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CAMPING: Schnupperstift in einer Freiluftstube mit Seesicht

Manager einer Ferienrepublik – Christian Koch vom Surseer Camping Waldheim hat sich einen Traum verwirklicht. Unsere Reporterin weiss nun, wieso.
Einmal Salat, einmal Pizza Hawaii: Reporterin Evelyne Fischer bringt Hennie Kunstman und Roelof Braam das Znacht vorbei. Das holländische Paar war heuer bereits zum 12. Mal auf dem Camping Waldheim in Sursee zu Gast. (Bild Roger Grütter)

Einmal Salat, einmal Pizza Hawaii: Reporterin Evelyne Fischer bringt Hennie Kunstman und Roelof Braam das Znacht vorbei. Das holländische Paar war heuer bereits zum 12. Mal auf dem Camping Waldheim in Sursee zu Gast. (Bild Roger Grütter)

Evelyne Fischer

Mit diesem Stellenbeschrieb hatten sie Fischer schnell an der Angel: Gesucht war ein Schnupperstift für einen Sommerjob. Geboten wurde eine Freiluftstube mit Rasenteppich. Klar, meldete ich mich zum Dienst.

Es ist Samstag, 14 Uhr, die Schranke zum Camping Waldheim in Sursee geht hoch. Sobald die Camper wieder einrollen dürfen, ist der Chef nicht weit: Christian Koch. 49, weisses Poloshirt, karierte Bermudas, Turnschuhe mit neongelben Schnürsenkeln. Koch wacht über 17 000 Quadratmeter. Gut zwei Fussballfelder gross ist sein Camping. Dieser umfasst 75 Saisonplätze und eine Wiese, die rund 20 Campern eine Herberge auf Zeit bietet. «Nicht zuletzt für die Moral brauchts beides: ruhige Stammgäste und wechselnde Tagestouristen.»

Im Wygässli geht die Post ab

Koch trat 2008 in die Fussstapfen seiner Mutter Germaine Koch-Brodard, wurde vom Buchhalter zum Bürgermeister einer Ferienrepublik. Ein Stück Swiss Miniature am Mauensee – denn auf den ersten Blick ist hier alles klein: der Sitzplatz unter den Vordächern. Die Fensterchen der Wohnwagen. Der Abstand zum Nachbarn.

Wehende Fahnen verraten: Die meisten Bewohner stammen aus der Schweiz. Dann folgen Holländer, Deutsche, Belgier und Engländer. Darunter jenes Paar, das gerade im blauen Hippie-Bus angereist ist. «Ich mag ihren Humor», sagt Koch über die Briten. Bei den Holländern wiederum vergeht ihm manchmal das Lachen. «Die schauen oft sehr aufs Geld.» Koch führt mich durch die Wohnwagenviertel. Langstrasse, Sumpfweid, Wygässli. «Wenn nach Mitternacht noch etwas läuft, dann hier.» Man glaubt es ihm aufs Wort. Holzrugeli liegen bereit, Stecken sind angespitzt. Heute gibts Cervelats über dem offenen Feuer. Grillchef: Paul Stocker (62) aus Aesch. Zu Hause im Seetal giesst er einige Grünpflanzen. Auch vor seinem chaletähnlichen Wagen «Sunneschiin» hat er Blumenkistli um Blumenkistli bepflanzt.

Sie residieren – wir marschieren

Kein Campinggast ohne Geschichte, kein Schritt ohne wachsamen Blick. Damit andere zufrieden residieren, müssen wir marschieren. Auf unserer Runde lesen wir Fötzeli auf, kontrollieren das WC-Papier, beantworten dazwischen Reservationsanfragen, klauben später 50-Rappen-Stücke aus dem Duschkässeli, lotsen Belgier auf den Platz. «Please fill in» heisst es für die Neuangekommenen danach im Shop. Wir brauchen Name, Datum, Unterschrift, bestellen auf Wunsch Gipfeli für den nächsten Tag. Sie erhalten die Quittung, einen Güselsack und eine Postkarte mit den wichtigsten Spielregeln. «Dem Haussegen zuliebe», sagt Koch. Kein Glasentsorgen um Mitternacht. Kein Motorenlärm vor 7 Uhr in der Früh.

Kreisel auf Englisch?

Kurz und bündig verläuft die Anmeldung. Mit gutem Grund. «Nach x Stunden Fahrt und Stau will der Gast nur noch eines: ankommen», sagt Koch. Daher die Geduld nicht noch mit langer Parkiererei strapazieren, sondern Strom sicherstellen, nächste Einkaufsmöglichkeiten aufzeigen («turn to the left on the first roundabout, take the second exit on the next one»). Heute frische ich Franz und Englisch tüchtig auf. «Ça fait 32.50 francs, s’il vous plaît», lasse ich drei Belgierinnen wissen, die Glace und Getränke auf dem Tresen aufreihen. Sie strecken mir Euroscheine entgegen. Gewechselt wird 1:1. Koch spürt die Frankenstärke. «Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen wir 5 Prozent weniger ausländische Touristen. Zusätzliche Schweizer Gäste halten die Übernachtungszahlen stabil.» Deren 3500 zählt der Camping Waldheim jährlich. Acht von zehn Gästen bleiben nur eine Nacht.

Balanceakt mit dem Serviertablett

Das Einkassieren erinnert an frühere Ferienjobs, das Servieren am Stammtisch an Einsätze bei Wurst-und-Brot-Festen. Jetzt bloss kein Misstritt, denke ich, ein Tablett mit vier vollen Weingläsern und Bierflaschen balancierend. In der Luft liegt mittlerweile der Geruch von Grilliertem. Wo nicht Würste brutzeln, kommt der Pizzakurier zum Zug. «Hallo, hier ist Evelyne vom Camping. Einmal Pizza Quattro Stagioni mit Pommes und Chicken Nuggets bitte, einmal Pizza Hawaii mit Salat.» Letzteres haben Roelof Braam (68) und Hennie Kunstman (60) bestellt. Das Paar aus Holland ist zum zwölften Mal hier, gönnt sich eine Nacht Pause, bevor es für drei Wochen nach Locarno geht. «Guten Appetit» wünsche ich und ziehe mit einem Lächeln vondannen. Eine der ersten Lektionen, die mir Koch erteilt hat: «Ein Holzpflock hat auf dem Camping nichts verloren. Hier musst du Dienstleister sein.»

Probecamper und fromme Gäste

Auf dem Touristenplatz reiht sich nun ein Wohnwagen an den anderen. Auch ein Zeltdorf nimmt Formen an. Hier die Familie mit LU-Autokennzeichen, die eine Nacht zum Testcampen bleibt. Da das Mini-Zelt von Melissa Saner, einer 21-jährigen Jurassierin, die von Basel nach Chiasso wandert. Vor ihr: ein junges Paar. Dieses will tags darauf in die Kirche («everything but catholic»). Gott sei Dank weiss Google Rat.

Zurück im Shop checkt Koch mit Lebenspartnerin Alexandra Scheiwiller, wer später noch anreisen wird. Fürs Private bleibt während der Saison wenig Platz. «In der schönsten Zeit des Jahres sind wir gebunden.» Den Sommer holen sie im November in den Emiraten nach. Dann folgen Tage, an denen er keinen Wecker mehr stellt, Steuersachen erledigt und entscheidet, wer ab April 2016 wieder eine Saison lang zu Gast ist. «Wer heuer kaum vor Ort ist, wartet vergebens auf einen Vertrag. Ich will keinen toten Platz.» Denn wie er soll dereinst auch seine zweieinhalbjährige Tochter Angela schwärmen, «auf dem grössten Spielplatz aufgewachsen zu sein, den man sich vorstellen kann».

HINWEIS

In dieser Serie berichtet unsere Zeitung in lockerer Folge über «Sommerjobs». Bereits erschienen: Journalistin Beatrice Vogel als Matrosin.

Sommerjobs: Alle bisherigen Artikel unter www.luzernerzeitung.ch/sommerjobs

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