Schmunzeln.

Wenig Hilfe von der Regierung

Heute zählt das Berufsbildungszentrum in Myanmar 570 Lernende. Neben Möbelschreinern werden Metallbearbeiter, Elektriker, kaufmännische Angestellte sowie Hotel- und Gastronomieassistenten mittels dualer Berufslehre nach Schweizer Standard ausgebildet. Die Schule läuft unter burmesischer Leitung, unterstützt wird sie aus der Schweiz. Mit dem Projekt sollen weniger privilegierte Personen eine Ausbildung erhalten. «Damit bekommt die Wirtschaft die dringend benötigten Facharbeiter», sagt Bucheli. Ziel der Verantwortlichen ist es, ab 2016 für 1000 Lernende Ausbildungsplätze anzubieten.

Um diesen Plänen gerecht zu werden, braucht es auch ein neues Schulhaus. Das Grundstück stelle zwar die Regierung zur Verfügung, ansonsten sei deren ­Hilfe aber sehr klein, bedauert der Schreinerfachmann. Deshalb ist das CVT auf Geldquellen angewiesen. Neben den rund 800 Mitgliedern beteiligen sich auch Stiftungen finanziell am Projekt.

Weiter wird versucht, von den Lehrmeistern künftig 100 Dollar pro Lehrling und Jahr zu erhalten. Ob dieses Ansinnen auch gelingt, sei eher fraglich, glaubt Bucheli. Dabei steht für ihn ausser Frage: «Berufsleute sind in Myanmar gefragt.»

Reich werden kann der 69-Jährige mit diesem Projekt allerdings nicht. Bezahlt sind jeweils Flug und Unterkunft. Dazu bekommt er wöchentlich ein «Kostgeld» von 150 Franken. So ist es logisch, dass seine Motivation anderweitig gesucht werden muss. «Es ist wunderbar, mit den Leuten zusammenzuarbeiten. Sie saugen die Informationen richtiggehend auf», umreisst «Seppi» Bucheli seine Beweggründe zur Projektmitarbeit. Und die Fortschritte seien ebenfalls erkennbar.

Arbeitsabläufe (noch) zu langsam

Auch wenn er beispielsweise bei der Suche nach Rohmaterial oder irgendwelchem Zubehör zuerst den Satz «We not have» höre sie hätten dieses Produkt nicht –, erweise sich dies bei genauerem Blick meistens als nicht zutreffend. Diese Denkweise umzuprogrammieren, den lernbegierigen Men­schen zu einer gewissen Selbstständigkeit zu verhelfen: Darin sieht der rüstige Rentner eine seiner Aufgaben vor Ort. «Es ist wichtig, dass sich die Menschen in Myanmar für die Zukunft rüsten. Nicht importieren, sondern selber produzieren, soll das Ziel sein.» Bodenschätze wie Erdöl oder Gas seien vorhanden, jetzt gelte es, diese zu bewirtschaften. Dazu brauchten die Menschen aber das fachliche Rüstzeug.

Viele Arbeitsabläufe gingen aber noch zu langsam, weiss Bucheli. Zum Beispiel wenn das Herauslösen einer Kreissäge beim Zoll drei Monate dauert. «Vor allem in solchen Fällen ist es wichtig, die richtige Ansprechperson zu kennen.» Vieles passiere im sich langsam zur Demokratie hinbewegenden Myanmar «über gute Beziehungen».

Geduld auf die Probe gestellt

Und trotzdem: Nach wie vor investiert er viel Leidenschaft ins Projekt. Dafür nimmt er auch intensive 10- bis 12-stündige Arbeitstage in Kauf. Und das erst noch bei herausfordernden klimatischen und hygienischen Verhältnissen. Zeitweise nicht zur Verfügung stehende Mail- und Handyverbindungen stellen die Geduld zusätzlich auf die Probe.

Einmal lebten Josef und Marie-Theres Bucheli zwei Jahre im nepalesischen Kathmandu. Dort arbeitete der junge Schreinermeister für ein Hilfsprojekt. Dazu kommen Reisen nach Vietnam und Thailand. Bis heute ist bei den beiden das Interesse an fremden Ländern und Kulturen geblieben. Und obwohl es der 69-Jährige mittlerweile etwas ruhiger angehen kann Halbheiten sind für ihn auch im Pensionsalter ein Tabu.

ERNESTO PIAZZA

Hinweis

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.cvt-myanmar.org