Buttisholz soll das Luzerner Corona-Epizentrum sein – das steckt hinter den Gerüchten

Ein Kirchenchor, ein Virus und viele Gerüchte: Buttisholz soll das Corona-Epizentrum im Kanton Luzern sein, wird kolportiert. Die Verantwortlichen klären auf.

Alexander von Däniken
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Der Kirchenchor Buttisholz soll von einer Reise ins Elsass das Coronavirus in den Kanton geschleppt haben; nun sei das halbe Dorf in Quarantäne und die ganze Gemeinde abgeriegelt. In diese Richtung gehen Gerüchte, welche auch unsere Zeitung erreicht haben. Was ist dran?

Im Zentrum hartnäckiger Gerüchte: Buttisholz.

Im Zentrum hartnäckiger Gerüchte: Buttisholz.

Bild: Boris Bürgisser (18. November 2019)

Einer, der es wissen muss, ist Peter Fuchs. Er leitet die örtliche Kommission Bevölkerungsschutz. «Es gab mehrere positiv getestete Chormitglieder. Vermutet wird, dass ein Mitglied die anderen bei einer Chorprobe vor etwa drei Wochen angesteckt hat», sagt Fuchs. Der vermutliche Erstinfizierte habe vorbildlich reagiert, indem er die anderen Chormitglieder rasch informiert und sich isoliert habe. Das hätten dann auch die übrigen Chormitglieder getan. Gemeindepräsident Franz Zemp bestätigt: «Alle Betroffenen haben vorbildlich reagiert.»

«Dorf ist nicht in Quarantäne»

Eine Chorreise ins Elsass hat es dieses Jahr laut Kirchenchorpräsident Niklaus Späni nicht gegeben. Ob ein Mitglied in der fraglichen Zeit im Elsass gewesen ist, entzieht sich seinen Kenntnissen. Peter Fuchs ergänzt: «Dass die halbe Dorfbevölkerung in Quarantäne ist und die Gemeinde abgeriegelt wurde, ist nicht wahr.» Fuchs kennt die Gerüchte. Er bittet aber auch um Verständnis, wenn nicht alle Details mit Sicherheit bestätigt oder dementiert werden können. Wie es zum Beispiel den Chormitgliedern geht, wird von Ärzten und Spitälern mit Verweis auf das Arztgeheimnis nicht kommuniziert. Und wo sich wer wie anstecke, sei generell schwierig zu eruieren.

Kantonsarzt Roger Harstall sagt:

«Gemäss unserem Informationsstand wurden insgesamt 12 Personen, die in Buttisholz wohnhaft sind, positiv getestet.»

Dies entspreche auch dem Meldestand im Informationssystem Meldungen (ISM) des Bundes. Der Kanton sei darüber informiert, dass es zu einer Übertragung innerhalb des Chores gekommen sein könnte. Ein epidemiologischer Zusammenhang aller positiven Fälle, die bei Einwohnerinnen und Einwohnern von Buttisholz aufgetreten sind, ist laut Harstall aufgrund des Zeitraumes, in dem die Personen getestet wurden, nicht offensichtlich. «Von einem Hotspot Buttisholz zu sprechen, wäre verfehlt», stellt der Kantonsarzt klar.

Die Fälle seien über den ganzen Kanton Luzern verteilt. Es gebe einige Gemeinden, in denen mehrere Fälle aufgetreten sind. Es gebe sogar Gemeinden, die mehr Fälle haben als Buttisholz. «Der Kanton hat keine Quarantäne über die Gemeinde Buttisholz oder Teile der Gemeinde verhängt», sagt der Kantonsarzt. Zu weiteren allfälligen Gerüchten zum Thema Corona äusserte sich der Kantonsarzt nicht.

Trotzdem nehmen Kommission und Gemeinderat den Bevölkerungsschutz ernst. Laut Fuchs seien die Ansteckungen im Chor schon früh in der Kommission thematisiert worden. «Wir haben regen Austausch mit unseren Institutionen und informieren via Mail auch in der Schule sowie via Website, digitalem Dorfplatz (einer Vernetzungsplattform) sowie Lokalpresse, Flyer und Plakaten die Bevölkerung.»

Massnahmen gewissenhaft umgesetzt

Die Gemeinde Buttisholz teilte zum Beispiel am 24. März mit, dass es in Buttisholz rund zwei Dutzend Betroffene gebe. Eine aktive Kommunikation, zum Beispiel an die Nachbargemeinden, habe es bereits schon früh gegeben: «Trotzdem müssen die Massnahmen des Bundes strikte eingehalten werden.»

Apropos Massnahmen: Laut Fuchs haben die frühen Infektionen im Chor dazu geführt, dass die Buttisholzer Bevölkerung die Massnahmen besonders gewissenhaft umsetze. Generell findet er auch die Arbeit von Bund und Kanton «sensationell»; alle nötigen Informationen seien rasch vorhanden, bei Bedarf gäben die Fachleute von Kanton und Bund kompetent Auskunft.

Dass trotzdem Gerüchte entstehen, ist wohl auch der aussergewöhnlichen Situation geschuldet. So glaubten zum Beispiel einige, bei der Eröffnung des Drive-In-Testcenters in Willisau hat es sich um einen Aprilscherz gehandelt. Auflösung: Das Testcenter gibt es wirklich.