Abstimmung

Würzenbach: Alterswohnungen sollen 2024 fertig sein

Das Ja zur Umzonung Würzenbachmatte sorgt für Erleichterung bei der Reformierten Kirchgemeinde der Stadt Luzern. Doch die Linken bleiben kritisch.

Robert Knobel
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Das Areal Würzenbachmatte (Mitte-Rechts im Bild) darf neu überbaut werden.

Das Areal Würzenbachmatte (Mitte-Rechts im Bild) darf neu überbaut werden.

Nadia Schaerli / Luzerner Zeitung

Die Umzonung der Würzenbachmatte war derart umstritten, dass sie nicht ins Gesamtpaket der BZO-Revision (siehe Kasten am Ende dieses Textes) gepackt wurde. Vielmehr mussten die Stadtluzerner Stimmberechtigten separat über diese Frage abstimmen. Das Resultat ist nun mit 63 Prozent Ja überraschend deutlich: Sämtliche Quartiere befürworteten die Umzonung. Damit wird der Weg frei für die geplanten Alterswohnungen der Reformierten Kirchgemeinde auf dem Areal Würzenbachmatte.

Am höchsten war der Ja-Anteil im direkt betroffenen Quartier Würzenbach mit 79 Prozent. Für die Stadtluzerner Baudirektorin Manuela Jost (GLP) ist das erfreulich:

«Es zeigt, dass dies der richtige Volksentscheid fürs Würzenbach ist.»

Zur Erinnerung: Die geplanten Alterswohnungen auf dem Grundstück der Reformierten Kirchgemeinde gehen zu einem grossen Teil auf eine Initiative aus dem Quartier zurück und entsprechen einem viel geäusserten Wunsch der dortigen Bevölkerung. (Mehr zum Projekt Alterswohnungen finden Sie hier)

Früher befand sich auf dem Areal der Reformierten Kirchgemeinde die Post Würzenbach. Das Gebäude soll nun abgerissen werden.

Früher befand sich auf dem Areal der Reformierten Kirchgemeinde die Post Würzenbach. Das Gebäude soll nun abgerissen werden.

Nadia Schärli

Stadtrat liebäugelt weiter mit Genossenschafts-Pflicht

Die Gegner der Umzonung (SP und Grüne) waren zwar nicht gegen Alterswohnungen. Doch sie wollten, dass die Wohnungen von einer Wohnbaugenossenschaft erstellt werden. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Wohnungen bezahlbar bleiben. Auch der Stadtrat wollte die Reformierten ursprünglich zu einer Genossenschafts-Überbauung verpflichten. Nach einer Beschwerde der Kirchgemeinde liess er das Vorhaben aber fallen. Als Kompromiss gilt nun, dass die Wohnungen mindestens 10 Prozent günstiger sein müssen als im Quartier-Durchschnitt. Dieser Kompromiss wurde nun von der Bevölkerung deutlich gestützt. Lässt der Stadtrat somit in Zukunft die Finger von einer Gemeinnützigkeits-Pflicht in der BZO? Nein, wie Manuela Jost sagt:

Baudirektorin Manuela Jost

Baudirektorin Manuela Jost

Pd / Luzerner Zeitung
«Bei künftigen Umzonungsanträgen wird weiterhin geprüft, inwiefern gemeinnütziger Wohnungsbau gefordert werden soll.»

Denn die Umsetzung der Wohnraum-Initiative erfordere nun einmal eine deutliche Erhöhung des Anteils an Genossenschaftswohnungen in der Stadt.

Enttäuschung herrscht bei den Gegnern. Nicht einmal in den linken Quartieren der Innenstadt fand ihre Forderung, die Umzonung Würzenbachmatte abzulehnen, eine Mehrheit. Es sei offenbar nicht gelungen, den wichtigen Unterschied zwischen «preisgünstig» und «gemeinnützig» zu erklären, schreibt die SP. Die Grünen beklagen ebenfalls, dass die Mieten der Alterswohnungen nun den Schwankungen des freien Marktes ausgesetzt bleiben. SP-Co-Präsident Yannick Gauch sagt:

«Wir nehmen die Reformierte Kirche beim Wort und werden das Versprechen nach günstigem Wohnraum mit aller Deutlichkeit einfordern.»

Bei den Reformierten nimmt man diesen Druck gelassen. Marlene Odermatt, Präsidentin der Kirchgemeinde, sagt:

Marlene Odermatt, Präsidentin Reformierte Kirche Luzern.

Marlene Odermatt, Präsidentin Reformierte Kirche Luzern.

Lz / Boris Bürgisser
«Wir haben versprochen, preisgünstige Wohnungen anzubieten. Würden wir dies nicht einhalten, würden wir unserem Ruf schaden.»

Eine Kooperation mit einer Baugenossenschaft sei daher nicht nötig und hätte die Planungen verkompliziert und verlängert – was gar nicht im Sinne der Reformierten Kirchgemeinde wäre: «Wir wollen jetzt zügig vorwärts machen», sagt Odermatt. Ziel sei, die Wohnungen 2024 zu eröffnen.

BZO-Revision: Grünes Licht für LUKB & Co

Wie erwartet nimmt die Teil­revision der Bau- und Zonen­ordnung (BZO) locker die Hürde der Volks­abstimmung mit 76 Prozent Ja. Damit wird der Weg frei für wichtige Bauprojekte in der Stadt (siehe Grafik unten). Dazu gehört der Ausbau des LUKB-Hauptsitzes an der Pilatusstrasse. Dieser soll um 7 Meter aufgestockt werden. Die Kantonalbank wird jetzt einen Projektwettbewerb starten. Die Realisierung sei «mittelfristig» geplant, wie die Bank mitteilt. Freuen darf sich auch die CSS-Versicherung, die ebenfalls ihren Hauptsitz an der Tribschenstrasse ausbauen kann. Gleiches gilt für die Schweizerische Hotelfachschule, die das baufällige Studentenheim an der Haldenstrasse abreissen darf, um dort einen Neubau zu realisieren.

Jetzt ist der Luzerner Regierungsrat am Ball

Bevor die revidierte BZO in Kraft treten kann, muss sie noch vom Luzerner Regierungsrat bestätigt werden. Dies wird im Laufe des nächsten Jahres der Fall sein. Verzögerungen könnte es allerdings noch durch Einsprachen geben. Tatsächlich gab es Beschwerden gegen die geplanten Änderungen – etwa gegen die Umnutzung des Konservatoriums Dreilinden zu einem Kunstzentrum. Die Einsprachen wurden zwar vom Stadtrat abgewiesen. Nun könnten sie aber an die Regierung und ans Kantonsgericht weitergezogen werden.

Schon 2024 soll die BZO erneut geändert werden

Die nächste BZO-Revision steht bereits vor der Tür: Es geht um die Zusammenführung der immer noch getrennten Bau- und Zonenordnungen von Luzern und Littau. Der Zusammenschluss soll 2024 erfolgen und erfordert eine Harmonisierung und Anpassung von zahlreichen Bestimmungen in beiden Stadtteilen. (rk)

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