CAMPING: Jetzt heisst’s: Vorsicht mit Gas

Ein Vorfall im Sonnenbergtunnel wirft Fragen auf: Welche Gefahren drohen im Umgang mit Gasen? Das beschäftigt auch die Betreiber von Campingplätzen. Angst ist nicht angebracht – aber etwas Vorsicht.

Manuel Burkhard
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Auf TCS-Campingplätzen, wie hier in Sempach, müssen Gasflaschen in Wohnmobilen kontrolliert werden. (Bild: Pius Amrein (7. Juni 2017))

Auf TCS-Campingplätzen, wie hier in Sempach, müssen Gasflaschen in Wohnmobilen kontrolliert werden. (Bild: Pius Amrein (7. Juni 2017))

Manuel Burkhard

kanton@luzernerzeitung.ch

Die Gasflasche im Kofferraum leckte, Kohlendioxid strömte ins Innere des Autos. Das CO2 betäubte die vierköpfige Familie, die mit ihrem Auto stehen blieb – glücklicherweise unverletzt. Der Vorfall ereignete sich am 29. April im Sonnenbergtunnel und sorgte für Aufsehen (wir berichteten). Die genauen Hintergründe sind unklar, die Ermittlungen dauern noch an. Der Vorfall zeigt: Gas birgt Risiken. Aber wie gross sind sie wirklich?

Bei der Luzerner Polizei hat man keine Kenntnis von ähnlichen Zwischenfällen. Aber Vorfälle mit Gas sind keine Seltenheit. Diese betreffen jedoch fast ausschliesslich brennbare Flüssiggase (LPG) wie Butan und Propan. Die Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherungen verzeichnete zwischen 2006 und 2015 im Durchschnitt 35 Freizeitunfälle mit Gas pro Jahr. In vier Fällen kamen dabei Menschen ums Leben.

Weniger Risiko bei neuen Flaschen

Trotzdem sind Experten der Meinung, dass Gas ein sehr sicherer Energieträger sei. Nils König, Leiter Arbeitssicherheit beim Schweizerischen Verein für Schweisstechnik und Mitglied im Arbeitskreis LPG, sagt: «Im Verhältnis zur weitverbreiteten Verwendung passieren sehr wenig Unfälle mit Gas.» Das läge an den strengen Sicherheitsvorkehrungen. Alle neuen Gasflaschen sind mit einem Siegel versehen, das bei einem Schaden am Ventil den Austritt von Gas selbst verhindert. Als er vom Fall im Sonnenbergtunnel hörte, war sein erster Gedanke: «Es handelte sich wohl nicht um eine neue Gasflasche.»

Trotzdem, betont König, sei Gas mit Umsicht zu behandeln. So sollte es nicht in geschlossenen Räumen gelagert werden, und beim Gastransport ist das Fahrzeug zu belüften. Denn: Handelsübliche Gase – das gilt für brennbare Flüssiggase ebenso wie für Kohlendioxid – sind erst gefährlich, wenn sie sich konzentrieren. Stetige Frischluftzufuhr bannt dieses Risiko.

Auch beim Touring-Club Schweiz (TCS) liess der Vorfall im Sonnenberg aufhorchen. Pressesprecher David Venetz sagt: «Uns ist kein ähnlicher Fall bekannt.» Trotzdem ist das Thema Gas für den TCS, der in der Schweiz 24 Campingplätze betreibt, derzeit wieder aktuell: In Wohnwagen und -mobilen werden Butan und Propan als Brennstoff eingesetzt. Hier setzt der TCS, der ebenfalls im Arbeitskreis LPG mitarbeitet, an: Jeden Frühling führt er eine Sensibilisierungskampagne durch. Ausserdem beschäftigt er Experten, die in den technischen Zentren und direkt auf Campingplätzen Kontrollen der Gasinstallationen durchführen. Venetz: «Wir führen jährlich rund 1250 Kontrollen durch, Tendenz steigend.» Solche Kontrollen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben. Auf den TCS-Campingplätzen dürfen jedoch nur Fahrzeuge abgestellt werden, die überprüft wurden. «Im Ausland sind solche Kontrollen teilweise obligatorisch. Wir nähern uns also dem internationalen Standard an.»

Weniger strenge Regeln herrschen beim Camping- und Caravanning-Club Luzern, der die Campingplätze Lido und Giswil betreibt. Er verlangt von den Campern, die Dauerplätze belegen, alle fünf Jahre eine fachmännische Kontrolle der Gas­installationen. Präsident Walter Simmen sagt: «Diese Kontrollen funktionieren nur bei Dauergästen. Wir können nicht jeden kontrollieren, der kurz auf dem Platz steht. Wir wollen auch nicht unbedingt Polizei spielen.» Folglich sind zurzeit keine weiteren Massnahmen geplant.

Klar ist: Auch wer nicht kontrolliert wird, sollte die Sicherheitshinweise einhalten. Denn einen Gasschlauch zu überprüfen, verursacht weniger Aufwand als ein brennender Wagen.