BUTTISHOLZ: Sie ist auf der Suche nach Inseln der Ruhe

Judith Rickenbach macht mit ihrem Buch aufmerksam auf verborgene Kulturschätze. Der Soppensee etwa erlaubt ihr einen Blick in die Vergangenheit.

Ernesto Piazza
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Am Soppensee tankt Judith Rickenbach (54) Energie und befasst sich mit Archäologie. (Bild Dominik Wunderli)

Am Soppensee tankt Judith Rickenbach (54) Energie und befasst sich mit Archäologie. (Bild Dominik Wunderli)

Warme Sonnenstrahlen reflektieren auf dem Wasser. Noch trägt der Soppensee einige kleine Eisschollen. Sie sind gerade so dick, um die beiden sich darauf befindenden Enten zu tragen. Das Ambiente ist so schön, dass es schon fast wieder kitschig wirkt. Der kleine, zwischen Buholz und Buttisholz gelegene See vermittelt noch die oft zitierte Ruhe, welche uns in die Momente der Stille abgleiten lässt.

Soppensee, ein vielfältiges Archiv

In ihrem neusten Buch «Der Stille lauschen» gibt die Stadtluzernerin Judith Rickenbach (54) einen Einblick in die noch wenig bekannte regionale Natur und ihre Kulturschätze. «Kein Mensch würde vermuten, dass der idyllische Soppensee ein eigentlicher Hotspot für die Erforschung unserer Klima- und Vegetationsgeschichte ist», sagt die Autorin.

Neben dem Soppensee beschreibt Rickenbach 88 weitere Inseln der Ruhe im Luzernischen. Dabei handelt es sich um eine an speziellen Orten festgemachte Kulturgeschichte unserer Region.

Der Soppensee gilt daher als Klima- und Bodenarchiv. Auf seinem Grund lagern sich jedes Jahr schichtweise Feststoffe ab – im Sommer helle, im Winter dunkle. Dadurch entstehen etwa einen Millimeter dicke Jahreslagen – auch Warven genannt. Aus den darin eingeschlossenen Pflanzenpollen lassen sich Informationen über die Klimageschichte ableiten. «Die dem Seeboden entnommenen Bohrkerne erlauben uns einen Einblick in die Entwicklung der Pflanzenwelt seit dem Abschmelzen des Gletschereises», sagt Judith Rickenbach.

Ehemann ist Kantonsarchäologe

Und wenn man die Buchautorin so erzählen hört, wird deutlich: Noch immer befasst sich die Archäologin mit Begebenheiten längst vergangener Tage. Bereits während ihres Studiums wirkte sie bei Ausgrabungen in Sizilien, Nordafrika oder der Schweiz mit. Als es um die Entdeckung von Alt-Eschenbach ging, dieses in der Nähe des Dorfes Inwil gelegenen Platzes, begegnete sie auch dem heutigen Luzerner Kantonsarchäologen und Ehemann Jürg Manser. Ihr Beruf führte sie zudem oft in Mittelmeerländer. Geplant war auch ein mehrjähriger Aufenthalt für Ausgrabungen in Syrien. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Der Grund: Judith Rickenbach ging nach Zürich ans Museum Rietberg. Von 1988 bis 2010 arbeitete sie dort als Kuratorin der Abteilungen Amerika, Orient und Schweizer Masken, plante und realisierte in dieser Funktion Ausstellungen. Und die Events waren immer mit publizistischer Arbeit verbunden.

Einen Traum verwirklicht

2007 gründete sie ihren eigenen Verlag kauf+lies. «Ich brauchte eine neue Herausforderung», erinnert sich Judith Rickenbach. Der Gedanke, künftig vor allem als Autorin zu wirken, hatte sie bereits seit geraumer Zeit beschäftigt. Wobei sie aber auch sagt: «Nur vom Bücherschreiben kann ich nicht leben.» Deshalb ist sie dankbar dafür, dass der Ehemann ihr die Chance eröffnete, ihren Traum zu leben. Und dadurch, dass sie mit dem Werk «Zeitspuren» bereits ein weiteres Buch publiziert hat, stieg auch ihr Bekanntheitsgrad. «Die Suche nach Sponsorengeldern gestaltet sich so einfacher», weiss die Stadtluzernerin.

Erneut wirft Judith Rickenbach einen Blick auf den Soppensee. «Er sieht so unscheinbar aus», sagt sie. «Dabei beinhaltet das Gewässer kulturgeschichtlich viele spannende Begebenheiten.» Solche Plätze seien ein Geschenk. Hier könne man Energie tanken und durchatmen.

Ein letztes Mal gleitet ihr Blick über das Wasser. Mittlerweile erreicht die tief stehende Sonne die Seeoberfläche nicht mehr. Dies ist auch für die beiden Enten das Zeichen zum Aufbruch. Langsam, aber bestimmt marschieren sie auf dem dünnen Eis weiter. Um schliesslich bald den Blicken zu entschwinden.

Hinweis

«Der Stille lauschen» von Judith Rickenbach. ISBN 978-3-9523448-2-8. Das Buch kostet 49 Franken und kann sowohl beim Verlag kauf+lies als auch im Buchhandel bezogen werden.